Drogba (r.) erzielte in der laufenden Saison fünf Tore in der Premier League © getty

Diskussionen um Trainer und Spieler belasten die Blues vor dem Saisonfinale gegen Blackburn. Die Abwehr zittert schon vor Bayern.

Von Raphael Weber

München - Trainerposten ungeklärt, Umbruch am Horizont, offenes Innenverteidiger-Casting - ideal ist anders.

Statt sich in Ruhe auf den Saisonhöhepunkt Champions-League-Finale gegen den FC Bayern vorzubereiten, gleicht Chelseas Weg nach München eher einer Schlaglochpiste.

Trainer Roberto Di Matteo kämpft, obwohl er als Nachfolger des glücklosen Andre Villas-Boas den FA Cup gewonnen hat, um seinen Job.

Denn bereits vor dem Saisonfinale gegen Blackburn (So., ab 15.55 Uhr im LIVE-TICKER) haben die Blues schon keine Chance mehr, über die Premier League in die Königsklasse einzuziehen.

Erstmals in der Ära von Geldgeber Roman Abramowitsch (seit 2003) leistet sich Chelsea diesen Ausrutscher.

Fatale Groß-Rotation

Nachdem Trainer Di Matteo sein Team am vergangenen Spieltag gegen Liverpool auf ganzen acht Positionen veränderte, steckt Chelsea durch die 1:4-Schlappe gegen die Reds auf dem sechsten Rang fest.

Klappt es mit dem Triumph in München nicht, muss die Millionentruppe kommende Saison durch die ungeliebte Europa League tingeln.

Zumindest für die ist Chelsea durch den Sieg im FA Cup qualifiziert (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Nur vier Siege in zehn Spielen

Egal in welchem internationalen Wettbewerb: Ob Di Matteo im kommenden Jahr noch die Geschicke leitet, ist fraglich.

Denn der Aufschwung unter Di Matteo ist, im Gegensatz zur Champions League, an der Premier-League-Leistung weitestgehend vorbeigegangen.

Nur vier Siege wurden in zehn Partien unter dem Interimscoach gewonnen, lediglich 15 von 30 möglichen Punkten geholt.

Was passiert mit Di Matteo?

Selbst wenn der Italiener Chelsea zum Champions-League-Triumph und damit zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte führt, muss er wohl seinen Posten nach der Saison räumen, spekulierten englische Medien unter der Woche.

Auch der Trainer ist sich dessen bewusst: "Wenn wir das Finale gewinnen, wird das in die Geschichte eingehen und die Aufs und Abs vergessen machen", prophezeit Di Matteo, ist sich aber auch klar: "Wenn nicht, müssen wir die Situation neu bewerten. Die Verantwortlichen werden die richtige Entscheidung treffen."

"Ich habe meine Zeit als Trainer immer sehr genossen. Es war eine große Herausforderung und ich hatte immer eine gute Beziehung zu meinen Fans", so Di Matteo weiter.

[kaltura id="0_u5s6yuar" class="full_size" title="Chelsea holt den FA Cup"]

Lob, aber keine Entscheidung

Zwar lobte Ron Gourlay, der Geschäftsführer der Blues, Di Matteo ausdrücklich, die letztendliche Entscheidung über seine Zukunft wollen die Verantwortlichen aber erst nach dem Finale in München treffen.

Di Matteo habe einen fantastischen Job gemacht, dasselbe gelte für die Spieler.

Fantastisch genug für einen frühzeitigen Vertrauensbeweis in Form eines Anschlussvertrages war die Leistung aber wohl doch nicht.

Zumal die "Sun" berichtet, dass die Blues, bei denen zuvor Trainer-Schwergewichte wie Jose Mourinho, Luiz Filipe Scolari und Guus Hiddink an der Seitenlinie standen, ab Sommer ohne Di Matteo planen.

Drogba muss warten

Auch bei Didier Drogba stehen die Zeichen auf Abschied, obwohl Gourlay auch hier den Kuschelkurs fährt.

"Didier liebt den FC Chelsea, und wir alle lieben ihn", so der Klub-Boss: "Wir werden unsere Gespräche fortsetzen und die Dinge nach dem Endspiel der Champions League nächste Woche diskutieren."

Der Ivorer Drogba will bleiben, ist aber bei seinem Klub offenbar abgeblitzt.

"Der Wunsch nach einem neuen Zweijahres-Vertrag des 34-Jährigen ist auf taube Ohren gestoßen", will der "Daily Mirror" erfahren haben.

Prinzip Hoffnung für die Innenverteidigung

Bei Chelseas Hauptproblem im Finale gegen gegen die Bayern, der Innenverteidigung, bleibt dem Trainer auch sieben Tage vor dem Finale nur die Hoffnung.

Denn sowohl David Luiz als auch Gary Cahill können auch gegen Blackburn noch nicht wieder spielen.

"Wir versuchen alles, dass sie bis kommende Woche fit werden", erklärte Di Matteo.

Mit Kapitän John Terry (Rot-Sperre) und Branislav Ivanovic (Gelb-Sperre) fehlen bereits die beiden Stamm-Innenverteidiger.

Dem Brasilianer David Luiz mangelt es zumindest nicht an Motivation. "Das Champions-League-Finale ist mein Traum, ich würde mein Leben geben, um zu spielen", stellte der Brasilianer klar.

FCB-Offensive macht Sorgen

Schon vor Blackburn bereitet Chelsea das Aufeinandertreffen mit der geballten bayrischen Offensivpower Sorgen.

"Sie haben Gomez, Ribery, Robben, auch Müller - es ist ein technisch sehr starkes, gefährliches Team mit viel Dynamik", analysierte Di Matteo.

Die weiße Fahne schwenkt er aber noch nicht: "Auch die Bayern haben Schwächen. Ich weiß wo sie liegen."

Warmspielen gegen Blackburn

Selbstvertrauen soll auch der Rückblick auf das Halbfinale geben: "Wenn du dich in zwei Spielen gegen Barcelona durchsetzt, kannst du jeden in Europa schlagen", macht er seinen Spielern Mut.

Ivanovic nimmt die Mitspieler vor dem Schaulaufen gegen Blackburn in die Pflicht: "Wir wollen die Premier League gut abschließen, es ist das letzte Spiel vor München und es wird wichtig sein, hinter den Spielern zu stehen, die in Deutschland auflaufen."

Bei einem Sieg gegen Blackburn würde die Vorbereitung für den 19. Mai zumindest in ruhigere Bahnen gelenkt.

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