Nach den Ausschreitungen in Brasilien verweist die FIFA auf ihr Sicherheitskonzept. Eine Gefahr sieht der Verband nicht.

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München - Die FIFA hat in Folge der schweren Fan-Ausschreitungen in Brasilien (Bericht) jegliche Sicherheitsbedenken zurückgewiesen.

Der Weltverband und das Organisationskomitte verwiesen bei der Nachrichtenagentur "dpa" auf das "sehr umfassende Sicherheitskonzept für die WM 2014, um die Sicherheit für Fans, Spieler und alle anderen an dem Turnier Beteiligten zu gewährleisten".

Das Konzept habe bereits "während des Confederations Cups gut funktioniert und stützt sich auf Modelle, die bei vorherigen Weltmeisterschaften zum Einsatz kamen".

Folglich sieht die FIFA keinen Zusammenhang zwischen den Vorfällen in der brasilianischen Liga und möglichen Gefahren bei der Weltmeisterschaft 2014.

Fans geraten aneinander

Am Sonntagnachmittag war das brasilianische Ligaspiel zwischen Atletico Paranaense und Vasco da Gama von schweren Ausschreitungen überschattet worden.

Beim Stand von 1:0 für Paranaense wurde das Spiel in der 17. Minute unterbrochen, nachdem Atletico-Anhänger den gegnerischen Fanblock gestürmt hatten.

Die rivalisierenden Fangruppen gerieten auf den Tribünen aneinander, mehrere hundert Personen prügelten aufeinander ein.

Die Partie lief im Free-TV, die Bilder von wehrlos am Boden liegenden Fans, die aber weiterhin mit Kopftritten und Schlägen misshandelt wurden, versetzten die Fußballnation in einen Schockzustand.

Polizei greift erst spät ein

Die Polizei griff erst nach mehreren Minuten ein und ging mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die Randalierer vor.

Es gab zahlreiche Verletzte, ein Schwerverletzter wurde von einem Helikopter abtransportiert, der auf dem Spielfeld gelandet war.

Wie "O Globo" berichtet wurden vier Schwerverletzte ins Krankenhaus gebracht, darunter ein 19-jähriger Paranaense-Fan, der einen Schädelbruch erlitten hatte.

"Ich habe keine Worte"

"Wir sind noch hingelaufen, um unsere Fans aufzuhalten. Noch nie in meinem Leben habe ich so etwas gesehen", sagte Atletico-Verteidiger Luiz Alberto mit Tränen in den Augen.

Luiz Carlos Junior, TV-Kommentar von Globo, gestand: "Plötzlich berichtete ich mitten aus einem Kriegsgeschehen."

Trotz der Ausschreitungen wurde die Partie nach einer 70-minütigen Unterbrechung fortgesetzt, die Polizei bildete einen Ring um das Spielfeld.

Private Ordnungsdienste

Für das verspätete Eingreifen der Militärpolizei fand der zuständige Kommandant vor Ort, Adilson Moreira, folgende Erklärung: Das Ministerio Publico, die Staatsanwaltschaft des Bundeslandes Santa Catarina, stufe Fußballspiele als Privatveranstaltungen ein, und deshalb sei die Sicherheit innerhalb der Arenen Aufgabe eines privaten Ordnungsdienstes.

Gedankenspiele, die in Deutschland unlängst NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) nach Problemen mit Schalker Fans aufgegriffen hatte.

Noch am Sonntagabend veröffentlichte das Ministerio Publico jedoch eine Gegendarstellung. Es gäbe keine Anweisung, dass die Militärpolizei nicht im Stadioninnern operieren dürfte. Offenbar will sich jetzt jeder aus der Verantwortung stehlen.

Auch Moreira, der schlicht behauptet: "Leider wäre dies wohl auch passiert, wenn wir im Stadion gewesen wären. Das ist eine Frage der Kultur."

Bild des Hasses

Was auch bedenklich stimmte: Nur sechs Personen wurden offiziell festgenommen.

Darunter auch der 23-jährige Leone Mendes da Silva, der mit einem Holzstock in der Hand, aus dem an der Spitze ein Nagel ragte, der Dimension des Hasses ein schockierendes Bild gab.

"Ein Jahr zum Vergessen"

Krawalle zwischen Fans rivalisierender Klubs, aber auch innerhalb der eigenen Farben, waren ständiger Begleiter der am Sonntag beendeten Saison.

"Mein Gott, das war ein Jahr zum Vergessen", seufzte dann auch Paulo Schmitt, Chef-Ankläger des Obersten Sportgerichtgs STJD.

Der Jurist beklagte vor allem, dass er erst ab nächstes Jahr Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit als Strafe verhängen darf.

Niederlage besiegelt Vascos Abstieg

Die Begegnung war Teil des 38. und letzten Spieltags im WM-Gastgeberland.

Nachdem Vasco da Gama nach Wiederbeginn zwischenzeitlich ausgleichen konnte, endete die Partie letztlich mit 5:1 für Paranaense.

Atletico qualifizierte sich damit für die Copa Libertadores, das Gegenstück zur europäischen Champions League.

Für Vasco war die Niederlage gleichbedeutend mit dem Abstieg.

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