Uwe Morawe prophezeit in seiner Kolumne dem bei Chelsea entlassenen Di Matteo ein Schicksal als Antwort auf die Millionenfrage.

Als junger Spieler den Noname FC Aarau zur Schweizer Meisterschaft geführt. 34 Länderspiele für Italien, immerhin. Drei Pokalfinals in Wembley gespielt - dreimal das entscheidende Tor erzielt.

Und als Trainer aus einem überalterten, erfolglosen Haufen mit einem Goldesel-Lauf einen Championsleague-Sieger geformt.

Und dennoch droht Roberto Di Matteo das Schicksal, in einigen Jahren ein Fall für die, etwa von Günther Jauch gestellte, Millionenfrage zu sein: "Wer trainierte den FC Chelsea 2012 im sogenannten Finale Dahoam...?"

Seit heute ist der gute Mann arbeitslos. Nur zwei Siege in den letzten acht Pflichtspielen.

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Nach der 0:3-Klatsche bei Juventus Turin könnte der FC Chelsea der erste Titelträger der europäischen Königsklasse werden, der in der Gruppenphase scheitert.

Falls Juve am letzten Spieltag in Donezk punktet. Chelsea hat sein Schicksal nicht mehr in der eigenen Hand.

Und wenn Roman Abramowitsch eines hasst, dann das Gefühl von Ohnmacht...

Der Nachfolgeplan ist anrüchig schnell ausgearbeitet. Rafa Benitez soll die Blues für den Rest der Saison übernehmen und im nächsten Sommer hofft man auf Pep Guardiola als starken Mann an der Stamford Bridge.

Schon daran ist zu erkennen: Di Matteo hatte beim russischen Oligarchen nie eine echte Chance. Nur widerwillig und nach langem Zögern hatte Abramowitsch im Sommer den Vertrag als Chefcoach ausgearbeitet.

Weil man einen Champions-League-Sieger-Trainer eben nicht entlässt. Und nicht aus Überzeugung.

Die Siege über Napoli, Barca und die Bayern hatten zuviel Irrationales. Späte Belohnung für das Karrierewerk der Drogbas, Terrys und Lampards. Eine Art Eiswein. Die Ernte erst gepflückt, als die Trauben fast verdorben waren.

Der Anteil des Trainers ging völlig unter.

Der Mann, der Abramowitschs Lebenstraum erfüllte, war nicht der, der er sein sollte. Di Matteo war nicht der erträumte blonde Prinz auf dem schneeweißen Schimmel. Er erschien eher wie ein Glücksritter, der beim ersten Besuch im Casino die Bank sprengt.

Der überfällige Neuaufbau der Mannschaft wurde Di Matteo zwar übertragen, doch unter den stets mitschwingenden Schatten der Vergangenheit und Zukunft - Mourinho und Guardiola - hatte der Italiener nie eine echte Chance.

Trotz all des finanziellen Backgrounds und der bevorstehenden Verpflichtung eines Radamel Falcao wird es Chelsea schwer haben, in den nächsten Jahren wieder ein Champions-League-Finale zu erreichen.

Damit stehen sie auf der Insel nicht alleine. Arsenal und Liverpool sind momentan weit weg von europäischem Spitzenformat. Manchester City hat immer noch zu wenig gewachsene Strukturen. Und auch Manchester United hat die Nachfolge der alternden Ferdinand, Giggs und Scholes noch nicht gelöst.

Dass eine Durchschnittsmannschaft wie West Bromwich Albion nach 12 Spieltagen auf Rang 4 der Tabelle liegt, ist auf den ersten Blick zwar eine schöne Überraschung. Bei tieferer Betrachtung allerdings ein Alarmzeichen in Hinblick auf das nachlassende Niveau in der Premier League.

Aber was sollen wir uns Sorgen machen um den FC Chelsea. Der hat ja Kohle genug.

Wir wünschen Roberto Di Matteo in Zukunft einen Verein, in dem man mit echtem Vertrauen hinter ihm steht. Damit er beweisen kann, dass das Chelsea-Märchen im Mai eben doch kein purer Zufall war. Und damit er nicht irgendwann als skurrile Millionenfrage in der Redaktion einer Quizshow landet.

Euer Uwe Morawe

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