Raja Casablanca holte elfmal die marokkanische Meisterschaft © getty

Casablanca setzt gegen Atletico Mineiro auf seine lauten Fans. Gegen die Stars um Ronaldinho soll ein Pannen-Torhüter helfen.

Von Pierre Winkler

München - Mutige Vergleiche scheuen sie bei Raja Casablanca offenbar nicht.

"Manche sagen, Marokko sei das Brasilien Afrikas. Es wird also ein Spiel zwischen dem Brasilien Südamerikas und dem Brasilien Nordafrikas", sagte Casablancas Mittelfeldspieler Chemseddine Chtibi.

Gegen die "echten" Brasilianer von Atletico Mineiro sind die Gastgeber der Klub-Weltmeisterschaft aber klare Außenseiter (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Im Halbfinale hatte kaum jemand den marokkanischen Meister erwartet; die Heim-Fans schrien und tröteten ihre Mannschaft aber im Viertelfinale zu einem 2:1 nach Verlängerung gegen CONCACAF-Meister Monterrey aus Mexiko.

34.579 Zuschauer waren offiziell dabei im Stade Adrar von Agadir. Sogar noch 300 mehr besuchten Rajas Erstrunden-Partie gegen Ozeanien-Vertreter Auckland City.

Obwohl die Spiele der Klub-WM weit entfernt von Casablanca in Agadir (460 Kilometer) und Marrakesch (230 Kilometer) stattfinden, hat Raja natürlich Heimspiele.

Casablanca gefragter als die Bayern

Zum Vergleich: Das Halbfinale der Bayern gegen Guangzhou Evergrande wollten nur 27.311 Fans sehen.

Atletico Mineiro sollte das nicht schocken, reiste der Südamerika-Meister doch schon Mitte der letzten Woche an, um sich möglichst ausführlich auf die Bedingungen vor Ort vorzubereiten. (BERICHT: Das ist die Klub-WM)

Die brasilianische Meisterschaft ließ Atletico in den letzten Wochen austrudeln und kam als Tabellen-Achter ins Ziel. Als Titelverteidiger war die Mannschaft ohnehin für die Copa Libertadores 2014 qualifiziert.

Erfahrene Spieler wie Gilberto Silva, Weltmeister von 2002, oder der zweifache Weltfußballer Ronaldinho sollen ihre jüngeren Kollegen gegen Casablanca ins Finale führen.

Aus Europa bekannt sind darüber hinaus der ehemalige Wolfsburger Kapitän Josue, Jo (unter anderem ZSKA Moskau und Manchester City) und Kapitän Rever, der 2010 in Wolfsburg scheiterte.

Besondere Rolle für den Torhüter

Raja setzt in erster Linie auf Torhüter Khalid Askri. Mit 32 Jahren erlebt dieser nach einer langen Zeit des Spotts zum ersten Mal in seiner Karriere echte Anerkennung.

Gegen Monterrey faustete, wischte und hechtete er insgesamt sechs Großchancen des Gegners weg, verhinderte in der Nachspielzeit den wahrscheinlichen Siegtreffer für die Mexikaner (DATENCENTER: Der Spielplan der Klub-WM).

Vor drei Jahren war Askri noch der Clown für ein weltweites Publikum: Innerhalb weniger Wochen klickten sich zwei Videos mit seinen Patzern millionenfach.

Zuerst parierte er im Pokal für seinen damaligen Klub FAS Rabat im Elfmeterschießen gegen Maghreb einen Versuch - dachte er. Der Ball rollte aber noch über die Linie, als Askri schon jubelnd abgedreht hatte. Am Ende schied Rabat aus.

Buffon tröstet

Ein paar Spiele später verdribbelte er sich am eigenen Strafraum, ein Gegner grätschte den Ball ins Tor.

Danach rief ihn nach eigener Aussage sogar Gianluigi Buffon an, um ihn zu trösten.

Wie Italiens Weltmeister-Torwart von 2006 wird er mindestens wieder halten müssen, soll Casablanca als zweite afrikanische Mannschaft nach TP Mazembe 2010 ins Finale einziehen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Raja Casablanca: Askri - El Hachimi, Oulhaj, Karrouchy, Benlamalem - Moutaouali, Chtibi, Hafidi, Guehi - Erraki - Iajour.

Atletico Mineiro: Victor - Marcos Rocha, Rever, Gilberto Silva, Pierre - Leandro Donizete, Lucas Candido, Fernandinho - Ronaldinho, Jo, Luan

Schiedsrichter: Carlos Velasco Carballo (Spanien)

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