Ronaldinho (r.) spielte von 2003 bis 2008 in Barcelona © getty

Raja gelingt die Sensation, Atletico reicht Ronaldinhos Geniestreich nicht. Für Bayerns Götze platzt damit ein Traum.

Aus Marrakesch berichtet Tom Vaagt

Marrakesch - Auf den FC Bayern wartet im Endspiel der Klub-WM der nächste große Unbekannte.

Die Münchner treffen am Samstag (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) in Marrakesch auf den marokkanischen Meister Raja Casablanca, der sich im zweiten Halbfinale am Mittwochabend überraschend mit 3:1 (0:0) gegen Atletico Mineiro aus Brasilien durchsetzte.

Im Falle eines Raja-Sieges im mit fünf Millionen US-Dollar dotierten Finale wäre es der erste afrikanische WM-Triumph überhaupt. Auch einen deutschen Vereins-Weltmeister gab es bisher noch nie (BERICHT: Das ist die Klub-WM).

Götze-Traum geplatzt

Für Bayerns Nationalspieler Mario Götze zerplatzte durch das Ausscheiden Mineiros derweil ein Traum. Der 21-Jährige hatte auf ein Finalduell mit Atleticos ehemaligem Weltfußballer Ronaldinho gehofft.

"Ronaldinho ist ein super Spieler. Er ist ein Phänomen. Es macht Spaß ihm zuzuschauen. Er hat mich damals, als er in Barcelona gespielt hat, sehr, sehr beeindruckt", hatte Götze nach dem Münchner Halbfinalsieg am Dienstag gegen Guangzhou Evergrande berichtet: "Ich glaube, dass er immer noch ein großer Fußballer ist."

Den Nachweis dieser These erbrachte der inzwischen 33-jährige Ronaldinho im Halbfinale nur ansatzweise - zumindest aus dem Spiel heraus.

Ronaldinhos Zauber zu wenig

Der Weltfußballer von 2004 und 2005 wurde von seinen Teamkollegen zwar immer wieder gesucht und hatte auch einige starke Momente. Insgesamt ließ er es aber an der Dynamik früherer Zeiten vermissen.

Dass es trotzdem noch immer für die ganz großen Momente reicht, bewies der ehemalige Barca-Star allerdings am ruhenden Ball.

Nachdem Mouhssine Iajour für Casablancas überraschende Führung gesorgt hatte (51.), zauberte Ronaldinho zwölf Minuten später einen Freistoß aus rund 18 Metern zum Ausgleich ins Netz.

Es war einer der wenigen Höhepunkte aus brasilianischer Sicht. Mineiro hatte mit dem Außenseiter, für den es nach Siegen gegen den Auckland City FC in den Playoffs (2:1) und gegen CF Monterrey im Viertelfinale bereits das dritte Spiel des Turniers war, mehr als nur Probleme (DATENCENTER: Spielplan der Klub-WM).

Mineiro mit Defensivschwächen

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Nachdem die Brasilianer zunächst dominant waren und durch Jo (22.) sowie Fernandinho (33.) zu ersten guten Möglichkeiten kamen, setzten sich die im Spiel nach vorn bis dahin zurückhaltenden Marokkaner kurz vor der Pause intensiver zur Wehr.

Adil Karrouchy (36.) und Mannschaftskapitän Mohsine Moutaouali (40.) brachten die von den beiden früheren Wolfsburger Bundesliga-Profi Josue und Rever organisierte Atletico-Abwehr bei zwei Großchancen erstmals gehörig in Bedrängnis.

Nach dem Seitenwechsel folgte dann sogar Rajas 1:0, bei dem Iajour Zuordnungsprobleme in Mineiros unsortierter Hintermannschaft nutzte und souverän einschob.

Raja mit Elfmeter im Endspurt

Im 230 Kilometer von Casablanca entfernten Marrakesch gab es nun kein Halten mehr ? zumal Mineiros Konter bis zu Ronaldinhos Geniestreich auf sich warten ließ.

Der Zauberfuß des Routiniers beeindruckte die Marokkaner zunächst, im Endspurt hatten sie dann aber das Glück auf ihrer Seite. Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo aus Spanien wertete ein Einsteigen Revers gegen Iajour als Foul und entschied auf Strafstoß.

Moutaouali ließ sich die Chance sechs Minuten vor dem Ende nicht nehmen und traf zum 2:1 für Casablanca, das in der Nachspielzeit dann sogar noch zum 3:1 durch Vivien Mabide kam.

Im Gegensatz zu den sechs anderen WM-Teilnehmern fuhr Raja in der vergangenen Saison keinen internationalen Titel ein. Das Startrecht für die Weltmeisterschaft resultierte allein aus dem Status als Meister des Gastgeberlandes Marokko.

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