Die Bayern sind gut auf das WM-Finale gegen Casablanca vorbereitet. Guardiola sei Dank. Bei einem Sieg winkt ein Jubiläum.

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Aus Marrakesch berichtet Tom Vaagt

Marrakesch - Pep Guardiola sagte, was Pep Guardiola eigentlich fast immer sagt.

"Das ist eine defensiv sehr gut organisierte Mannschaft, die sehr kompakt spielt. Wir werden sie sicher nicht unterschätzten", erklärte der Bayern-Trainer am Abend vor dem Endspiel der Klub-WM am Samstag in Marrakesch gegen Raja Casablanca (ab 20 Uhr im LIVE-Ticker).

Die Botschaft des spanischen Starcoaches an seine Spieler war klar: Nur nicht nachlassen.

Auch nicht in diesem Spiel gegen den vermeintlich unterlegenen Gegner. Auch nicht in der letzten Partie des so erfolgreichen Kalenderjahres. Der fünfte Titel 2013 soll her. Die fünf Millionen US-Dollar Siegprämie sowieso.(DATENCENTER: Der Spielplan der Klub-WM)

"Ein positiv Verrückter"

Also hatte sich Guardiola am für die Spieler freien Donnerstag für ein paar Stunden im Team-Hotel Four Seasons zurückgezogen.

Während Manuel Neuer über Marrakeschs zentralen Marktplatz Jemaa el-Fna schlenderte, Dante und Rafinha die modischen Vorzüge der einheimischen Gewänder erkundeten oder andere Spieler eine Runde Golf spielten, brütete Guardiola über Matchplan und Taktik.

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Ganz so, als würde bereits das Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Arsenal oder ein Bundesliga-Topspiel gegen Borussia Dortmund anstehen.

"Unser Trainer?, sagt Karl-Heinz Rummenigge: "Ist ein positiv Verrückter."

"Meine Spieler wissen das"

Also werden Philipp Lahm Co. in den verbleibenden Stunden bis zum Anpfiff alles über Raja-Kapitän Mohsine Moutaouali erfahren. Oder über den schneller Torjäger Mouhssine Iajour.

"Raja ist laufstark und mannschaftlich geschlossen. Wir müssen uns so gut wie möglich vorbereiten", sagte Guardiola: "Meine Spieler wissen das."

Sie werden dieses Wissen wahrscheinlich nie wieder brauchen. In den 90 Minuten am Samstag soll es allerdings entscheidend sein.

Mineiro als warnendes Beispiel

Die Bayern wollen sich nicht derart überraschen lassen wie Atletico Mineiro.

Auch die Brasilianer um Ex-Weltfußballer Ronaldinho waren am Mittwoch als haushoher Favorit in ihr WM-Halbfinale gegen Casablanca gegangen. 1:3 hieß es am Ende - und Marokko stand Kopf.

Welchen Einfluss diese Euphorie rund um Raja auf das Endspiel nehmen wird, ist vielleicht das Einzige, was niemand berechnen kann. Auch Guardiola nicht.

"Als wüchsen Flügel"

Gegen Mineiro wurde Casablanca von einem wahren Jubel-Orkan nach vorn gepeitscht.

"Es ist, als wüchsen einem auf einmal Flügel. Plötzlich glaubt man eben, es geht noch was und noch mehr", sagte Raja-Mittelfeldspieler Chemseddine Chtibi, dessen Team im Finale sogar königliche Unterstützung erfahren wird. Mohammed VI. wird im Stadion die Daumen drücken.

Für die Bayern gilt es dennoch, derartige Höhenflüge von Beginn an zu unterbinden.

50. Sieg 2013 angepeilt

"Casablanca spielt mit viel Herz", sagt Lahm: "Aber wenn wir unsere Leistung abrufen, wird es Casablanca schwer haben, gegen uns zu bestehen. Wir wollen körperlich dagegenhalten und mit unserer fußballerischen Klasse überzeugen."

Es wird das 56. Pflichtspiel des Jahres sein. Am Ende wollen sich die Münchner nicht nur Weltmeister nennen, sondern auch ein Jubiläum feiern. Bei einem Erfolg wäre es der 50. Sieg 2013.

"Wer will nicht Weltmeister werden?, meint Nationalspieler Thomas Müller: "Diesen Titel hat außer Claudio Pizarro (Weltpokalsieger mit den Bayern 2001, Anm. d. Red.) noch keiner aus der Mannschaft gewonnen. Das ist Ansporn genug dafür, dem Jahr die Krone aufzusetzen."

Ein Sieg für Heynckes

Guardiola war hingegen schon zweimal Klub-Weltmeister. 2009 und 2011 mit dem FC Barcelona. Sollte am Samstag der dritte Coup gelingen, wäre es nicht nur der erste deutsche WM-Sieg überhaupt.

Es wäre auch ein Triumph für Jupp Heynckes, der den Bayern mit dem Triumph in der Champions League erst die Teilnahme an dem Turnier ermöglicht hatte.

"Ich will auch für Jupp gewinnen", wiederholte der Spanier am Freitag.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

München: Neuer - Rafinha, Boateng, Dante, Alaba - Lahm - Müller, Kroos, Thiago, Ribery - Mandzukic

Casablanca: Askri - El Hachimi, Oulhaj, Benlamalem, Karrouchy - Guehi, Erraki - Moutaouali, Chtibi, Hafidi ? Iajour

Schiedsrichter: Ricci (Brasilien)

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