Marcello Lippi wurde 2006 mit Italien Fußball-Weltmeister © getty

Marcello Lippi verdient in Guangzhou Millionen. Nun soll er es gegen Bayern richten. Sein Spielmacher muss sich nicht verstecken.

Aus Agadir berichtet Tom Vaagt

Agadir - Der große Star von Guangzhou Evergrande ist schon etwas älter.

65 Jahre, um genau zu sein. Vielleicht nicht mehr der ganz große Sprinter. Dafür aber umso flinker im Kopf. Marcello Lippi heißt der Mann, auf den im Halbfinale der Klub-WM am Abend gegen den FC Bayern (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) ganz China hofft. (BERICHT: Das ist die Klub-WM)

Seit Mai 2012 sitzt Italiens Weltmeistercoach auf der Trainerbank von Guangzhou. Er führte die Mannschaft zum nationalen Meistertitel und anschließend zum ersten chinesischen Triumph in Asiens Champions League seit 23 Jahren. (DATENCENTER: Der Spielplan der Klub-WM)

Deshalb ist man jetzt in Marokko dabei. Deshalb ist Lippi in seiner neuen Wahlheimat so etwas wie ein Held. Silberfuchs nennen sie ihn.

Aber ist er auch ein Wundermann? Einer, der aus Nichts das eigentlich Unmögliche erschafft? Nun ja, vielleicht nicht so ganz. Guangzhou wird bereits seit Jahren millionenschwer aufgepäppelt. Vom eigentlich starken Mann des Vereins: Xu Jiayin.

Millionenschwere Erfolgsgeschichte

Der Unternehmer ist einer der reichsten Männer Chinas, hat glänzende Kontakte in oberste politische Kreise, ist Fußball-Fan und Lobbyist.

Seit er den kurz zuvor wegen Spielmanipulationen in die zweite Liga herabgestuften Verein im Februar 2010 übernahm, ging es bergauf. Zunächst gab es einen neuen Vereinsnamen.

Evergrande - das klingt ein wenig nach italienischem Western, ist aber keine weitere Huldigung für Lippi. Sondern schlicht Xus Baufirma.

Nach dem Wiederaufstieg und großen Investition in die Mannschaft wurde man dreimal in Folge chinesischer Meister. Der Gewinn der Königsklasse war der bisherige Höhepunkt. Und auch in Marokko läuft bisher alles nach Plan.

2:0 im WM-Viertelfinale gegen Al Ahly Kairo. Geht noch mehr? Xu Co. hoffen darauf.

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Bayern mit Respekt

"Wenn wir 100-mal gegen Bayern spielen, werden wir 99-mal verlieren", sagt Lippi allerdings und bremst.

"Dann hoffen wir mal, dass es am Dienstag nicht das eine Spiel von 100 wird", entgegnet Bayerns Torhüter Manuel Neuer: "Auch für mich ist Marcello Lippi der bekannteste Name bei Guangzhou. Wenn er nach dem bekannten Muster spielen lässt, wird es für uns schwierig, Tore zu erzielen."

Mit diesem Muster machte schon einmal eine deutsche Mannschaft schlechte Erfahrungen. Bei der Heim-WM 2006 verlor die DFB-Elf im Halbfinale gegen Lippis Italiener.

"Wir wissen, wer ihr Trainer ist, werden die Chinesen daher nicht unterschätzen?, meint Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer.

Zehn Millionen Euro pro Jahr

Rund zehn Millionen Euro jährlich soll sich Xu die Dienste von Lippi kosten lassen. Auch mancher Spieler verdient in dieser Größenordnung.

Allen voran Dario Conca. Schnell mit dem Ball, und schon bei einem strengen Blick des Gegenspielers schnell am Boden. Sagt man. Der Argentinier kam 2011 nach Guangzhou. Überzeugt mit einem fürstlichen Jahresgehalt von angeblich ebenfalls rund zehn Millionen Euro.

Bei seiner Vertragsunterzeichnung soll er nach Lionel Messi und Cristiano Ronaldo der bestbezahlte Profi der Welt gewesen sein. Nicht schlecht für jemanden, der im Alter von heute 30 Jahren noch auf sein Länderspieldebüt wartet.

Kurzes Barrios-Gastspiel

Neben Conca sollten die Bayern auch Elkeson und Muriqui nicht außer Acht lassen. Auch die beiden Brasilianer gehören zu Xus bisher 180 Millionen Euro umfassenden Investitionspaket und genießen den Luxus, den ihr Gönner zur Verfügung stellt.

Prunkvolle Immobilien, Ausflüge mit der Evergrande-Yacht, Heimatflüge mit dem Privatjet. Es fehlt an nichts. Allenfalls an Herausforderungen im sportlichen Alltag. Das Niveau der chinesischen Liga ist dann doch eher überschaubar.

Diesen Schluss hat offenbar auch Conca gezogen. Nach der Klub-WM und zweieinhalb Jahren in Guangzhou zieht es den Mittelfeldspieler zurück nach Südamerika. Der Kontrakt läuft aus, das Konto ist gefüllt.

Lucas Barrios war trotz all der Vorzüge nicht ganz so geduldig. Der Stürmer hielt es nach seinem Wechsel von Borussia Dortmund zu Evergrande nur ein Jahr in Asien aus.

Der Silberfuchs hielt ihn für verzichtbar.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Alaba - Thiago - Müller, Kroos, Götze, Ribery - Mandzukic.

Guangzhou: Zeng Cheng - Zhang Linpeng, Xiaoting Feng, Young-Gwon Kim, Xiang Sun - Elkeson, Zhi Zheng, Conca, Huang Bowen - Muriqui, Gao Lin.

Schiedsrichter: Bakary Gamassa (Gambia)

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