Uwe Rösler (r. neben Rafa Benitez) beendete seine Karriere als Spieler bei Lillestrom SK © getty

Der Deutsche peilt mit Brentford im FA-Cup die Sensation an. Zudem spricht Rösler über seinen harten Trainerstart in England.

Von Mathias Frohnapfel

München/London - Uwe Rösler gehört ein Platz in der Hall of Fame von Manchester City, in den neunziger Jahren hatte der Stürmer die Citizens vor dem Abstieg bewahrt.

Nach der Profi-Karriere einen Job als Trainer in England zu finden, war dennoch eine schwierige Unternehmung.

Dabei hatte Rösler schon sechs Jahre Klubs in Norwegens erster Liga trainiert und war dabei im UEFA-Cup vertreten.

Mittlerweile ist der 44-Jährige aber drauf und dran, sich auch auf der Insel einen Namen zu machen.

Kreativ, mit hoher Spielkultur und kampfstark: So tritt sein Team, der Drittligist FC Brentford, auf. Und so haben die Londoner auch den Lokalrivalen Chelsea durch ein 2:2 in der vierten Runde des FA Cups ins Wiederholungsspiel gezwungen.

Der große Coup soll jetzt nach Wünschen der "Bees" ("Bienen") gelingen.

Am Sonntagmittag (der FA-Cup, So. ab 15 Uhr: Manchester City - Leeds United LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) fordert der Außenseiter den Champions-League-Sieger in dessen Wohnzimmer heraus.

Im SPORT1-Interview spricht Rösler über das große Match, seine Arbeit mit Brentford und die Begegnung mit Chelsea-Coach Rafael Benitez.

SPORT1: Herr Rösler, wie hat eigentlich Chelseas Coach Rafael Benitez reagiert, als Sie sein Team ins Wiederholungsspiel gezwungen haben?

Uwe Rösler: Er hat uns Komplimente gemacht dafür, wie wir aufgetreten sind, das habe ich auch meinen Spielern gesagt. Für mich ist er ein echter Gentleman, ich habe großen Respekt vor diesem Weltklasse-Trainer.

SPORT1: Wie erklären Sie sich das überraschende 2:2 gegen den haushohen Favoriten?

Rösler: Chelsea hat uns unterschätzt, wir hätten den Sack zumachen können, haben das leider verpasst. Im Rückspiel wird es schwer, Chelsea weiß nun, dass wir auch eine gute Mannschaft haben. Diesmal werden sie uns nicht auf die leichte Schulter nehmen, aber meine Jungs wachsen mit der Aufgabe.

SPORT1: Glauben Sie an die Sensation?

Rösler: Ich glaube daran, dass wir Chelsea das Leben unheimlich schwer machen können. Wenn wir die ersten 30 Minuten ohne Gegentor überstehen und einige Nadelstiche setzen, dann wird die Stimmung an der Stamford Bridge schnell umschlagen. Das kann unser Vorteil werden. Wir müssen auf jeden Fall sehr viel laufen.

SPORT1: Was zeichnet Ihre Mannschaft aus?

Rösler: Die taktische Disziplin, ihre Jugend, ihr Talent. Zudem sind sie sehr mutig in solchen Spielen, gehen da ohne falschen Respekt vor großen Namen ran.

SPORT1: 6.000 Brentford-Fans werden mit an der Stamford Bridge sein, wie ist es, so eine Euphorie auszulösen?

Rösler: Gegen Chelsea haben wir seit 63 Jahren nicht mehr gespielt, und es kommt ja noch der Stellenwert hinzu, den Chelsea jetzt hat. Für den Verein, für das ganze Renommee ist das alles unheimlich wichtig. Unsere Fans und die Leute im Klub sollen den Moment jetzt einfach genießen.

SPORT1: Als St. Pauli in der Saison 2002/2003 den FC Bayern geschlagen hat, gab es danach T-Shirts: "Weltpokalsieger-Besieger". Wäre so etwas für Brentford auch eine Idee?

Rösler: Nein, darum kümmere ich mich nicht. Ich will die Mannschaft gut vorbereiten und ihr klar machen, dass wir nicht nur verteidigen können, sondern auch attackieren müssen. Wenn uns das gelingt, können wir Chelsea Probleme bereiten.

SPORT1: Sie stehen mit Brentford auch in der Liga ausgezeichnet da, spielen um den Aufstieg mit. In der dritten englischen Spielklasse anzuheuern, war im Nachhinein gesehen also genau die richtige Entscheidung für Sie?

Rösler: Es war ehrlich gesagt das einzige Angebot, das ich hatte. Ich habe mich in England für einige Sachen beworben, aber selbst wenn man hier gespielt hat, ist es nicht einfach einen Job zu bekommen, obwohl ich in Norwegen vorher sechs Jahre erfolgreich gearbeitet habe. Das hat hier alles nicht gezählt.

SPORT1: Dabei waren Sie mit Ihren norwegischen Klubs auch international vertreten.

Rösler: Ja, und wir haben auch zweimal das Pokalendspiel erreicht, doch das hat hier kaum eine Rolle gespielt. Brentford war ein Glückstreffer, der Verein hat mir das Vertrauen geschenkt, obwohl ich für sie eine unbekannte Komponente war.

SPORT1: Wie lief der Start?

Rösler: Wir haben die beste Platzierung seit sieben Jahren erreicht. Im vergangenen Jahr habe ich die Mannschaft so übernommen, wie sie war, und versucht, das Beste daraus zu machen. Jetzt habe ich den Spielstil geändert, es sind jetzt viele neue Spieler da und es ist nun sozusagen meine Mannschaft. Der Fortschritt in der Spielkultur ist sichtbar.

SPORT1: Der Lohn blieb nicht aus, Ihr Vertrag wurde bis 2015 verlängert.

Rösler: Es gab schon einige Gerüchte, fast bei jedem Trainer, der in der zweiten englischen Spielklasse entlassen wurde, wurde mein Name genannt bei den Bookies. Der Verein möchte aber den Kurs weiterführen, mein Sportdirektor auch, da ist mir die Entscheidung leicht gefallen. Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen, nämlich in die Championship. Der Verein bekommt ein neues Stadion, das wird 2016 fertig, bis dahin soll der Sprung spätestens geschafft sein.

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