Mario Balotelli (r., links Podolski) wechselte 2010 von Inter Mailand zu Manchester City © getty

Bei der EM gegen die DFB-Elf schoss Mario Balotelli Italien ins Finale. Jetzt trifft er vielleicht wieder auf Lukas Podolski.

London/Berlin - Vor gerade einmal 85 Tagen war Mario Balotelli auf dem Höhepunkt seiner Karriere: Beim 2:1 im EM-Halbfinale gegen Deutschland machte sich Italiens Stürmer mit zwei Toren und seiner Bodybuilderpose unsterblich.

Lukas Podolski stand am späten Abend des 28. Juni dagegen vor einer ungewissen Zukunft: Nach einer schwachen Leistung zur Pause ausgewechselt, zuvor mit seinem 1. FC Köln abgestiegen - das Abenteuer FC Arsenal stand vor der Tür.

Wenn es am Sonntag in der englischen Premier League zum Verfolgerduell zwischen Balotellis Verein Manchester City und Arsenal kommt (17 Uhr LIVESCORES), haben sich die Vorzeichen des Stürmerduells jedoch deutlich verändert. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Während Podolski nach wenigen Spielen bereits zum neuen Hoffnungsträger der Gunners avanciert ist, manövrierte sich Balotelli einmal mehr durch außersportliche Eskapaden ins Abseits.

Degradierung zum Statisten

Angeblich wegen seiner Weigerung, künftig die Finger von Zigaretten zu lassen, degradierte ihn City-Trainer Roberto Mancini beim Champions-League-Auftakt bei Real Madrid (2:3) nur zum Statisten. ( 486320 DIASHOW: Transfermarkt International )

Auch wenn Mancini das offiziell nicht zugeben wollte: Die Geduld des Italieners mit seinem Landsmann hat sich buchstäblich in Rauch aufgelöst, die Weigerung mit seinem Laster aufzuhören, hat das Fass offenbar zum Überlaufen gebracht.

Ob er gegen die Gunners auflaufen darf, ist deshalb alles andere als sicher.

Denn das Enfant terrible ist nicht erst seit seinem Wechsel nach Manchester 2010 der Star der englischen Klatschpresse.

Er prügelte sich im Training mit Jerome Boateng, ein anderes Mal warf Balotelli Dartpfeile auf Jugendspieler - aus Langeweile. In der vergangenen Saison verhalf er City zur ersten Meisterschaft seit 1968, doch in Erinnerung blieb eher das Feuerwerk, mit dem er sein Badezimmer abfackelte.

Lange Liste der Verfehlungen

Die Liste der Verfehlungen des als Skandalkickers verschrienen Fußballers ist lang, zumeist sind aber irgendwie Prostituierte und teure Autos involviert.

Letztere sind nach Ausflügen mit dem 22-Jährigen auch gerne Mal demoliert. Zuletzt musste sich Balotelli erneut einem DNA-Test unterziehen, der klären sollte, ob er der Vaters des Kindes von Edel-Callgirl Jessy Thompson ist.

Jene Frau, die bereits durch ein Tete-a-tete mit United-Stürmer Wayne Rooney bekannt wurde.

Während sich Balotelli mittlerweile mehr auf den Klatschseiten wiederfindet, schreibt Podolski dagegen sportliche Schlagzeilen. Und zwar positive.

Drei Tore in drei Spielen - zuletzt das wichtige 1:1 in der Champions League gegen Montpellier: Die Lobeshymnen auf den Deutschen reißen nicht ab.

"Er taucht zwar nicht oft vor dem gegnerischen Tor auf, doch wenn er dort ist, denkst du immer, dass es eine gute Tormöglichkeit ist. Denn er ist ein fantastischer Vollstrecker", sagte Arsenal-Coach Arsene Wenger.

So hat er sich bei Arsenal nach zuletzt drei Toren zum Publikumsliebling entwickelt.

"Er trifft, wann er will"

Und die Abschlusstärke des Kölners haben auch die Fans mittlerweile überzeugt. "Lukas Podolski, he scores when he wants" ("Er trifft, wann er will"), sangen die Gunners-Fans bereits über den Neuzugang.

Ein Lied, dass sie zuletzt über den zu Manchester United abgewanderten Robin van Persie in den englischen Stadien zum Besten gaben.

Das bringe aber auch die Last des Publikumslieblings mit sich, warnt der frühere Arsenal-Keeper Jens Lehmann bei SPORT1: "Die Leute erwarten viel von ihm und deswegen kann er sich nicht darauf ausruhen, dass er drei Tore geschossen hat. Das ist zwar sehr gut, aber ausruhen würde ich mich an seiner Stelle nicht."

Drittes Tattoo für "Prinz Poldi"?

Podolski fühlt sich in England pudelwohl, jetzt denkt er sogar über ein Tattoo seines neuen Klubs nach.

"Vielleicht lasse ich mir in den nächsten drei, vier Jahren eins auf meinen linken Arm tätowieren, denn ich mag Arsenal sehr", sagte der Stürmer.

Vor seinem Abschied aus der Domstadt hatte er sich aus Liebe zum FC bereits "Cologne" auf den rechten Oberarm stechen lassen.

Am Handgelenk hat er zudem den Namen seines Sohnes Louis für die Ewigkeit festgehalten.

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