Uwe Morawe berichtet in seiner Kolumne über Elefanten und die überraschende Dünnhäutigkeit von Arsenal-Coach Arsene Wenger.

Da wird der Elefant seit jeher Dickhäuter genannt, weil seine Haut eine Dicke von zwei Zentimetern aufweist. Aber was sind schon zwei Zentimeter in Relation zu bis zu zehn Metern Körperlänge? Der Elefant ist ein Dünnhäuter. Rein wesensmäßig.

Sie werden es bemerkt haben. Es geht um Arsene Wenger.

Da umsorgt der gute Mann seit über 16 Jahren seinen FC Arsenal wie eine Elefantenkuh die Herde - und dann muss er sich Fragen gefallen lassen!

"Stimmt es, dass Ihr Vertrag kurz vor einer Verlängerung steht?"

Welch Dreistigkeit, welch bodenlose Frechheit, die total unrecherchierte Fehlinformation!

So eine Frage auf einer Pressekonferenz zu stellen, nachdem die "Gunners" im FA Cup eine peinliche Pleite gegen den Zweitligisten Blackburn Rovers einstecken mussten.

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Den unter Umständen nett gemeinten Aufmunterungsversuch fasste Wenger als Provakation auf und reagierte mit einer Gegenfrage: "Ich habe den Pokal vier Mal geholt - können Sie mir einen Trainer nennen, der das öfter geschafft hat?"

Nun, Arsene, Du Dünnhäuter, ganz einfach: Sir Alex Ferguson, Dein alter Rivale, mit fünf FA-Cup-Siegen. Hast Du wohl vergessen, Du angeschlagener Franzose?

Wir erlebten einen angesäuerten Wenger wie noch nie.

Weitere Fragen zum peinlichen Ausscheiden aus dem Pokal wurden weggebügelt. Es sei schließlich eine PK im Rahmen des Bayern-Spiels in der Champions League.

O.k.. Nächster Versuch aus dem Plenum: "Wie schätzen Sie den kommenden Gegner ein?"

Ein unerhörter Zeckenbiss von einer Fragestellung!

Man sei nicht hier, um über den FC Bayern zu sprechen. Sagte Wenger und wirkte ungewohnt unsouverän.

Vielleicht ist dem Sensibelchen erst jetzt mit Zeitverzögerung die Fehlentwicklung der letzten Jahre klar geworden. Die Fehlentwicklung unter seiner Verantwortung.

Topspieler wie Fabregas und Van Persie wurden abgegeben. Es gab Fehleinkäufe wie Gervinho und Arteta oder (die inzwischen wieder ausgeliehenen) Benayoun und Chamakh.

Auch Podolski und Giroud sind gut, aber nicht herausragend. Dazu werden teure Altlasten wie Rosicky und Arshavin weiterhin durchgeschleppt.

Die einzig wirklich aufregenden Spieler im Kader heißen Jack Wilshere und mit leider mit zu hohen Leistungsschwankungen Theo Walcott.

Personalpolitik: Vier Minus. Einen Titel wird man wie schon die letzten sieben Jahre nicht holen und wahrscheinlich spielt man nächste Saison nur Europa League.

Und dass, obwohl die finanziellen Mittel zur Verfügung standen, entweder die Stars zu halten oder adäquat zu ersetzen. Arsenal erwirtschaftete im vergangenen Jahr eine Überschuss von 45 Millionen Euro. Völlig unsinnig für einen Fußballverein.

Immerhin, Festgeld ist noch da. Es wird noch dauern, bis Arsenal solch demütigende Fragen stellen muss wie Oldham Athletic.

Die sind im Gegensatz zu den Gunners im FA Cup noch dabei, aber so gut wie pleite. Bei Oldham wird aus akuter Geldnot nicht nur den Spielern der Trikottausch verboten, sondern vorher auch noch die Gästemannschaft angefaxt.

"Wir sehen uns aufgrund unserer angespannten finanziellen Situation nicht in der Lage, die speziell für den FA Cup angeforderten Bälle zu kaufen. Wären Sie so freundlich, bei Ihrer Anreise auch zehn Spielbälle mitzubringen? Vielen Dank im Voraus."

Das ist mal eine schöne Frage.

Der FC Everton war so freundlich. Es konnte gespielt werden, Endstand 2:2.

Euer Uwe Morawe

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