Franck Ribery wurde 2013 zu "Europas Fußballer des Jahres" gewählt © imago

Bayern bestreitet im Klub-WM-Halbfinale das 55. Pflichtspiel. Lauert der härteste Gegner in den eigenen Reihen? Guardiola warnt.

Aus Agadir berichtet Tom Vaagt

Agadir - Pep Guardiola kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus.

"Sie haben einige sehr, sehr gute Spieler", sagte der Spanier. "Bei Ballbesitz des Gegners sind sie sehr gut organisiert", führte er fort. "Sie verfügen über eine hohe Qualität", schloss er an. Und dann kurz zusammengefasst: "Jeder sagt, dass wir der Favorit sind. Das ist gefährlich."

Während Guardiola über die Fähigkeiten des Gegners dozierte, musste mancher Zuhörer im Stadion von Agadir kurz seine Gedanken sortieren. Der Trainer des FC Bayern sprach am Montagabend nicht - wie vielleicht zu vermuten - über das Champions-League-Los FC Arsenal.

Er sprach über Guangzhou Evergrande.

Ein chinesischer Gigant?

Nach seinen Ausführungen wirkte Münchens heutiger Halbfinal-Gegner bei der Klub-WM in Marokko (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) wie ein chinesischer Gigant. Mindestens auf Augenhöhe mit den Bayern.

Klar: Asiens Champions-League-Gewinner hat in dem Italiener Marcello Lippi den Weltmeistertrainer von 2006 auf der Bank. In der Startelf stehen in Dario Conca, Elkeson und Muriqui drei Südamerikaner, die durchaus mit dem Ball umzugehen wissen.

Klar aber auch: Unter normalen Umständen dürfte Guangzhou keine wirkliche Hürde für den Triplesieger darstellen.

Guardiolas Worte sind daher nicht mehr als eine wohlbedachte Warnung. Er will bei seinen Spielern die Sinne schärfen, zur Konzentration mahnen, die Vorfreude auf den wohlverdienten Weihnachtsurlaub noch ein paar Tage in den Hintergrund drängen.

Oder schlicht: Für normale Umstände sorgen.

"Letzter Prozentpunkt aus dem Kopf"

"Wir müssen eine Top-Leistung bringen. Wenn dem Körper zum Jahresende etwas fehlt, muss der letzte Prozentpunkt aus dem Kopf kommen", fordert auch Sportvorstand Matthias Sammer. Nachlassen verboten (BERICHT: Das ist die Klub-WM).

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54 Pflichtspiele haben die Bayern 2013 ausgetragen ? und fast immer gewonnen. Genau genommen 48-mal. Sie haben die deutsche Meisterschaft geholt, den DFB-Pokal, Europas Supercup und natürlich die Champions League.

Das hat Kraft gekostet. Nerven und Schweiß. Folglich ist der härteste Gegner bei der Klub-WM auch nicht Guangzhou. Es werden im Falle des Finaleinzugs wohl auch nicht Atletico Mineiro oder Raja Casablanca sein, die sich am Mittwoch in der zweiten Vorschlussrundenpartie gegenüberstehen (DATENCENTER: Der Spielplan der Klub-WM).

Die Feinde lauern in den eigenen Reihen. Sie heißen Physis, Psyche, Schlendrian.

Guardiola will sein Titel-Triple

"Aus mentaler Sicht ist das erste Spiel bei so einem Turnier auch das schwierigste", sagte Guardiola: "Viel schwieriger als ein mögliches Finale."

Der Spanier weiß, wovon er spricht. 2009 und 2011 gewann er die Klub-WM mit dem FC Barcelona. Nun will er die erste deutsche Mannschaft zum auf dem Papier bedeutendsten Vereinstitel der Welt führen.

"Wenn wir konzentriert und vor allem motiviert spielen, werden wir gewinnen", sagt Toni Kroos und scheint die Botschaft seines Trainers verstanden zu haben.

Torhüter Manuel Neuer ergänzt: "Dieser Titel ist für uns das letzte Ziel. Wir wollen den krönenden Abschluss des Jahres schaffen und von allen Klubs der Welt die Nummer eins sein."

?Dann ist es ein perfektes Jahr?

Ein anderer Ausgang wäre auch mehr als bitter. Zu dominant und auch immer wieder brillant trat der FCB 2013 auf. Und jetzt sollen den Bayern Guangzhou, Casablanca oder Mineiro in die Suppe spucken? Für einen dann doch irgendwie missglückten Jahresabschluss sorgen?

Wohl kaum. "Wenn wir diesen Titel gewinnen, dann haben wir es 2013 sehr gut gemacht", sagt Franck Ribery. Der Franzose ist bei den wenigen öffentlichen Auftritten der Münchner in Marokko bisher die Hauptattraktion.

Und ganz sicher um vieles besser als Conca, Elkeson und Muriqui. Er muss es gegen Guangzhou nur zeigen. Wieder einmal. Zum vorletzten Mal in diesem Jahr den Kampf gegen Körper und Kopf gewinnen. Grenzen ausloten und sie überschreiten.

"Dann ist es ein perfektes Jahr", sagt Ribery: "Das ist super für die Pause und wir können mit unseren Familien in den Urlaub fahren." Auch Guardiola und Sammer hätten gegen ein paar Tage Schlendrian dann sicher nichts mehr einzuwenden.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Alaba - Thiago - Müller, Kroos, Götze, Ribery - Mandzukic.

Guangzhou: Zeng Cheng - Zhang Linpeng, Xiaoting Feng, Young-Gwon Kim, Xiang Sun - Elkeson, Zhi Zheng, Conca, Huang Bowen - Muriqui, Gao Lin.

Schiedsrichter: Bakary Gamassa (Gambia)

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