Cristiano Ronaldo (l.) und Franck Ribery duellierte sich 2012 im Champions-League-Halbfinale. Die Bilder der Kandidaten zum Weltfußballer © getty

Die Anzeichen mehren sich, dass Ribery bei der Weltfußballerwahl unterliegt. Der Weltverband leistet sich Fragwürdigkeiten.

Von Mathias Frohnapfel

München - Der weltbeste Fußballer?

Er steht schon lange vor der Gala zur Weltfußballerwahl fest - zumindest für das Magazin, das Cristiano Ronaldo jüngst das Titelbild freiräumte.

"Der Einzigartige" nennt es ihn. Sagt voraus, er werde die Weltmeisterschaft "zu seiner persönlichen Show machen". Und kommt zum Schluss: "An seine fußballerische Klasse kommt derzeit niemand ran."

Alles Thesen, die man so formulieren kann. Pikant aber ist, wer sie so formuliert: "FIFA Weekly", das offizielle Wochenmagazin des Fußball-Weltverbands.

Ein Umstand, der Nahrung ist für gewisse Verdächtigungen, die gerade so im Raum stehen.

Hoeneß wittert "Spielereien"

Erst am 13. Januar soll ja in Zürich enthüllt werden, ob Ronaldo, Barca-Ikone Lionel Messi oder doch Franck Ribery neuer Welfußballer ist.

Jener Ribery, der mit dem FC Bayern das Triple abräumte - und an diesem Dienstag auch den Preis als Frankreichs Fußballer des Jahres (News). Jener unbändige Dribbler und Passgeber, der die FCB-Bosse regelmäßig in Verzückung versetzt ( 800270 DIASHOW: Die Kandidaten zur Weltfußballerwahl ).

"Ich hoffe, dass er es schafft", sagte Pep Guardiola vor dem Spiel gegen Manchester City (20.15 LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) auf SPORT1-Nachfrage zum Thema Weltfußballer-Wahl.

Er muss es schaffen, sagt Präsident Uli Hoeneß. Alles andere meint er in die Kategorie "Riesensauerei" verorten zu müssen. Genau die traut er der FIFA aber zu, wie er mit seinem Raunen von möglichen "Spielereien" recht unverhüllt klargestellt hat.

Verlängerte Frist

Worauf Hoeneß wohl anspielte: Die Frist zur Stimmabgabe wurde verlängert, so dass noch die WM-Playoffs in die Bewertung einfließen konnten. Und da glänzte Ronaldo mit drei Toren gegen Schweden.

Würde Sepp Blatter in Zürich den Goldenen Ball überreichen, ließe sich das auch wie eine Versöhnungsgeste deuten. Der FIFA-Boss hatte schließlich Ronaldo vor Studenten in Oxford verspottet, dessen zuweilen gockelartigen Gang parodiert.

Angeblich soll Blatter dem Superstar von Real Madrid bereits per Brief gebeten haben, auf jeden Fall bei der Gala in Zürich teilzunehmen.

Ronaldo beantwortete seinerseits in der spanischen Sportzeitung "AS" die Frage nach einem Gespräch mit Blatter patzig: "Ich habe kein Telefon. Meine Sekretärin hat mich nicht mit ihm verbunden."

"Nur eine weitere Trophäe"

Den Preis würde Ronaldo dennoch nur zu gerne einkassieren.

Öffentlich bremst er aber seinen Hunger. "Das ist nur eine weitere Trophäe, nicht das Ende der Welt", sagte er dem Fernsehsender "Bein Sport?".

"Es ist besser, eine phantastische Karriere zu haben und mit dem Klub Großes zu erreichen. Diese Trophäe ist nicht das Wichtigste in meiner Karriere."

Die Wahlleute - Nationaltrainer, Nationalmannschaftskapitäne und Journalisten - haben inzwischen ihr Votum abgegeben. Und wen wählt man zum weltbesten Fußballer? Denjenigen mit den meisten Toren (Ronaldo), mit den meisten Titeln (Ribery) oder den, mit dem vermeintlich schönsten Stil (Messi)?

Blaszczykowski wählt Ronaldo

Wer wie wählte, lässt sich zum Teil bereits erfahren. Italiens Nationalkeeper Gianluigi Buffon wählte den Juve-Teamkollegen Andrea Pirlo. Jakub Blaszczykowski, Kapitän Polens, wählte Ronaldo, Lionel Messi und platzierte Robert Lewandowski an Position drei. Für Bayern-Star Ribery - wen wundert's - hatte er keine Stimme übrig.

Bundestrainer Jogi Löw zog es vor, sich zu enthalten. Fünf Deutsche standen zur Auswahl, jede Entscheidung - für oder gegen Özil beispielsweise - wäre ein Politikum gewesen. Die FIFA wird nach der Wahl alle Stimmabgaben öffentlich machen, dabei wird leicht interpretierbar sein, wer wen warum bevorzugte.

So ist eine Wahl nunmal: die Summer aller subjektiven Entscheidungen.

Pepe argmuentiert mit Messi

Hinzu kommt die ewige Streitfrage: Braucht man Titel, um ganz oben zu stehen? Die Bayern-Macher führen das als wichtiges Argument für Ribery an. In Madrid sehen sie das naturgemäß anders.

Reals Verteidiger Pepe führt in der "Marca" just den Star von Erzrivalen Barcelona, Lionel Messi, als Beispiel an. Als 2010 Spanien Weltmeister wurde, sei ja Messi Weltfußballer geworden: "Cristiano ist der einzige, der es verdient. Die Kriterien für den Preis sind individuell und er erlebt ein außergewöhnliches Jahr."

Nicht verwunderlich, dass Pepe seinen Teamkollegen derart anpreist. Bemerkenswert aber, dass es die FIFA tut.

In einem Magazin, das laut Eigenwerbung die verbandseigenen "Bemühungen um Transparenz" vorantreiben soll. Und beitragen "zu einem besseren Verständnis ihrer Arbeit und ihrer Kompetenz".

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