Gennaro Gattuso wurde 2006 mit Italien Weltmeister in Deutschland © imago

Der Ex-Weltmeister soll mit seiner gefürchteten Art die Schweizer nach oben führen - als Trainer. Präsident Constantin ist sauer.

Sion/München - Der "Knochenbrecher von San Siro" kennt keine Alibis.

Gennaro Gattuso geht immer voran. Auf dem Rasen als unermüdlicher Bekämpfer aller Edeltechniker, auf den Dächern von Sion als leichtfüßiger Tänzer zu den wummernden Bässen des Gangnam Styles.

Wie schon im Video des FC Sion schlüpft der "Terrier" künftig beim Schweizer Skandal-Klub in die Hauptrolle. Er soll den ambitionierten Tabellenvierten als Spielertrainer wieder auf Erfolg trimmen. Und die Zeit für Ausflüchte beenden. (DATENCENTER: Super League)

"Schauze voll von Ausreden"

"Wenn es nicht läuft, ist immer ein anderer schuld. Ich habe die Schnauze voll von diesen Ausreden. Die Spieler sind fürstlich entlohnt, und doch meckern sie immer", sagte Klub-Präsident Christian Constantin der Zeitung "Blick", nachdem er mit Victor Munoz den vierten Trainer in der laufenden Saison entmachtet hatte.

Nun soll es der frühere Weltstar Gattuso richten: "Mit seinem Charisma und seiner Persönlichkeit kann er die Spieler aufrütteln", sagte Constantin.

Gattusos Aussetzer

Bevor der 35 Jahre alte Gattuso, früherer Wadenbeißer der italienischen Nationalmannschaft und Weltmeister von 2006, im Sommer 2012 vom AC Mailand in die Schweiz wechselte, hatte er schon öfter gerüttelt.

An Zinedine Zidane zum Beispiel, der im WM-Finale in Berlin frustriert Marco Materazzi mit einer Kopfnuss niederstreckte. Oder an Joe Jordan, der 2011 noch Co-Trainer bei den Tottenham Hotspur war. Nach einem Achtelfinal-Duell in der Champions League mit Milan griff Gattuso den Schotten heftig an - per Kopfstoß und Würgegriff.

Rafael van der Vaart, damals noch bei den Engländern, und Gattusos Teamkollegen hatten alle Mühe, den wilgewordenen defensiven Mittelfeldspieler wegzuzerren.

Besessenheit als Erfolgsgeheimnis

"Die Bulldogge" - ein weiterer seiner zahlreichen Spitznamen, die sich Gattuso mit seiner robusten Spielweise verdiente - überzog das eine oder andere Mal. Aber seine Besessenheit und sein absoluter Erfolgswille brachten dem Fußball-Arbeiter Erfolg um Erfolg.

Champions-League-Sieger 2003 und 2007, italienischer Pokalsieger, italienischer Meister 2004 und 2011, Klubweltmeister 2007.

So viel wie möglich von seinem "kalabrischen" Spielstil soll Gattuso nun in neuer Doppelfunktion auf sein Team übertragen.

"Den Lohn erschwitzen"

"Kalabrisch spielen heißt sich den Lohn zu erschwitzen, zu erkämpfen, nie aufzugeben und sich immer wieder mit derselben Wut in den Ball zu verbeißen, auch wenn dieser verloren scheint", sagte der Italiener einmal.

Gattuso, der noch keine Trainerlizenz besitzt, trägt erstmals im Pokalspiel am Mittwoch in Lausanne die Verantwortung für den Klub, der in den vergangenen Jahren mit der Missachtung einer UEFA-Transfersperre und einem Punktabzug für Negativ-Schlagzeilen gesorgt hatte.

Seine Spieler sollten gegen Lausanne besser positiv von sich reden machen, sonst dürfte es die Analyse des neuen Trainers in sich haben.

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