John Terry (r.) hat bisher 71 Länderspiele für England absolviert © getty

Di Matteo schont seine Blues für die Bayern und schenken in der Liga ab. Doch das könnte sich am Ende der Saison rächen.

Von Raphael Weber

München - Die Wechselspiele von Trainer Roberto di Matteo hatten für Chelsea empfindliche Folgen, sollen sich aber auf lange Sicht auszahlen.

Ganze acht Spieler tauschte der Coach der Blues für das Nachholspiel gegen Liverpool im Vergleich zum 2:1-Sieg im FA-Cup-Finale am Samstag aus.

Als Konsequenz setzte es für Chelsea einen deutliche Niederlage mit Folgen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Die 1:4-Pleite (News) bei den Reds ist nicht nur Chelseas höchste Niederlage in dieser Saison, sondern sie zerstört auch die letzte Hoffnung, als Vierter zumindest in die Qualifikation zur Champions League einzuziehen.

Europa League "droht"

Chelsea ist an den sechsten Platz gefesselt und hat bei vier Punkten Rückstand keine Chance mehr, Tottenham Hotspur am letzten Spieltag von Platz vier zu verdrängen.

Jetzt muss Chelsea gegen Bayern München den Titel holen, sonst müht sich die Millionentruppe von Roman Abramowitsch kommende Saison durch die Europa League.

Di Matteo verteidigt seine Aufstellung

Davon, dass er in Liverpool seine Spieler für das Finale in München am 19. Mai geschont habe, wollte Trainer die Matteo aber nichts wissen.

"Es ging nicht darum, ein Risiko einzugehen", erklärte sich der Coach: "Wir sind mit frischen Spielern angetreten, mit mehr Energie, um uns eine bessere Chance zu geben."

Der Niederlage an der Anfield Road sprach er die entscheidende Bedeutung ab und stellte klar: "Wir haben in dieser Saison viele Punkte verloren, es lag nicht nur am heutigen Spiel."

Letzte Chance abgeschenkt

Kurioserweise sind die drei Spieler, die der Trainer nicht schonte, allesamt für das Champions-League-Finale gesperrt: John Terry, Branislav Ivanovic und Ramires. Der ebenfalls gesperrte Raul Meireles hatte komplett Pause.

"Wir haben mit ähnlichen Spielern gegen Arsenal gespielt und die Stärke unseres Kaders genutzt", rechtfertigte sich di Matteo weiter.

Doch da selbst Stammkeeper Petr Cech pausierte, ist die Schonung für das Finale von München offensichtlich.

[kaltura id="0_u5s6yuar" class="full_size" title="Chelsea holt den FA Cup"]

Schlechtester Platz in zehn Jahren

Auch der Spielplan wurde von di Matteo als Erklärung für die Groß-Rochade angeführt: "Das war unser 19. Spiel in neun Wochen. Wir haben alle drei Tage gespielt und nur weil wir den gesamten Kader genutzt haben, konnten wir ins Finale einziehen und den FA-Cup holen."

Der Sieg im ältesten Pokalwettbewerb der Welt berechtigt die Blues kommende Saison immerhin zur Teilnahme an der Europa League, doch ob das Geldgeber Abramowitsch begeistert, ist anzuzweifeln.

Auch über Platz sechs und damit die schlechteste Platzierung der Blues in den letzten zehn Jahren dürfte der Russe wenig begeistert sein.

Alles für ein Ziel

Sollte Chelsea aber am 19. Mai den Champions-League-Pokal in den Himmel von München recken, würde all das in den Hintergrund gerückt.

Allerdings ist noch völlig offen, wen di Matteo dann als Innenverteidiger aufbieten will. Kapitän Terry sitzt seine Rot-Sperre ab, der gelernte Außenverteidiger Ivanovic kann wegen seiner Gelb-Sperre ebenfalls nicht aushelfen.

Die Alternativen David Luiz und Gary Cahill laborieren beide an Oberschenkelverletzungen und sind für das Endspiel äußerst fraglich. In beiden Partien gegen Liverpool waren sie nicht dabei.

So könnte es an den Außenverteidiger Ashley Cole und Jose Bosingwa sein, sich den FCB-Angreifern in der Abwehrzentrale zu stellen.

Clever rotiert oder verzockt?

Holt Chelsea - mit welchem Innenverteidiger-Duo auch immer - die Champions League, hat di Matteo alles richtig gemacht.

Scheitern die Blues jedoch auch in München, wird man sich an der Stamford Bridge fragen müssen, ob man die Champions-League-Chance in der Premier League nicht doch zu leicht abgeschenkt hat.

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