Uli Hoeneß gewann als Spieler mit den Bayern 1976 den Weltpokal gegen Cruzeiro Belo Horizonte © getty

Nach dem Sieg gegen Casablanca rückt der Triumph kurz in den Hintergrund. Rummenigge äußert seinen größten Wunsch für 2014.

Aus Marrakesch berichtet Tom Vaagt

Marrakesch - Um kurz vor 1 Uhr am Sonntagmorgen rückte der gerade erst errungene WM-Triumph beim FC Bayern in den Hintergrund.

Die fünf Trophäen, die die Münchner in diesem Jahr gewonnen hatten, verschwammen auf der Bühne des traditionellen Banketts zu schmückender Staffage.

Mit zitternder Hand und bebender Stimme setzte Karl-Heinz Rummenigge zu den letzten Sätzen seiner Rede an. "Zum Ende des Jahres darf man sich ja etwas wünschen", sagte der Vorstandsboss sichtlich bewegt: "Ich habe nur einen einzigen Wunsch. Und das ist, dass die Geschichte von Uli Hoeneß gut ausgeht."

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Da war er wieder. Dieser einzige Makel in diesem sonst so perfekten Münchner Jahr. Die Steueraffäre des Präsidenten, die ab kommendem März vor dem Landgericht verhandelt wird.

"Sind der beste Verein der Welt"

Hoeneß dankte seinem langjährigen Weggefährten für den verbalen Beistand. Mit Blicken. Nicht mit Worten. Es sollte schließlich nicht sein Abend werden.

Also war dem Bayern-Boss daran gelegen, schnell wieder andere in den Vordergrund zu schieben: Jene Mannschaft, die wenige Stunden zuvor durch ein 2:0 gegen Marokkos Meister Raja Casablanca (Bericht: Fünfter Titel: Bayern ist Weltmeister) Weltmeister geworden war.

"Wir sind im Moment der beste Verein der Welt und ich bin stolz darauf, der Präsident dieses Vereins zu sein", sagte Hoeneß. Es folgte donnernder Applaus.

Steuersünder Hoeneß - Macher Hoeneß

Es bleibt eine seltsame Gemengelage, die sich dem Beobachter bietet.

Auf der einen Seite der Steuersünder Hoeneß, der sich juristisch verantworten muss. Auf der anderen Seite der Macher Hoeneß, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass sich der FC Bayern in dieser Nacht zum fünften Mal in einem Jahr selbst feiern konnte. (DATENCENTER: Der Spielplan der Klub-WM)

Doch es war mehr kuschelige Wohlfühlatmosphäre als enthemmte Stimmung, die sich nach dem letzten Spiel 2013 breit machte.

Zum einen schien bei vielen Profis nach dem 56. Pflichtspiel des Jahres der Akku schlicht leer. Zum anderen war man sich bewusst: Weltmeister, ja das ist ein toller Titel. Aber das Niveau dieses Turniers war überschaubar.

"Sind nicht richtig gefordert worden"

"Man muss das alles richtig einzuschätzen wissen", sagte Toni Kroos: "Es ging hier schließlich gegen zwei Gegner, die uns nicht richtig gefordert haben."

Wohl wahr. Das 3:0 im Halbfinale gegen Guangzhou Evergrande aus China war ein Spaziergang. Der Sieg im Endspiel nicht viel mehr. Casablanca konnte nicht ansatzweise derart auftrumpfen wie beim überraschenden Vorschlussrundensieg gegen Atletico Mineiro aus Brasilien.

Das lag an der Dominanz der Bayern, die das Spiel in der ersten halben Stunde durch Treffer von Dante (7.) und Thiago (22.) entschieden. Das lag aber auch an der mangelnden Qualität der Marokkaner.

Selbst als die Münchner in den letzten 60 Minuten mehr als nur einen Gang herausnahmen, sprangen für Raja nicht mehr als ein paar kläglich vergebene Chancen heraus.

Sammer denkt schon weiter

"Wir haben das Spiel kontrolliert. Mehr nicht", sagte Matthias Sammer. Es war keine Kritik des sonst so anspruchsvollen Sportvorstandes. Es war ein Satz voller Stolz: "Wir sind einfach nur happy. Für dieses Jahr gibt es keine Worte."

Und Sammer dachte schon an mehr. Er wolle, dass Weltspitze in München zur Normalität werde, hatte er schon vor dem Finale gesagt.

Nach dem Endspiel führte er weiter aus: "Wir haben die Bedingungen dafür. Wir haben die Spieler dafür. Jetzt müssen wir nur noch jeden Tag hart arbeiten."

Sonderlob für Jupp und Pep

Aber erst wieder im Trainingslager in Katar. Ab dem 5. Januar bereitet Starcoach Pep Guardiola seine Mannschaft in Doha auf die Aufgaben der Rückrunde vor.

Der Spanier und sein Vorgänger Jupp Heynckes erhielten von Rummenigge zum Jahresabschluss noch ein Sonderlob.

"Wir haben in diesem Jahr zwei Trainer gehabt, die nicht nur super Arbeit geleistet haben, sondern die auch tolle Menschen sind", sagte der FCB-Boss und richtete sich an Guardiola:

"Viele haben nach der vergangenen Saison gedacht, es geht nicht besser. Doch es ging noch besser", sagt der FCB-Boss: "Weil wir einen Mann haben, der das Niveau noch einmal gehoben hat. Wir sind sehr glücklich mit Pep Guardiola."

Lahm einfach nur urlaubsreif

Im kommenden Jahr soll sich der Prozess der permanenten Steigerung fortsetzen. Nach der Landung in München am Sonntagnachmittag steht für die Spieler aber erst einmal Urlaub an.

"Ich werde mir wohl erst mal kaum ein Fußballspiel anschauen", sagte Kapitän Philipp Lahm und gestand, dass er den Abpfiff im abschließenden Spiel des Jahres "sehr, sehr" herbeigesehnt habe.

Es geht nun darum, Kräfte zu tanken für all die kommenden Aufgaben in Bundesliga, Champions League, DFB-Pokal - und vor Gericht.

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