Uwe Morawe bestaunt die Standfestigkeit von Man-United-Coach Ferguson und erklärt die Paralellen zu Real-Trainer Mourinho.

Jetzt hat er das auch noch überlebt. Da tritt erstmals seit mehr als 700 Jahren ein Papst zurück - und Sir Alex Ferguson ist immer noch da!

Die Geschichte der westlichen Gesellschaften im letzten Jahrhundert ist bekanntermaßen geprägt von der Trennung von Weltlichkeit und Kirche. Mittlerweile sind wir sogar im Umkehrstadium angelangt: die Hostie der Moderne heißt iPhone 5.

Und der Fußballtrainer im Matt-Busby-Way zu Manchester ist einfach immer nur da.

Pontifex Maximus seit 1986. Qua Existenz.

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Nehmen wir das vergangene Wochenende. Da hielt der Sir noch vor dem Sieg über den FC Everton eine Audienz und schilderte, wie er den Vorabend genüßlich verbracht hatte.

Ungestört zu Hause vorm Fernseher in Wilmslow, iPhone auf stumm gestellt. Lady Cathy Ferguson hatte fristgerecht zum Abendspiel Southampton gegen Manchester City den Messwein dekantiert.

Nach der frühen Führung des Außenseiters über den einzig verbliebenden Meisterschaftskonkurrenten holte Sir Alex die geplante Aufstellung für das eigene Spiel heraus. Und strich. Und radierte.

Ursprünglich hatte Ferguson vor dem Champions-League-Schlager bei Real Madrid seine Stars schonen wollen. Im Verlauf der 90 Minuten in Southampton änderte er seine geplante Aufstellung auf sieben Positionen. Den richtigen Zeitpunkt zum entschlossenen Handeln erkennen - so baut man Herrschaft aus.

Mit der stärksten Elf wurde Everton geschlagen, der Patzer von ManCity genutzt und die Meisterschaft praktisch eingetütet.

Da hat Ferguson wieder einmal seine Macht demonstriert. Da sitzt er wieder, wo er hingehört, auf dem Heiligen Stuhl von Old Trafford.

Und das nach einer titellosen Spielzeit 2011/2012. Der Lokalrivale Manchester City war Meister geworden, Chesea holte sich den FA-Cup und obendrein noch die Champions League. Manchester United war unter Ferguson kläglich in der Gruppenphase gescheitert.

Jeder andere Trainer wäre nach solch einer Horrorsaison hochkant rausgeflogen. Doch Ferguson ist unkündbar wie der Papst.

Die Jünger von Old Trafford wußten ohnehin: Der alte Mann ist immer noch der richtige Mann! Nur echter Glaube ist über Zweifel erhaben.

Nun steht die Aufgabe gegen Real Madrid ins Haus. Gegen seinen einzigen echten Freund unter den Toptrainern: Jose Mourinho.

Den empfing Ferguson vor der Partie gegen Everton übrigens in seinem Heiligen Gral. Gespräch über zwei Stunden im Trainerzimmer vom Old Trafford.

Auf den ersten Blick wirken diese beiden Startrainer ja so unterschiedlich wie Papst und Dalai Lama. Der eine fast 30 Jahre in einem einzigen Verein, der andere nie länger als drei Jahre bei einem Klub.

Doch wie das mit Freundschaften so ist: Sie entstehen meist aus einer gemeinsamen Antipathie gegen Dritte. Schon im Kindergarten zu beobachten: Der kleine Alexander und der kleine Joseph verstehen sich deshalb so super, weil sie beide den Arsene und den Raphael voll blöde finden.

Die Sympathie zwischen Ferguson und Mourinho fußt in der ersten Premier-League-Saison des Portugiesen 2004.

Arsenal hatte sich ungeschlagen die Meisterschaft geholt, war auf dem Weg, die Dominanz von ManUnited zu brechen. Ein Jahr drauf holte Glücksritter Rafa Benitez mit Liverpool auch noch den Europapokal. Ferguson und Mourinho waren sich schnell einig: Das darf nicht sein.

Nun tauschen die beiden Nettigkeiten vor dem direkten Duell aus. Wer allerdings meint, Mourinho habe beim gemeinsamen Treffen schonmal sein zukünftiges Trainingszimmer inspiziert, der liegt wohl falsch.

Mindestens ein Ziel hat Ferguson noch: Februar 2018!

Dann hätte er Pius IX überholt. Der hält mit 31 Jahren und acht Monaten den Rekord für die längste Amtszeit als Papst.

Euer Uwe Morawe

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