Chelsea steht am 19. Mai im Champions-League-Finale gegen den FC Bayern München © getty

Die Blues lassen sich den FA-Cup-Triumph gegen Liverpool nicht vom neuen Wembley-Tor vermiesen - und tanken Selbstvertrauen für Bayern.

London - Als Chelseas Kapitän John Terry den altehrwürdigen FA-Pokal küsste, diskutierte Fußball-England noch über das neue Wembley-Tor.

Drin oder nicht drin - für Terry war das beim Kopfball von Liverpools Andy Carroll (82.) nicht die Frage, er war gedanklich längst in München.

"Wir müssen jetzt auch das zweite große Ding holen. Das ist vom ersten Tag an das Ziel des Besitzers (Roman Abramowitsch, Anm. d. Red.). Wir haben Robbie schon viel Gutes getan - und das könnte ihm nicht schaden", sagte Terry nach dem 2:1 (1:0)-Finalsieg (Spielbericht u. Video).

Der vierte Triumph binnen sechs Jahren im ältesten Fußball-Wettbewerb der Welt "wird uns im Champions-League-Finale helfen", sagte Terry, "der Hunger in der Mannschaft ist unglaublich groß."

"Momentum" bei Chelsea

Und Didier Drogba, der mit seinem vierten Endspiel-Treffer im FA-Cup einen Rekord aufstellte (52.), betonte mit Blick auf den 19. Mai:

"Das war nur der erste Schritt!"

Das Boulevardblatt "The Sun" sieht das berühmte "Momentum", von dem auch Terry sprach, schon auf Seiten der Blues.

"Wer wollte jetzt noch gegen sie wetten?", fragte es rhetorisch.

Diskussionen um Wembley-Tor

Allein: Am Samstag kam Chelsea nach der Führung des in München gesperrten Ramires (11.) und Drogbas achtem Tor in Wembley nochmal gehörig ins Schwimmen (DATENCENTER: FA-Cup).

Der eingewechselte Carroll brachte die Reds heran (64.) und riss 18 Minuten nach dem 1:2 erneut die Arme zum Jubeln hoch.

"Ich dachte, dass er über der Linie war", sagte Carroll über den Kopfball, den Chelseas Torhüter Petr Cech pariert und an die Latte gelenkt hatte.

Cech widersprach. "Ich war mir sicher, habe gleich gesagt: Der war nicht drin, auf keinen Fall war der drin!"

[kaltura id="0_u5s6yuar" class="full_size" title="Chelseas Generalprobe gelungen"]

Cole will Champions-League-Trophäe

Die Fernsehbilder vom "Geistertor" ("Sun") sind nicht eindeutig, sprechen aber für die Sichtweise Cechs und des Linienrichters Andrew Garratt, der auf Weiterspielen entschied.

Und so durfte Terry zum vierten Mal als Captain die vasenähnliche Trophäe stemmen - ein Rekord, genau wie der siebte FA-Cup-Sieg Ashley Coles.

"Es hätte eine desaströse Saison werden können, aber nun haben wir den Cup und wollen in der Champions League Geschichte schreiben", sagte Cole:

"Wir haben das Gefühl, jedes Spiel gewinnen zu können."

Viel Lob für Di Matteo

Die "Daily Mail" drohte im militärischen Tonfall: "Die blauen Armeen marschieren jetzt auf München!"

Und das, obwohl Chelsea von vielen Experten nach einer schwachen Saison in der Premier League, die im Rauswurf von Teammanager Andre Villas-Boas gipfelte, bereits abgeschrieben war.

"Wir wurden von den Leuten schon als zu alt, über dem Zenit oder zerstritten geschlachtet, aber mit dem Rücken zur Wand haben wir uns als Team gefunden und es in den letzten 16, 17 Tagen super gemacht", sagte Terry.

Als Hauptverantwortlichen dafür nannte Frank Lampard Interimscoach Roberto Di Matteo. "Das ist alles Robertos Verdienst! Er hat den Klub verwandelt."

Di Matteo "sehr relaxed

Die "Sun" empfahl Abramowitsch, "Super Robbie", der sich wie der ehemalige Chelsea-Trainer Jose Mourinho als "Special One" erwiesen habe, zu halten.

Die Spieler demonstrierten ihre Zuneigung, als sie Di Matteo nach dem Schlusspfiff in die Luft warfen.

Der so Geehrte wird aber erst nach dem Endspiel von München über Abramowitschs Gedanken aufgeklärt.

"Wir reden, klar. Aber am Ende wird der Boss entscheiden - und wir alle seine Entscheidung mittragen", sagte Di Matteo.

Er selbst gehe "sehr relaxed" mit der Situation um, meinte der in Schaffhausen geborene Italo-Schweizer. Mit der Gelassenheit des Siegers eben.

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