Der neue Chelsea-Trainer Rafael Benitez ist an der Stamford Bridge nicht Willkommen © getty

Der neue Blues-Coach wird beim Remis gegen Manchester City von den eigenen Fans beleidigt. Die Vergangenheit hängt ihm nach.

Von Hardy Heuer

München - So hat sich Rafael Benitez seine Premiere beim FC Chelsea mit Sicherheit nicht vorgestellt.

Auf dem Weg aus den Katakomben der Stamford Bridge zur Trainerbank wurde der neue Blues-Coach bei seinem Debüt als Coach der Londoner von den eigenen Fans ausgepfiffen und beleidigt.

"Verpiss dich, Benitez, du bist hier nicht willkommen", skandierten die Zuschauer auf den Rängen und machten deutlich, was sie vom Spanier halten.

Plakate wie "Rafa raus" waren im Stadion verteilt, ein großes Banner setzte dem Ganzen die Krönung auf: "Willkommen im Zirkus - in der Hauptrolle: der fette Rafa als der neue Clown."

Benitez hat Reaktionen provoziert

Das torlose Unentschieden gegen Manchester City (Bericht) konnte die Fans auch nicht beruhigen. ("Roarrr ? Premier League Highlights": Mo., ab 23.30 Uhr im TV auf SPORT1)

"Rafa Benitez - Chelsea-Fans vergessen nicht", stand auf einem Plakat.

Gemeint ist Benitez' Aussage als damaliger Trainer des FC Liverpool, als gesagt hatte, dass er "niemals" bei Chelsea arbeiten wolle.

Di Matteo wird gefeiert

Dass er jetzt als Interimscoach bis zum Sommer für Roberto Di Matteo - Champions-League-Sieger von 2012 - von Klub-Boss Roman Abramowitsch eingesetzt wurde, macht ihm die Sache nicht leichter.

Denn Di Matteo war einer aus dem Klub. Einer, den die Fans liebten. "Ein Di Matteo, es gibt nur ein Di Matteo" feierten die Zuschauer den entlassenen Coach. Der Gesang zu Benitez klang wie folgt: "Fetter spanischer Kellner, du wirst morgens gefeuert."

Abramowitsch schützt sich

Abramowitsch irgnorierte jegliche Plakate und Gesänge und erhob sich für Benitez, um ihm demonstrativ zu applaudieren.

Vom russischen Milliardär war die Verpflichtung des Spaniers trotz allen Trubbels womöglich cleverer Schachzug.

Abramowitsch nahm sich nach der Entlassung von Di Matteo dadurch aus der Schussbahn und warf Benitez der Menge quasi zum Fraß vor.

Cech mahnt zur Ruhe

Petr Cech versuchte die Lage nach der Partie zu beruhigen.

"Wir fangen wieder bei null an. Natürlich war die Entlassung von Di Matteo ein Schock. Wir Spieler sind an dieser Situation natürlich nicht unschuldig und müssen die Dinge wieder in die richtigen Bahnen lenken", sagte der Blues-Keeper:

"Benitez muss eine Chance bekommen. Dann kann er beweisen, ob er sie verdient", betonter der Tscheche.

Mancini verteidigt seinen Kollegen

Auch City-Trainer Roberto Mancini glaubt an den neuen Chelsea-Coach.

"Er ist ein guter Trainer und wird Zeit haben, dies zu zeigen. Er hat große Erfahrung und das durch seine Titel bewiesen", erklärte der Italiener, betonte aber:

"Er muss gewinnen, gewinnen, gewinnen - jedes Spiel." (DATENCENTER: Premier League)

Benitez bleibt ruhig

Benitez selbst will von den Anfeindungen der Fans nichts mitbekommen haben. "Ich habe nicht verstanden, was die Leute gesungen haben", betonte er: "Ich habe mich nur auf das Spiel konzentriert."

Die Partie gab aber nicht viel her, Stürmer Fernando Torres profitierte noch nicht von seinem ehemaligen Liverpooler Trainer, der ihn im Gegensatz zu Di Matteo in die Startelf stellte.

"Fernando braucht noch etwas mehr Unterstützung vom Team. Der Erfolg eines Torjägers kommt nicht nur durch seine eigene Leistung zustande", stärkte Benitez seinem Landsmann den Rücken.

Durch das Remis rutschten die Blues auf Rang vier ab, für Benitez aber kein Grund zur Besorgnis. "Die Spieler müssen konzentriert sein. Sind sie es, dann wird alles gut", sagte der Spanier:

"Wie viele Leute braucht es schon, um ein Banner zu malen. Richtig, einen und eventuell noch zwei, um es zu halten. Es waren also vielleicht 20 bis 25 Leute. Wenn wir gewinnen, werden auch die kritischen Fans das Team unterstützen."

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