Den vorläufigen Höhepunkt seiner Laufbahn erreicht Franck Bilal Ribery, geboren am 7. April 1983 in Boulogne-sur-Mer, Frankreich, im August 2013. Frankreichs Fußball-Idol Michel Platini (r.) verleiht ihm die Trophäe für den besten Spieler in ganz Europa
Franck Ribery (l.) wechselte 2007 aus Marseille nach München © getty

Bayerns Star setzt sich gegen Messi und Ronaldo durch. Er beendet eine lange Durststrecke der Bundesliga und schwärmt vom FCB.

Monaco - Um exakt 18.57 Uhr am Donnerstagabend war Franck Ribery am Ziel seiner Träume und der neue Fußball-König Europas:

Als UEFA-Präsident Michel Platini bei der Bekanntgabe des "UEFA Best Player in Europe" der Saison 2012/13 seinen Name verkündete und sich die Gäste im Grimaldi Forum in Monte Carlo von den Plätzen erhoben, um dem kleinen Franzosen zu huldigen, war der 30-Jährige im feinen grauen Zwirn sichtlich gerührt und dankte zunächst mal seinen Teamkollegen von Bayern München und seiner Familie.

"Das ist ein sehr spezieller Moment. Dies Auszeichnung krönt ein ganz besonderes Jahr", sagte Ribery.

Die minutenlangen Standing Ovations genoss der Offensivspieler des Triplegewinners in vollen Zügen.

Er hatte sich mit 36 Stimmen gegen den viermaligen Weltfußballer Lionel Messi vom FC Barcelona (13) und Cristiano Ronaldo von Real Madrid (3), der erst gar nicht ins Fürstentum angereist war, durchgesetzt.

Messi, schon zweimal die Nummer eins in Europa, klatschte bei der Bekanntgabe lautstark und war einer der ersten Gratulanten.

"Der Bus stand Kopf"

Ribery, der am Donnerstagvormittag gemeinsam mit Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge mit einem Privatjet an die Mittelmeerküste gereist war umarmte seine Nebenleute und freute sich wie eine kleiner Junge unter dem Weihnachtsbaum, während seine Vereinskollegen in Prag mitfieberten und nach der Entscheidung lautstark jubelten.

Die Gratulationen ließen nicht lange auf sich warten.

"Wahnsinn, Wahnsinn. Wir haben alle im Bus gejubelt", berichtete Kapitän Philipp Lahm von der Stimmung auf der Rückfahrt vom Training vor dem Supercupfinale am Freitag gegen den FC Chelsea (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).

"Der Bus stand Kopf. Wir haben uns riesig gefreut, das ist ein geiler Moment für ihn und für uns alle", sagte Torwart Manuel Neuer.

Erst Ehrung, dann Prag

Auch der Fußball-Kaiser gab sein wohlwollendes Einverständis:

"Er ist herzlich willkommen im Club der Ausgezeichneten. Wenn es einer verdient hat in diesem Jahr, dann ist es Franckie. Er war nicht nur der beste Spieler in der besten Mannschaft. Er hat auch alles gewonnen", sagte Franz Beckenbauer im TV-Sender "Sky".

Ribery wurde nach seinem Triumph noch Donnerstagnacht in der tschechischen Hauptstadt erwartet.

Für seinen Teamkollegen Bastian Schweinsteiger und Rummenigge war die Sache schon vor der Zeremonie in Monacos Stadtteil Larvotto klar. Auch FIFA-Boss Joseph. S. Blatter hatte sich auf den Franzosen festgelegt.

Rummenigge: "Hoch verdient"

"Er ist hoch verdient Europas Fußballer des Jahres geworden. Franck stellt Extraklasse dar und es ist schön, das dies auch europaweit so gesehen wurde und nicht nur in Deutschland", kommentierte Rummenigge das Abstimmungsergebnis durch 53 europäische Fußball-Journalisten.

Bayerns Sport-Vorstand Matthias Sammer, vor Ribery 1996 letzter Titelträger aus der Bundesliga, lobte Ribery in den höchsten Tönen.

"Ich freue mich sehr für Franck, das ist super. Es ist die logische Konsequenz der wunderbaren Entwicklung von Bayern München und des deutschen Fußballs", sagte Sammer und fügte an: "Es gibt in Deutschland viele gute, junge Spieler, da war es nur eine Frage der Zeit, bis diese Ehre wieder einmal einem Deutschen zuteil wird. Aber Franck ist schon so lange hier, er ist ja ein halber Deutscher."

Lob auch von Effenberg

Stefan Effenberg lobte seinen Nachfolger im Bayern-Mittelfeld bei "Sky" über den grünen Klee.

"Franck Ribery ist ein Spieler, für den die Zuschauer gerne Eintritt zahlen. Er ist mit dem Ball schneller als viele Bundesligaspieler ohne Ball. Das ist ein Faustpfand. Die technischen Fertigkeiten, sein Instinkt und die Freude am Fußball zeichnen ihn aus. Ich würde gerne Geld bezahlen, um ihn mir anzuschauen", sagte der "Tiger".

Die Befürchtung, dass Bundesliga-Profi Ribery im Gegensatz zu Messi und Ronaldo in Europa weniger Strahlkraft und dementsprechend keine große Lobby hat, erfüllte sich glücklicherweise nicht, was auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß erfreute.

"Es ist überhaupt keine Frage, dass Franck das dieses Jahr verdient hat. Es kann nur ihn als Sieger geben", hatte Hoeneß vor der Gala gesagt.

Blatter: "Fußballerisch eine Kanone"

Der Zuspruch für den französischen Nationalspieler kam aber nicht nur aus den eigenen Reihen. Ribery habe in der Triple-Saison "den Idealzustand oft erreicht", lobte Bundestrainer Joachim Löw:

"Er ist ein Spieler, für den man gerne ins Stadion kommt, weil er uns alle zu verblüffen vermag."

FIFA-Boss Blatter meinte: "Er ist fußballerisch eine Kanone." Und Frankreichs Fußballlegende Zinedine Zidane, immerhin Co-Trainer bei Ronaldo-Klub Real, würdigte die "überragende Saison" seines Landsmanns.

In München sesshaft geworden

Vor allem das Triple sprach wohl für den 30-Jährigen. "Ich habe alles getan, individuell und mit der Mannschaft", sagte Ribery vor wenigen Tagen über seine Aussichten.

Sein Weg aus dem "Nirgendwo", wie er selbst das "schwierige Viertel" in seiner nordfranzösischen Heimatstadt Boulogne-sur-Mer nennt, kommt Ribery dabei selbst wie ein Märchen vor. (SPORT1-SPEZIAL: Die Ribery-Story)

Viele Höhen, aber auch viele Tiefen hat er dabei durchlebt.

"Ich bin ein Bayer"

Erst mit 21 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag (beim FC Metz). Zuvor verdingte er sich nebenbei auch als Bauarbeiter, weil er vom Fußball nicht leben konnte. Ribery kickte in nur drei Jahren bei drei Klubs, ehe er 2007 in München landete.

"Mein Herz ist bei Bayern München. Für mich ist das der beste Klub in der Welt. Ich bin total glücklich und richtig frei in meinem Körper. Wenn ich darüber rede, bekomme ich, wie heißt das auf Deutsch, Gänsehaut", schwärmt er kürzlich im Gespräch mit SPORT1.

Selbst nach dem Ende der Karriere scheint ein Verbleib in München eine Option zu sein: "Ich könnte hier mein ganzes Leben bleiben, warum nicht? Ich bin ein Münchner, ein Bayer - das sage ich aber von Herzen, nicht aus Spaß."

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