Der Bayern-Boss zieht eine zufriedene Bilanz. Sollte gegen Casablanca der fünfte Titel gelingen, hätte er aber ein Problem.

[kaltura id="0_ytekevhl" class="full_size" title=""]

Aus Marrakesch berichtet Tom Vaagt

Marrakesch - Für einen Moment schien sich vor dem inneren Auge von Karl-Heinz Rummenigge noch einmal alles zu wiederholen.

Der Jubel von München über London bis nach Prag. Die so erfolgreichen Anstrengungen der vergangenen Monate. Kurz: Das erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte des FC Bayern.

Dann sagte der Vorstandsboss: "Es ist ein Geschenk Gottes, dass man dabei sein darf." Die Münchner seien 2013 "ein Stück weit von der Muse geküsst."

Nun ja, wer auch immer für die nötige Inspiration gesorgt haben mag: Vier Titel in einem Jahr hat noch kein deutscher Verein geschafft. Und: Der fünfte Triumph kann am Samstag im Finale der Klub-WM in Marrakesch folgen - auch wenn Rummenigge vor Außenseiter Raja Casablanca (20 Uhr im LIVE-TICKER) warnt (DATENCENTER: Der Spielplan der Klub-WM).

55 Spiele, 49 Siege

"Die heimischen Fans werden für große Stimmung sorgen. Bei eigenem Ballbesitz wird unterstützt, bei unserem Ballbesitz gepfiffen werden. Man muss sich da schon auf einiges einstellen", sagte er (BERICHT: Bayern erwartet grün-weiße Wucht).

Zugleich schloss Rummenigge aber an, dass dies kein Grund zur Sorge sei. Denn: "Unsere Mannschaft ist zu ehrgeizig und charakterlich klar, als dass sie Casablanca auf die leichte Schulter nehmen wird. Wir werfen alles in die Waagschale."

Wie sie es seit Jahresbeginn immer wieder getan haben. In allen bisherigen 55 Pflichtspielen, von denen 49 gewonnen wurden. Erst unter Jupp Heynckes die deutsche Meisterschaft, der DFB-Pokal und dann die Champions League in London.

Anschließend unter Pep Guardiola der Europäische Supercup in Prag. Man marschiert, spaziert, dominiert. Und das scheinbar nach Belieben - und nach Plan.

"Haben Philosophie geändert"

"Wir haben ein bisschen unsere Philosophie geändert", erklärte Rummenigge den Aufstieg der Bayern zu Europas wohl bestem Team: "Wir haben großartige Spieler, die bei uns angefangen haben. Dann haben wir aber auch angefangen, eine höhere Kategorie auf dem Transfermarkt einzukaufen."

[image id="c010676c-636e-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Wohl wahr. Seit 2009 flossen Ablösesummen in Höhe von rund 270 Millionen Euro in den Kader. Es kamen unter anderem Arjen Robben, Manuel Neuer oder Javi Martinez. Und zuletzt Thiago und Mario Götze.

Sie gesellten sich zu selbst entwickelten Stars wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder David Alaba. "Diese zwei Säulen sind hervorragend miteinander verwachsen", schwärmte Rummenigge.

Keine internationale Bayern-Ära

In Deutschland kann da niemand mithalten. Zum Ende der vergangenen Saison waren es 25 Punkte Vorsprung auf Borussia Dortmund. Auch jetzt liegt Bayer Leverkusen als Tabellenzweiter schon wieder sieben Zähler hinter dem FCB.

National sind die Bayern eine Klasse für sich. International will Rummenigge hingegen noch nicht von einer bevorstehenden Bayern-Ära reden: "Das ist international fast nicht möglich. Wir sprechen hier über rund zehn Mannschaften auf allerhöchstem Niveau."

Und überhaupt werde man jetzt nicht "das Spinnen anfangen." Man müsse immer hart weiterarbeiten. Nicht nachlassen. Konzentriert bleiben.

Was ist ein Quintle?

Im Verein scheint diese Einstellung bereits angekommen. Bei allem "Mia san mia" und allen Erfolgen zeigte sich der Klubchef von einer Stärke der vergangenen Monate besonders beeindruckt.

"Was mir am besten gefallen hat, war das gelassene und souveräne Auftreten. Wir sind nie arrogant gewesen. Unsere Sympathiewerte sind so hoch wie nie", sagte der 58-Jährige: "Ich habe es sehr genossen. Wie die Mannschaft spielt, gibt sie dir das Gefühl: Wenn nicht etwas Verrücktes passiert, gewinnen wir."

Ein Problem bleibt dennoch. Zumindest dann, wenn man am Samstag auch Casablanca schlagen sollte ( 822554 DIASHOW: Bilder der Klub-WM ). Fünf Titel - wie nennt man das?

"Quintle? Ich weiß es nicht, das Wort kenne ich nicht", meinte Rummenigge.

Weiterlesen