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Die Münchner räumen Raja Casablanca mühelos aus dem Weg und krönen ihr Jahr. Trainer Guardiola beweist ein glückliches Händchen.

Aus Marrakesch berichtet Tom Vaagt

Marrakesch ? Der FC Bayern darf sich seit Samstagabend auch ganz offiziell als beste Mannschaft der Welt bezeichnen (DATENCENTER: Der Spielplan der Klub-WM).

Die Münchner kamen im Finale der Klub-WM zu einem 2:0 (2:0) gegen den marokkanischen Meister Raja Casablanca und feierten durch den Triumph in Marrakesch ihren insgesamt fünften Titel des Kalenderjahres.

Die Bayern sind damit der erste deutsche Klub-Weltmeister. Allerdings hatte der FCB bereits 1976 und 2001 den Vorgänger-Wettbewerb Weltpokal gewonnen. Zudem war dies 1997 Borussia Dortmund gelungen.

Dante (7.) und Thiago (22.) sorgten mit ihren Treffern für den Triumph, der dem deutschen Rekordmeister neben einer weiteren Trophäe auch fünf Millionen US-Dollar Siegprämie einbrachte.

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"Am Ende eines solchen Jahres noch so einen Titel abzustauben, ist unglaublich", sagte Kapitän Philipp Lahm der "ARD".

Allerdings sah der Kapitän auch Anlass zur Selbstkritik: "Wir haben uns das Leben teilweise selbst schwer gemacht. Es ist schade, dass wir am Ende etwas nachgelassen haben."

Bayern unbeeindruckt von Atmosphäre

Angetrieben von ihren heißblütigen Fans hoffte auf diese stattliche Summe auch Casablanca ? zumindest in den Anfangsminuten. Bei Ballbesitz erging über die Bayern ein lautstarkes Pfeifkonzert. Bei gelungenen Aktionen Rajas brandete euphorischer Jubel auf.

Die Marokkaner taten alles, damit der Funke erneut auf ihr Team überspringt. So wie dies beim überraschenden 3:1 im Halbfinale gegen Atletico Mineiro aus Brasilien eindrucksvoll gelungen war.

Dieses Mal ging der Plan jedoch nicht auf. Die Münchner ließen sich von der Kulisse nicht beeindrucken und übernahmen vor 37.774 Zuschauern von Beginn an das Kommando.

Guardiola gibt Shaqiri eine Chance

Der Lohn folgte früh: Nach einer Ecke von Xherdan Shaqiri leitete Jerome Boateng den Ball weiter. Casablancas Abwehrfalle misslang und Dante hämmerte den Ball aus kurzer Distanz ins Tor.

Trainer Pep Guardiola hatte alles richtig gemacht. Shaqiri und Dante waren für Mario Götze und Daniel van Buyten neu in die Startformation gekommen.

Im Vergleich zum 3:0 in der Vorschlussrunde gegen Guangzhou Evergrande aus China rückte zudem Thomas Müller anstelle von Mario Mandzukic ins Angriffszentrum.

Schub durch Liga-Ergebnisse?

Nach der frühen Führung kombinierten sich die Münchner weiter unbeirrt nach vorn und stellten den phasenweise überforderten Gegner immer wieder vor große Probleme.

Von einem befürchteten Kräfteverschleiß im 56. Pflichtspiel des Jahres war nichts zu spüren.

Vielleicht hatten den Bayern aber auch die Bundesliga-Niederlagen der vermeintlichen Verfolger Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund wenige Stunden zuvor noch einmal einen zusätzlichen Schub gegeben.

Dominanz lässt Pfiffe verstummen

So oder so: Nachdem Müller (10.) und David Alaba (19.) noch aus aussichtsreichen Positionen gescheitert waren, machte es Thiago besser. Nach starker Vorarbeit von Alaba versenkte der Spanier den Ball überlegt im Netz.

Die Raja-Anhänger hielten zwar weiter zu ihrer Mannschaft, die Pfiffe von den Rängen waren in diesen Momenten allerdings bereits verstummt.

Auch in der Folgezeit konnte Casablanca die souveränen Münchner kaum einmal in Bedrängnis bringen. Zu überhastet und unkontrolliert präsentierte sich der Außenseiter unter den Augen von König Mohammed VI..

Neuer-Patzer bleibt ungenutzt

Philipp Lahm, Toni Kroos Co. hingegen ließen den Ball ohne Unterlass durch die eigenen Reihen laufen ? der ganz große Zug zum gegnerischen Tor blieb allerdings zunehmend auf der Strecke.

In der 38. Minute hätte sich das zwischenzeitlich allzu lockere Ballgeschiebe fast gerächt. Keeper Manuel Neuers missglückte ein Zuspiel nach vorn und Chemseddine Chtibi verfehlte das leere Bayern-Tor nur knapp.

Es sollte aber die einzige wirklich brenzlige Situation des ersten Durchgangs bleiben.

Casablanca wehrt sich

Nach dem Seitenwechsel agierten die Bayern unverändert kontrolliert. Raja hingegen wurde mutiger.

Stürmer Mohssine Jajour, der die FCB-Abwehr schon zuvor mit schnellen Antritten herausgefordert hatte, war dem Anschlusstreffer nahe. Der 28-Jährige platzierte seinen Kopfball aber kaum und Neuer verhinderte Iajours dritten Turniertreffer.

Guardiola reagierte und brachte Javi Martinez für Kroos. Der Spanier sollte wieder ein wenig mehr Stabilität ins Bayern-Spiel bringen.

Shaqiri mit Lattentreffer

Die Spieler schienen die Botschaft von der Bank verstanden zu haben und drückten für ein paar Momente wieder ein wenig mehr aufs Tempo. Nach einer Hereingabe von Lahm traf Shaqiri nur die Latte des Raja-Tores (62.).

So richtig lösen ließ sich die Handbremse in den Köpfen aber offenbar nicht mehr. Die Bayern beschränkten sich meist nur noch darauf, die Zeit herunterzuspielen und ihren Gegner in Schach zu halten.

Beinahe wäre dies doch noch bestraft worden. Mohsine Moutaouali (84.) und Badr Kachani (90.) vergaben Rajas mögliches 1:2 aber kläglich.

Ribery Spieler des Turniers

So reichte es für die Münchner, um den 50. Sieg 2013 einzufahren. Und um sich ab sofort Weltmeister zu nennen.

Franck Ribery durfte sich darüberhinaus über die Auszeichnung als bester Spieler des Turniers freuen, Lahm wurde Zweiter. Auch der Fair-Play-Preis ging an die Münchner.

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