Kaum hatte man die Klub-WM ein wenig lieb gewonnen, sind Zweifel angebracht. Entspricht das Niveau der Teilnehmer dem Titel?

Agadir ? Irgendwie passte das alles nicht so recht zusammen. 27:2 Torschüsse, 72 Prozent Ballbesitz ? okay, solche Werte kennt man von den Bayern. Aus der Bundesliga gegen manch hoffnungslos unterlegenen Gegner.

Aber hier? Bei einer Weltmeisterschaft? Dort, wo dem reinen Namen der Veranstaltung nach nur die Besten der Besten aufeinandertreffen? Seltsam.

War doch klar, könnte man nun einwenden. Der Gegner hieß schließlich Guangzhou Evergrande und bestand weitgehend aus Unbekannten. (Bericht)

Das kann man so sehen. Doch im Anflug von Naivität, das muss ich gestehen, hatte ich mir von Asiens Champions-League-Sieger doch ein wenig mehr erhofft. Vielleicht kein Duell auf Augenhöhe oder ein Spiel mit nervenzerfetzender Spannung. Aber doch mehr Gegenwehr. Mehr Mut, mehr irgendwas.

Was man zu sehen bekam, kann man in einem Wort zusammenfassen: Pustekuchen. Die Bayern machten phasenweise, was sie wollten. Die Chinesen hechelten hinterher.

[image id="bbf7b5b5-63bf-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Das ist die Klub-WM? Das Aufeinandertreffen der Besten der Besten? Seltsam.

Zumal Guangzhou im Viertelfinale Afrikas Champions-League-Sieger Al Ahly Kairo ausgeschaltet hatte. Die Ägypter müssen also noch ein wenig schwächer gewesen sein.

Im Endspiel warten auf die Bayern nun Atletico Mineiro oder Raja Casablanca.

Die einen haben die südamerikanische Copa Libertadores gewonnen. Die anderen dürfen bei der WM starten, weil sie als Meister des Gastgeberlandes die lokalen Farben präsentieren sollen.

Man scheint den weiteren Turnierverlauf fast schon planen zu können: Mineiro schlägt Casablanca, trifft im Endspiel auf die Bayern ? und wird wahrscheinlich verlieren.

Das ist schön aus deutscher Sicht. Aber warum dafür ein derart großes Turnier?

Bis 2004 gab es ein einziges Spiel, um die vermeintlich beste Mannschaft der Welt zu ermitteln: Den Weltpokal zwischen der besten Mannschaft Europas und dem besten Team Südamerikas.

Dann entschloss sich die FIFA zur Expansion. Mehr Mannschaften, mehr Einnahmen, mehr Marketing, mehr Spiele, mehr Aufwand ? sonst blieb eigentlich alles beim Alten.

Auch in den bisherigen WM-Finals standen sich bis auf eine Ausnahme immer die beste Mannschaft Europas und das beste Team Südamerikas gegenüber. Wie einst im Weltpokal.

Weiterlesen