Frust bei Chelsea, Jubel beim Ex-Freiburger Cisse nach seinem Doppelpack © getty

Nach dem 0:2 gegen Newcastle müssen die Blues wohl die Champions League gewinnen, um nächste Saison in der Königsklasse zu spielen.

London - Als Papiss Demba Cisse sein zweites "Wundertor" geschossen hatte, lag für einen Moment eine ungläubige Stille über der Stamford Bridge.

Und der FC Chelsea hatte die traurige Gewissheit:

Die Champions League, der lukrativste und bedeutendste Wettbewerb des europäischen Vereinsfußballs, ist über die Liga wohl nicht mehr zu erreichen. (DATENCENTER: Premier League)

Wenn die Blues im zehnten Jahr nacheinander in der Königsklasse spielen wollen, müssen sie am 19. Mai das Endspiel gegen Bayern München gewinnen.

"Nur noch eine einzige Karte zu spielen"

"Dieser Klub hat jetzt nur noch eine einzige Karte zu spielen", schrieb der "Independent" nach dem 0:2 (0:1) gegen Newcastle United.

Eine kleine, eine winzige Chance hat Chelsea in der Premier League nach der ersten Heim-Niederlage gegen die "Elstern" seit 1986 noch:

Als Sechster haben die Blauen zwei Spieltage vor Saisonende jeweils vier Zähler Rückstand auf den Vierten Tottenham Hotspur und Newcastle auf Rang fünf.

In England erreichen die ersten Drei die Königsklasse direkt, der Vierte spielt die Qualifikation.

Finalsieg "oder im Arsch"

"München - oder im Arsch!", kommentierte die "Sun" die Lage.

Sollte Chelsea den Bayern den Henkelpott entreißen, wäre es für die Gruppenphase qualifiziert, der Vierte müsste in die Europa League.

Samstag FA-Cup-Finale gegen Liverpool

Europas "2. Liga" kann Chelsea mit einem Sieg im FA-Cup-Finale am Samstag (ab 18.15 Uhr live im TV bei SPORT1) gegen Ligapokalsieger FC Liverpool erreichen - oder als Liga-Fünfter.

"Jetzt wird's schwierig für uns", sagte Roberto Di Matteo.

Dabei hatte der Teammanager in Lampard, Drogba, Cole und Mata vier seiner "von den vielen Schlachten ausgelaugten" ("Independent") Spieler zunächst geschont.

"Wir haben die Jungs über zwei Monate so hart rangenommen und sie haben alles gegeben", sagte Di Matteo über die zurückliegenden 33 Tage mit zehn Pflichtspielen.

Kein Aufbäumen nach Rückstand

Die starke Beanspruchung war seiner Elf anzumerken. Nach dem 0:1 von Cisse (19.) kam nicht mehr vie.

John Terrys Kopfball schlug Davide Santon von der Linie, auf der Gegenseite hatte der frühere Hoffenheimer Demba Ba zuvor die Latte getroffen.

Böses Foul von Obi Mikel gegen Tiote

Chelsea versuchte, die Unterlegenheit mit übertriebenem Einsatz wettzumachen - wie John Obi Mikel, der Newcastles Cheick Tiote mit dem Ellbogen voraus ins Gesicht sprang.

Als der Ivorer, eine Sauerstoffmaske über Mund und Nase, vom Platz getragen wurde, wurde bei manchem Beobachter die Erinnerung an Fabrice Muamba wach.

Boltons Profi saß gleichzeitig 46 Tage nach seinem Herzstillstand erstmals wieder im Wanderers-Stadion und sah die 1:4-Niederlage gegen die Spurs zu Tränen gerührt.

Tiote ging's glücklicherweise schneller besser: Als Cisse per Traumtor vom linken Sechzehnereck traf (90.+4), schaute er von der Kabine aus zu.

"Das ist für ihn nur ein Kratzer"

"Er hat eine neun Inches breite Fleischwunde am Kopf, die mit 400 Stichen genäht werden musste - aber das ist für ihn nur ein Kratzer", scherzte Uniteds Teammanager Alan Pardew:

"Er ist ein Kämpfer. Er bekommt ein kleines Pflaster auf den Kopf und spielt am Sonntag."

Dann empfängt Newcastle den Spitzenreiter Manchester City - mit Cisse, den Di Matteo "den im Moment heißesten Stürmer" nannte.

Ex-Freiburger Cisse auf Rekordkurs

Mit 13 Treffern in seinen ersten zwölf Spielen hat der Senegalese den Liga-Rekord von Micky Quinn und Kevin Phillips egalisiert.

Über sein Traumtor zum 0:2 sagte er: "Ich war nur noch müde und dachte: Ich muss irgendwie schießen."

Er traf Chelsea mitten ins Herz. "Dieser Ausgang (der Saison) ist nicht nur ein Rückschlag, er erschüttert die komplette Vision, die Roman Abramowitsch für diesen Klub hat", schrieb der "Guardian".

Di Matteo, der wohl keine langfristige Zukunft an der Stamford Bridge hat, will seine Spieler erst mal mit Blick auf den FA Cup aufrichten. "Die Motivation wird da sein", versprach er.

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