Thiago Alcantara wechselte im Sommer vom FC Barcelona zu den Bayern © imago

Thiago spielt im Halbfinale der Klub-WM groß auf. Die Millionen-Investition wirft Rendite. Das Problem: Wohin mit Schweinsteiger?

Aus Marrakesch berichtet Tom Vaagt

Marrakesch - Agadir, 25 Grad, der Kopfhörer sitzt.

Thiagos Playlist für die knapp vierstündige Busfahrt am Mittwoch nach Marrakesch beinhaltete wahrscheinlich irgendetwas mit viel Rhythmus und jeder Menge Soul.

Zwei Dinge, die der Mittelfeldstratege des FC Bayern am Vorabend selbst verkörperte.

Beim 3:0 (2:0) im Halbfinale der Klub-WM gegen Asiens Champions-League-Sieger Guangzhou Evergrande (Bericht) gab Thiago auf beeindruckende Weise den Takt vor.

Er war die Seele des Münchner Spiels ( 822561 DIASHOW: Die Bayern in der Einzelkritik ).

Thiago grätsche, passte, ackerte und bewies, warum sich Pep Guardiola im vergangenen Sommer zu zwei schon legendären Aussagen hinreißen ließ.

Ein "super, super Spieler" sei das, befand der Coach und schickte die Klubbosse mit einer klaren Ansage zum Bummel auf den Transfermarkt: "Thiago oder nichts."

25 Millionen Ablöse

Die 25 Millionen Euro, die die Bayern für den 22-Jährigen an den FC Barcelona überwiesen, sorgen zunehmend für Rendite - auch wenn ein Syndemosebandriss und die daraus resultierende zweieinhalb monatige Verletzungspause den Einstand alles andere als einfach machten.

Seit dem 3:0 gegen Borussia Dortmund ist der in Italien geborene Brasilianer mit spanischem Pass zurück.

Wahlweise auf der Sechs oder ein Stück weiter vorn zieht er die Fäden - und wirft eine Frage auf:

Wohin eigentlich mit Bastian Schweinsteiger?

Schweinsteiger weiterhin verletzt

Der Nationalspieler wird seit November von einer Verletzung am Sprunggelenk geplagt. Schmerzen, Operation, Pause.

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Wenn er im kommenden Jahr zurückkehrt, muss wohl auch er sich dem harten Konkurrenzkampf bei den Münchnern stellen. Denn: Derzeit läuft es auch ohne ihn bestens.

In der Bundesliga haben die Bayern bereits sieben Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger Bayer Leverkusen.

In der Champions League stehen sie im Achtelfinale, im DFB-Pokal im Viertelfinale, jetzt bei der Klub-WM in Marokko im Finale (DATENCENTER: Der Spielplan der Klub-WM).

Sicher, Philipp Lahm könnte den Platz im zentralen Mittelfeld für Schweinsteiger räumen und rechts hinten Rafinha verdrängen.

Thiago hingegen scheint in derzeitiger Verfassung nur schwierig aus dem Team wegzudenken.

Im Sommer überall begehrt

Zu dominant tritt der Spanier auf. Zu klug sind seine Pässe. Zu geschickt ist sein Stellungsspiel.

Mit großen Schritten nähert er sich jener Form, die ihn nach der U-21-Europameisterschaft im vergangenen Sommer zu einem der begehrtesten Spieler Europas gemacht hatte.

In Israel führte er seine Mannschaft als Kapitän und mit drei Toren im Finale gegen Italien zum Titel.

Ein Treffer gelang ihm mit rechts, einer mit links, einer mit dem Kopf. Mehr Vielseitigkeit geht nicht.

Anschließend wollten ihn viele, die Bayern bekamen ihn. Auch dank Guardiola, der Thiago schon in Barcelona gefördert hatte.

Perfekt für Peps System

Der Wunschspieler passt perfekt in das System des Startrainers. Beweis gefällig? Das Spiel gegen Guangzhou.

Thiago beherrscht das von Guardiola propagierte Kurzpasspiel perfekt. Er ist beweglich und weiß, wann er ins Risiko gehen muss.

Zur Krönung seiner Leistung fehlten nur ein paar Zentimeter.

Nach gut einer Viertelstunde traf er lediglich den Pfosten des gegnerischen Tores ( 822554 DIASHOW: Die Bilder des Spiels ).

Nachholbedarf in Sachen Titeln

Doch Thiago bringt noch weitere Vorzüge in Bayerns Kader ein. Er erhöht den Konkurrenzkampf und hat einen unzähmbaren Hunger nach Erfolgen.

Während seine Kollegen schon in der vergangenen Saison von Titel zu Titel eilten, hat der Spielmacher noch Nachholbedarf.

Am Samstag kann er diesen ein wenig befriedigen: Mit einem Sieg im Finale der Klub-WM.

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