Santi Cazorla (r.) kam vom FC Malaga zu Arsenal London © imago

Nach dem Katastrophen-Bericht rückt der 4. Spieltag in den Hintergrund. Dabei will Podolski mit Arsenal an die Gala anknüpfen.

Von Rainer Nachtwey

München/London - Nach der Länderspielpause nimmt die Premier League ihren Spielbetrieb wieder auf.

Doch während Lukas Podolski und Per Mertesacker mit dem FC Arsenal ihren zweiten Erfolg am 4. Spieltag (ab 13.45 Uhr LIVESCORES) feiern wollen, findet das sportliche Geschehen weit weniger Beachtung (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Vielmehr steht die Aufarbeitung der größten Tragödie des englischen Sports, die Hillsborough-Katastrophe von 1989, im Mittelpunkt.

"Verantwortlichen belangen"

Nach der Veröffentlichung des rund 400.000 Seiten starken Untersuchungsberichts, in dem ein unabhängiges Gremium schwerwiegende Versäumnisse und Vertuschungsaktionen offengelegte, sollen die wahren Schuldigen zur Rechenschaft gezogen werden.

"Die Wahrheit ist ans Licht gekommen", sagte der Vorsitzende des Opfer-Verbandes, Trevor Hicks, nach der Lektüre des schockierenden Untersuchungsberichts, der ein ganz neues Licht auf die Ereignisse des FA-Cup-Halbfinals zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forrest in Sheffield wirft, bei dem 96 Menschen ums Leben kamen.

"Es wird Zeit, dass die Verantwortlichen belangt werden."

Polizeipräsident rudert zurück

Der Bericht war zu dem Ergebnis gekommen, dass mindestens 41 Todesopfer hätten gerettet werden können. Polizei- und Rettungskräften seien schwere Fehler unterlaufen, zudem habe die Polizei später für sie negative Passagen aus Berichten entfernt.

Nachdem der britische Verband FA und Premierminister David Cameron sich bei den Angehörigen der Opfer für falsche Schuldzuweisungen bereits am Mittwoch entschuldigt hatten (News), ruderte nun auch der Polizeipräsident von West Yorkshire, Norman Bettison, zurück.

Der damals als Chef-Inspektor am Einsatz beteiligte Beamte relativierte seine am Donnerstag getätigte Aussage ("Das Verhalten der Fans hat den Job der Polizei erschwert") am Freitag: "Es gibt keinen Grund, den Fans des FC Liverpool die Schuld am Desaster zuzuweisen."

Gerrard von Hillsborough betroffen

Einer der Angehörigen der Opfer muss sich am Samstag wieder auf den aktuellen Fußball konzentrieren. Liverpools Kapitän Steven Gerrard verlor bei der Katastrophe am 15. April 1989 seinen Cousin Jon-Paul.

Der englische Nationalspieler tritt mit den Tabellen-18. beim FC Sunderland an und hofft nach dem schlechtesten Saisonstart seit 50 Jahren mit einem Remis und zwei Niederlagen auf den ersten dreifachen Punktgewinn. Zuletzt setzte es gegen Arsenal ein 0:2.

Wenger dämpft Erwartungen

Die Gunners, allen voran die Neuzugänge Podolski und Santi Cazorla, erhielten nach dem ersten Saisonsieg höchstes Lob. Gegen Southampton will Londons neues Traumduo an seine Gala von der Anfield Road anknüpfen (BERICHT: England feiert Arsenals neuen Prinzen).

Trotz der Glanzvorstellung warnt Coach Arsene Wenger noch vor zu großen Erwartungen an die beiden: "Sie sind immer noch das europäische Spiel gewohnt. Die Premier League ist etwas ganz Spezielles, der Spielrhythmus, die Geschwindigkeit, die Intensität der Zweikämpfe." ( 486320 DIASHOW: Transfermarkt International )

Der Franzose ist sich aber sicher, dass die Eingewöhnung der beiden schnell voranschreitet. "Vielen fällt die Adaption schwer, aber ihre und unsere eher europäische Spielweise werden ihnen helfen."

Terry muss zu den Queens Park Rangers

Mit Spannung erwartet wird der erste Auftritt von Englands ehemaligem Kapitän John Terry bei den Queens Park Rangers. Der Abwehrchef des FC Chelsea soll vor einem Jahr den farbigen Rangers-Verteidiger Anton Ferdinand rassistisch beleidigt haben.

Vor dem Londoner Derby ermahnte die FA die Beteiligten noch einmal zu Fairplay, nachdem zahlreiche englische Zeitungen darüber spekuliert hatten, dass Ferdinand Terry den Handschlag verweigern werde.

"Alle Parteien verstehen und bestätigen, dass der Handshake als Bestandteil der normalen Begrüßung vor dem Spiel über die Bühne gehen wird", hieß es in einer Mitteilung des Verbandes.

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