Der Supercup zwischen Bayern und Chelsea wird zum Wiedersehen der Intimfeinde. Vor dem Duell verfallen beide in alte Muster.

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Von Jan Reinold

München - Der Medienprofi Pep Guardiola wusste natürlich schon vor einer Woche, was da auf ihn zukommen würde.

Also ermahnte der Trainer des FC Bayern die versammelte Journaille vor dem bayrisch-fränkischen Bundesliga-Derby gegen den 1. FC Nürnberg, dass es noch nicht an der Zeit sei, über sein Verhältnis zu Jose Mourinho zu sprechen.

Aus seiner Sicht war dieser Wunsch mehr als verständlich, schließlich bringe Mourinho "das Schlechteste in mir hervor", wie Guardiola einmal bekannte.

Am heutigen Freitag geht es in Prag aber um den europäischen Supercup, und am Rande des Vergleichs zwischen Champions-League-Sieger FC Bayern mit Europa-League-Sieger FC Chelsea (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) muss sich Guardiola nun auch mit seinem vertrauten Feind auseinandersetzen. Wieder einmal.

"Größte Feindschaft des Fußballs"

Vom "erbitterten Duell" der beiden Star-Trainer sprach die spanische Tageszeitung "El Pais", für die "Bild" ist es gar "die größte Feindschaft des Fußballs".

Letzteres ist wohl etwas übertrieben, aber fest steht, dass das Verhältnis zwischen zwei der erfolgreichsten Trainer des Weltfußballs seit Jahren ausbaufähig ist. Um es vorsichtig zu formulieren.

Beide kennen sich seit gemeinsamen Zeiten beim FC Barcelona. Guardiola war damals Spieler, Mourinho Assistent von Trainer Bobby Robson und später Louis van Gaal. Heute ist die gemeinsame Vergangenheit das Einzige, was sie noch verbindet.

Gentleman vs. Rüpel

Beide stehen für unterschiedliche Spielideen, während für Mourinho der Zweck die Mittel heiligt, geht es für Guardiola eher um den Weg zum Ziel. Vor allem aber prallen zwei völlig unterschiedliche Typen aufeinander.

Hier der charmante und in der Öffentlichkeit stets auf einen respektvollen Umgang bedachte Guardiola, der nur sehr selten Kritik übt und lieber jederzeit jeden lobt; dort der selbstbewusste und polarisierende Mourinho, der nicht mit Kritik an Schiedsrichtern, Gegnern und Journalisten spart, mitunter auch an Verschwörungstheorien strickt.

Diese Rollenverteilung ist bei genauerer Betrachtung sicher nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig.

Sowohl Guardiola als auch Mourinho verstehen es, sich in Szene zu setzen. Und beide haben mehr als einmal betont, den jeweils anderen zu kennen. Soll heißen: Ich weiß, wie du wirklich bist.

"Wieder unqualifizierte Kommentare"

Allein elfmal standen sich die Trainer-Rivalen bei Partien von Barca gegen Real in Spanien gegenüber, 5:2 hieß es nach Siegen für Guardiola.

Das letzte Mal traf man sich im April 2012, damals gewann Mourinho mit Real Madrid den Clasico beim FC Barcelona. Das 2:1 war zugleich die Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft.

Knapp eineinhalb Jahre später sehen sich beide nun in Prag erstmals wieder, und während Mourinho wie bisher die Rolle des stichelnden Rüpels übernahm und im Vorfeld "wieder einmal unqualifizierte Kommentare" (Bayern-Präsident Uli Hoeneß) von sich gab (News), trat Guardiola einmal mehr als Gentleman auf.

"Chelsea", lobte er am Donnerstag, "hat einen herausragenden Trainer, und der FC Bayern auch. Ich habe großen Respekt vor seiner (Mourinhos, d. Red.) Karriere."

Legendäre Pressekonferenz

Das war Guardiola, wie man ihn kennt: charmant, höflich und respektvoll. Allerdings kann der 42-Jährige auch anders.

2011 auf dem Höhepunkt der erbittert geführten Clasico-Serie zwischen Barcelona und Real kam vor dem Halbfinal-Duell in der Champions League das Schlechteste in Guardiola hervor.

"Da mich Herr Mourinho geduzt hat, er hat mich Pep genannt, werde ich ihn Jose nennen", eröffnete ein nicht eben bescheidener Guardiola eine in Spanien legendäre Pressekonferenz. Im weiteren Verlauf ließ Guardiola kein gutes Haar am Widersacher, "dem verdammten Boss, dem Allerbesten vor der Presse", wie er mit beißendem Spott sagte.

Pep, Mou und Albert Einstein

Weiter ging es mit abwertenden Bemerkungen über eine Mannschaftsansprache von Mourinho, in der dieser Albert Einstein zitiert hatte. Mourinho konterte Guardiolas Vortrag mit dem durchaus zutreffenden Hinweis: "Dieser Albert war nicht dumm."

Zudem wurde bekannt, dass Mourinho, der Barcelona mit Inter Mailand 2010 im Champions-League-Halbfinale gestoppt hatte, Guardiola Real-intern als "den großen Pep, den mit dem schönen Spiel" verspottete.

Alles in allem kann man also verstehen, dass Guardiola "heiß" (Hoeneß) auf das europäische Supercup-Duell mit Mourinho ist.

Wiedersehen macht Freude - oder eben nicht.

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