Michael Ballack spielt seit Sommer 2006 für den FC Chelsea © getty

Beim FC Chelsea werden die Karten neu gemischt. Mit der Verpflichtung von Felipe Scolari wird sich an der Stamford Bridge einiges verändern, doch welche Rolle wird deutschland Kapitän spielen?

München - Rund eineinhalb Monate ist es jetzt her, dass Michael Ballack vor der EM das bislang letzte Mal für den FC Chelsea spielte.

Wenn er nun aus seinem Sommerurlaub in Sardinien zur Saisonvorbereitung an die Stamford Bridge zurückkehrt, wird er komplett veränderte Verhältnisse vorfinden.

Der alte Trainer Avram Grant ist nach einer Saison ohne Titel vom Hof gejagt worden, der neue Coach Luiz Felipe Scolari hat am Montag seinen Dienst angetreten.

Auch die Mannschaft bekommt ein anderes Gesicht: Eine Reihe von Stars steht vor dem Absprung, mit den Abramowitsch-Millionen sollen neue geködert werden.

Die Karten werden also neu gemischt bei den "Blues" - die Frage ist nur: Welches Blatt kriegt Ballack?

"Keinen Grund für Eile"

In Panik versetzt den DFB-Kapitän der Umbruch bei seinen Arbeitgeber nicht. Ganz gelassen reagierte er in der "Bild" auf die Frage nach seiner Zukunft in Chelsea, wo sein Vertrag im kommenden Jahr ausläuft.

"Ich habe in London einen Vertrag bis 2009 plus einer Option. Also gibt es keinen Grund für Eile", erklärte er.

Englische Medien deuteten das gleich - wohl etwas vorschnell - als Hinhaltetaktik Ballacks oder gar als erstes Zeichen eines anstehenden Abgangs.

Wahrscheinlicher aber ist, dass Ballack erst einmal in Ruhe abwarten will, welche Rolle er in Scolaris Planungen spielt.

Deco mit zentraler Rolle

Und die Frage ist für den 31-Jährigen auch wirklich heikel, denn gerade im Mittelfeld stehen bei Chelsea die größten Umwälzungen an.

Der erste Neuzugang Deco dürfte dort bei seinem bisherigen Nationalcoach eine zentrale Rolle einnehmen.

Der Portugiese gehört zur aussterbenden Art der echten "Zehner" und könnte auch in Chelsea die Position des klassischen Spielmachers ausfüllen - als kreative Speerspitze im Mittelfeld eines 4-2-3-1-Systems, wie es Scolari schon mit Portugal bevorzugte.

Inter-Angebot abgeblockt

Hinter ihm könnte Ballack gemeinsam mit Frank Lampard agieren, der nun offenbar doch in London bleibt, anstatt seinem Ex-Coach Jose Mourinho zu folgen.

Die "Blues" haben eine offizielle Anfrage von Inter Mailand inzwischen bestätigt - aber direkt abgeblockt.

"Wir haben Inter umgehend informiert, dass Chelsea auf keinen Fall in Gespräche über einen Transfer Frank Lampards eintreten wird", heißt es auf der Klub-Homepage.

Lampard ist offenbar überzeugt

Und Scolari hat in seinem ersten Mediengespräch nach Amtsantritt erklärt, dass er Lampard zum Bleiben überredet hätte.

"Ich habe mich mit Frank Lampard getroffen und mit ihm 15 Minuten lang geredet. Am Ende war ich sehr glücklich, denn ich habe ihn gefragt, ob er bleiben will und er hat gesagt: 'Ja, ich bleibe bei Chelsea.'"

Scolari glaubt sogar, "dass Lampard mehr als ein Jahr bei uns bleiben wird" - also über das Ende seiner Vertragslaufzeit bis 2009 hinaus.

Kein Bekenntnis von Drogba

Auch Stürmer Didier Drogba, der ebenfalls bei Inter und auch so ziemlich allen weiteren Großklubs im Gespräch ist, will Scolari nach eigenem Bekunden "zu 200 Prozent" halten.

Dem Ivorer hat Scolari aber kein Bekenntnis zum Bleiben abgerungen, er sprach nur von einem "guten Gespräch", dass er mit ihm hatte.

Die Zeichen stehen also tendenziell weiter auf Abschied, ähnlich wie bei Ballacks Mittelfeldkollegen Claude Makelele, den es wohl zurück in die französische Heimat zu Paris St. Germain zieht.

Für den 35-Jährigen wäre im neugeordneten Chelsea-Mittelfeld wohl auch kein Platz mehr - ob der für Ballack noch da ist, wird maßgeblich davon abhängen, wen Scolari noch verpflichten will.

"Vielleicht bekommen wir ein paar Spieler"

Darüber sprach der Coach bei nur in Andeutungen: "Jetzt ist die Zeit, Transfers zu tätigen. Vielleicht bekommen wir ein paar Spieler."

Kandidaten - gerade fürs Mittelfeld - stehen jedenfalls noch genügend im Raum: Andrej Arschawin, Kaka, Ronaldinho.

Ballack wird da weiter abwarten müssen, wie er sich in das neue Chelsea einfügt.

Martin Hoffmann