Für Pep Guardiola war es der fünfte Sieg in seinem fünften Auftritt bei der Klub-WM © getty

Bayern zieht mühelos ins Klub-WM-Finale ein. Jetzt kommt es zum Millionen-Duell. Guardiola widmet die Partie seinem Vorgänger.

Aus Agadir berichtet Tom Vaagt

Agadir - Franck Ribery hastete durch die Stadionkatakomben von Agadir. Ein paar Fragen noch und ein paar Antworten. Dann heraus aus der Mixed Zone, ab in Richtung Mannschaftsbus.

Jede Minute, jede Sekunde der Erholung schien jetzt wichtig. Müde? Erschöpft? Ribery lächelte und beschrieb das, was zwischen ihm und dem ersehnten Urlaub lag, knapp: "Nur noch ein Spiel." ( 822561 DIASHOW: Die Bayern in der Einzelkritik )

Megaprämie winkt

Dabei war der FC Bayern in den vorangegangenen 90 Minuten kaum gefordert worden. 3:0 (2:0) im Halbfinale der Klub-WM. Gegen Guangzhou Evergrande (Bericht).

Ein Name, den man sich nicht wird merken müssen. Asiens Champions-League-Sieger baute im Auftrag seines Startrainers Marcello Lippi eine chinesische Mauer um den eigenen Strafraum herum, hatte ein wenig Verteidigungskampf zu bieten - mehr nicht.

Nachdem Ribery in der 40. Minute das 1:0 erzielt hatte, nahm der Widerstand ab. Und als Mario Mandzukic (44.) und Mario Götze (47.) schnell auf 3:0 erhöhten, war klar: Das 56. und letzte Pflichtspiel des FC Bayern im Kalenderjahr 2013 wird mal wieder ein Finale sein. ( 822554 DIASHOW: Die Bilder des Spiels )

Es geht für die Münchner um den fünften Titel des Jahres und eine Siegprämie in Höhe von fünf Millionen US-Dollar.

FC Nimmersatt hat nie genug

Am Samstag in Marrakesch wartet überraschend der marokkanische Meister Raja Casablanca (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Das Team aus dem Gastgeberland setzte sich am Mittwochabend im zweiten Halbfinale mit 3:1 gegen den brasilianischen Vertreter Atletico Mineiro um Ronaldinho durch (Bericht) und sicherte sich so das Recht, die Münchner herausfordern zu dürfen.

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Doch ist es wirklich ein Recht? Oder eher eine Pflicht?

Es macht jedenfalls nicht gerade den Eindruck, als sei gegen die Bayern bei der Klub-WM irgendetwas zu holen. Zu fokussiert präsentieren sich die Profis und Trainer Pep Guardiola seit ihrer Landung in Marokko am vergangenen Samstag.

Es gibt in Nordafrika einen Titel zu gewinnen, also will der FC Nimmersatt den auch mit nach Hause nehmen. Über die Strapazen der vergangenen Monate spricht man allenfalls kurz.

Ihre Spuren sind auf dem Platz kaum zu erkennen. Und außerdem: Nur noch ein Spiel.

"Müdigkeit kommt am Sonntag"

"Man merkt, dass die Spieler ein langes Jahr hatten", sagte Matthias Sammer nach dem Sieg gegen die Chinesen: "Wir haben das Spiel kontrolliert. Aber vielleicht ist bei dem einen oder anderen die absolute Leichtigkeit nicht mehr da."

Kapitän Philipp Lahm, der den Auftritt der Bayern als Sechser koordiniert hatte und anschließend zum "Man of the Match" gekürt worden war, ergänzte:

"Wenn man so viele Titel wie wir gewonnen hat, will man den letzten Titel auch noch holen. Fast alle unserer Spieler haben so ein Turnier noch nicht gespielt. Das ist etwas Besonderes. Die Müdigkeit kommt dann am Sonntag." (DATENCENTER: Der Spielplan der Klub-WM)

"Finale spielen wir für Jupp"

Im Gegensatz zu seiner Mannschaft besitzt Trainer Pep Guardiola schon WM-Erfahrung. 2009 und 2011 gewann er die Weltmeisterschaft mit dem FC Barcelona.

Nun hat er die Chance auf das Triple. Wobei er den Titel gern an jemand anderen weiterreichen würde. Jenen Mann, der den Bayern die Reise nach Marokko durch den Sieg in der Champions League erst ermöglicht hatte: Jupp Heynckes.

"Dieses Finale spielen wir auch für Jupp", sagte der spanische Gentleman in der "ARD": "Um in diesem Wettbewerb dabei zu sein, muss man viele Spiele gewinnen. Ich muss hier nur zweimal gewinnen."

Freizeit am Donnerstag

Teil eins der Aufgabe ist erfüllt. Bei Spielern und Verantwortlich sorgte das bei allem Selbstbewusstsein und "Mia san mia" auch für eine gewisse Erleichterung.

Andernfalls hätte es schließlich eine lange Restwoche werden können. "Stellen sie sich vor, wir hätten uns jetzt tagelang auf das Spiel um Platz drei vorbereiten müssen. Das wäre eine Katastrophe gewesen", sagte Sammer, der mit der Bayern-Karawane am Mittwochmittag in Richtung Marrakesch aufbrach.

Am Morgen stand noch ein leichtes Trainingsprogramm auf dem Plan. Am Donnerstag will Guardiola seinen Spielern einen freien Tag spendieren.

Ein letztes Mal Kräfte bündeln

Noch einmal Kräfte bündeln, den Kopf frei bekommen, den fünften Titelgewinn des Jahres schon einmal visualisieren.

Toni Kroos hatte unmittelbar nach dem Sieg gegen Guangzhou jedenfalls schon konkrete Vorstellungen vom Ablauf des verdienten Müßiggangs: "Ich werde mich sonnen."

Und danach? "Dieses eine Spiel", sagte der Mittelfeldspieler: "Das geht jetzt auch noch."

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