Franck Ribery wechselte 2007 von Olympique Marseille zum FC Bayern (Bildquelle: Twitter @FCBayern) © twitter

Der Bayern-Star wird nach seiner Wahl zu Europas Bestem mit Glückwünschen überhäuft. In England überwiegt Unverständnis.

Von Martin Hoffmann und Christian Ortlepp

Monte Carlo/München - Seinen Handy-Klingelton wird er an diesem Abend nicht mehr aus dem Ohr bekommen haben.

"Alle Spieler haben mir SMS geschickt", berichtete Franck Ribery, sämtliche Teamkollegen vom FC Bayern also.

Sie alle wollten gratulierten zu diesem silbern glänzenden Männer-Torso. Sie alle wussten, wie viel die Auszeichnung zu Europas Fußballer des Jahres ihrem Mittelfeld-Wirbler bedeutet (SPORT1-SPEZIAL: Die Ribery-Story).

"Das ist ein richtig schöner Tag für mich und meine ganze Familie", jubilierte Ribery nach seiner Ehrung im Grimaldi-Forum von Monaco im Gespräch mit SPORT1. Und vergaß dabei nicht, sich selbst vor denen zu verneigen, die ihm diesen schönen Tag ermöglicht hatten.

Dank an Don Jupp

"Danke an die ganze Mannschaft, den ganzen FC Bayern, die ganzen Fans", sagte Ribery - um vor der Abreise zum europäischen Supercup gegen den FC Chelsea (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) noch einen aus dem großen Ganzen besonders hervorzuheben: "Danke auch an Jupp Heynckes."

Der ehemalige Bayern-Trainer, der den Rekordmeister im vergangenen Jahr zum Triple führte, gab den Dank schnell zurück.

"Du hast es voll und ganz verdient, Europas Fußballer des Jahres 2013 zu werden. Du warst der Beste!", übermittelte Heynckes via "kicker".

Arbeit nach hinten als Schritt nach vorn

Bei der Gelegenheit führte Pep Guardiolas Vorgänger auch aus, was nicht nur aus seiner Sicht der entscheidende Schritt war, der dem einst als schlampiges Genie geltenden Ribery die höchsten Weihen ermöglicht hat.

Unter Androhung der Ersatzbank habe er ihm nach dem verlorenen Champions-League-Finale 2012 vermittelt, "dass alle nach hinten arbeiten müssen, wenn wir etwas Großes erreichen wollten".

Ribery habe sich daran gehalten. Und es habe sich ausgezahlt: "Über den Erfolg des Kollektivs hast du diesen persönlichen Triumph erreicht, für deine uneigennützige Einstellung bist du belohnt worden."

Rehabilitierte Reizfigur

36 der 52 teilnehmenden Journalisten aus allen UEFA-Ländern bescherten Ribery den Triumph gegen Lionel Messi (13 Stimmen) und Cristiano Ronaldo (3).

Wenig überraschend stimmte der Vertreter aus Deutschland ebenso für ihn wie der aus der französischen Heimat.

Dort ist Ribery - aufgrund der Rotlicht-Affäre und der desaströsen WM 2010 zwischenzeitlich eine Reizfigur - nun wohl endgültig rehabilitiert.

Mit dem neu gekrönten "König von Europa" ("L'Equipe") freuen sich nicht nur einheimische Medien und noch aktive Kollegen wie Eric Abidal ("Herzlichen Glückwunsch mein Bruder. Die Arbeit lohnt sich immer").

Platini und Zidane verneigen sich

Auch die beiden bisherigen Preisträger des Landes sehen Ribery als würdigen Erben.

Zinedine Zidane, mittlerweile Co-Trainer bei Ronaldos Arbeitgeber Real Madrid, lobte Riberys "überragende Saison".

Ähnlich äußerte sich UEFA-Präsident Michel Platini, der der Wahl auch seinen persönlichen Segen gab: "Ich denke, es ist logisch, dass ein Bayern-Spieler ausgezeichnet wurde."

Verhaltenes Echo in Spanien

Verhaltener ist das Echo zu Riberys Triumph in anderen Ländern.

Die spanische "Marca" widmet Riberys Wahl nur eine Agenturmeldung im unteren Bereich ihrer Homepage.

Konkurrent "AS" berichtet zwar großflächiger über die Abstimmung, aber nicht wegen Riberys Sieg, sondern weil Konkurrent Ronaldo lieber ein Testspiel mit Real Madrid bestritt, statt bei der Zeremonie zu erscheinen - zum Ärger Platinis, wie es heißt.

Kritik aus England

Auch in Großbritannien findet die Kür von König Franck wenig Widerhall - und wenn, dann eher negativen.

"Ich kann nicht erkennen, dass er dieselbe Klasse hat wie Messi oder Ronaldo. Ist das jetzt ein Mannschaftspreis?", fragt Stürmerlegende Gary Lineker bei Twitter, auch in einer Diskussionsrunde bei "ESPN Soccernet" ist Verwunderung der Grundton.

"Ribery ist ein toller Spieler, aber wenn man sich die Messis, Ronaldos und van Persies anschaut: In meiner Top 10 wäre Ribery ehrlich gesagt nicht", meint der langjährige Premier-League-Torwart Kasey Keller. Er wisse nicht einmal, "ob Ribery überhaupt der beste Spieler von Bayern München war", so der US-Amerikaner.

Der Journalist Steve Nicol sieht es ähnlich: "Es geht um den besten Spieler, der in Europa spielt. Und Lionel Messi spielt in Europa. Es tut mir leid, diese Wahl macht keinen Sinn für mich."

Keine Stimme von den Briten

Einzelmeinungen sind das nicht: Kein einziger Vertreter der britischen Inseln ? England, Schottland, Nordirland, Wales und Nordirland ? gab bei der UEFA-Wahl Ribery seine Stimme.

Sie alle fanden, dass Messi den Preis hätte bekommen sollen, trotz einer international verhältnismäßig erfolglosen Saison mit dem Barcelona.

Anders sah es einer, der es aber wohl auch durchaus beurteilen kann.

Ribery habe es "verdient, diese Trophäe zu gewinnen", befand Lionel Messi.

[kaltura id="0_pn6ub6ct" class="full_size" title="EXKLUSIV Ribery nach dem Triumph"]

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