Manchester City holte nach 1937 und 1968 seine dritte englische Meisterschaft © getty

ManCity dreht mit dem irren Titel-Finish das Verhältnis zum Stadtrivalen. United verschluckt sich an der eigenen Medizin.

Von Raphael Weber

München/Manchester - Nach dem unfassbaren Herzschlagfinale gab es im Etihad Stadium kein Halten mehr.

Sergio Agüeros 3:2 Siegtor gegen die Queens Park Rangers (Bericht und 558712 Bilder ) zum ersten Titel für Manchester City seit 1968, gab den Startschuss zum kompletten Rausch in himmelblau.

"Als Sergio traf, sind alle Dämme gebrochen", berichtete City-Verteidiger Vincent Kompany hinterher: "Ich weiß noch, wie ich auf ihn gesprungen bin und er auf dem Boden geweint hat. Plötzlich war es aus und wir waren Meister." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Auch die Anhänger der "Sky Blues" weinten vor Freude, Roberto Mancini und sein Trainerteam tanzten an der Seitenlinie.

Nach dem Schlusspfiff stürmten die Fans den Rasen und die Stadt Manchester, so lange in roter Hand, trägt zumindest in diesem Jahr blau. "Citys blauer Mond scheint Gold", schreibt der "Guardian".

United schmeckt eigene Medizin

Während City-Edelfan und Oasis-Frontman Liam Gallagher also den Titel seines Klubs in der VIP-Loge mit Champagner begoss, fand sich Manchester United ungewohnt auf der falschen Seite des Wunders wieder und bekam eine gehörigen Portion der eigenen Medizin zu schmecken.

Im legendären Champions-League-Finale 1999 gegen Bayern München hatten die "Red Devils" noch selbst per Doppelschlag durch Ole Gunnar Solskjaer und Teddy Sheringham in der Nachspielzeit ein verloren geglaubtes Spiel zum süßen Titelgewinn gedreht

"Sie machten es in der Fergie-Time", titelte die "Sun", der Mirror verabschiedete City aus "44 Jahren des Elends".

"Wunder passieren in Manchester", jubelte Kompany, "aber dieses Mal sind wir dran."

Dzeko und Agüero drehen den Krimi

Dabei schien ManCity schon auf dem Weg ins Tal der Tränen.

Mit dem 1:2-Rückstand gegen die Queens Park Rangers in der 90. Minute drohte der Titel zu entgleiten, weil United parallel in Sunderland schon seit der 20. Minute durch Wayne Rooney in Führung lag.

"Der verrückteste Tag überhaupt, nach 90 Minuten war Citys Titeltraum tot", fasst die "Daily Mail" den Krimi zusammen.

Alles schien verloren, United Meister, als Edin Dzeko und Agüero in fünf Minuten Nachspielzeit den unfassbaren Krimi zugunsten von City drehten.

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United auf königsblauen Spuren

Beim Treffer des Argentiniers war Uniteds Partie in Sunderland bereits abgepfiffen, die "Red Devils" für exakt 13 Sekunden Meister. Ein ähnliches Schicksal, das auch Schalke 04 im Jahr 2001 im Fernduell mit Bayern München um die Deutsche Meisterschaft erleiden musste.

"Das war das verrückte Ende einer verrückten Saison", fasste City-Trainer Roberto Mancini die Ereignisse zusammen: "Jetzt fühle ich mich 90 Jahre alt."

"Ich habe nie aufgehört zu glauben - nie", versicherte Kompany.

Ferguso: "Sie brauchen noch ein Jahrhundert"

United-Trainer Sir Alex Ferguson war dagegen bedient: "Es ist brutal, wenn einem der Titel auf eine solche Art entrissen wird."

Er gratulierte dem Stadtrivalen zum Titel, stellte mit einem Seitenhieb aber sicher, dass niemand die jahrelangen Machtverhältnisse in Manchester vergisst: "Sie (City) brauchen noch ein Jahrhundert, um auf unser Level zu kommen."

Unter anderem stehen 19 Meistertitel und drei Champions-League-Siege auf dem Briefkopf von United - der himmelblaue Stadtrivale steht dagegen erst zum dritten Mal an der Spitze der Premier League.

Mancini feiert verdienten Titel

Nach dem enttäuschenden Scheitern in Champions League und Europa League hat City nun aber unterstrichen, dass man mit der Scheich-Power im Rücken ein ernsthafter Konkurrent ist.

"Das beste Team hat den Titel gewonnen. Wir haben den besten Fußball gespielt, weniger Tore zugelassen, mehr Tore geschossen und United zweimal besiegt. Wer das schafft, verdient es zu gewinnen" fasste Mancini zusammen.

Agüeros Wiedergutmachung für Maradona

Zumindest bei den Anhängern der "Citizens" hat Meister-Held Agüero Wiedergutmachung für eine tiefe Wunde in der englischen Fußball-Seele gesorgt.

Der "Daily Mirror" feierte Sergio Agüeros "Fuß Gottes", in Anlehnung an seinen legendären Schwiegervater Diego Maradona, der England einst beim Viertelfinale der WM 1986 in Mexiko mit seinem Tor durch die "Hand Gottes" ins Unglück stürzte.

Balotelli feuert gegen Kritiker

Enfant terrible Mario Balotelli nutzte derweil die Gelegenheit, um seinen Kritikern eine Botschaft zu senden: "Persönlich denke ich, dass zu viele Leute geredet und schlechte Dinge über mit gesagt haben. Jetzt müssen sie einfach die Klappe halten."

Der italienische Stürmer sorgte auch in dieser Saison immer wieder für Unruhe gesorgt und war erst Anfang April von Mancini suspendiert worden. Rechtzeitig vor dem Manchester-Derby gab es dann aber doch noch die Begnadigung.

Gegen QPR hatte Balotelli nach seiner Einwechslung erheblichen Anteil am City-Wunder, geht auf Schmusekurs mit den Klub-Oberen und erklärt, er wolle bleiben: "Manchester City ist ein großartiger Klub, ein großartiges Team. Ich habe großartige Mannschaftskameraden."

Nach seiner letzten Suspendierung hatte Coach Mancini noch laut über den Verkauf seines Landsmannes nachgedacht.

In Citys himmelblauem Meister-Wahnsinn dachte er darüber aber sicher nicht mehr nach.

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