Louis van Gaal ist seit Juli 2014 Trainer von Manchester United
Louis van Gaal war von 2009 bis 2011 Trainer bei Bayern München © Getty Images

Er habe Robben ausgewechselt, um dem FCB einen Gefallen zu tun, sagt der Trainer. Huntelaars Ausbootung dürfte für Ärger sorgen.

Amsterdam - Das Herz von Louis van Gaal schlägt eben doch noch für den Rekordmeister.

"Ich wollte meinem FC Bayern helfen", kommentierte der Bondscoach der niederländischen Nationalmannschaft nach dem 0:0 gegen Deutschland (Spielbericht) mit einem Lächeln die Auswechslung des Münchner Stars Arjen Robben zur Pause. ( 639285 DIASHOW: Bilder des Spiels )

Zu diesem Zeitpunkt war einem anderen Bundesliga-Profi das Lachen längst vergangen. ( 639390 DIASHOW: Die Einzelkritik )

Die Ausbootung von Klaas-Jan Huntelaar dürfte dem früheren Bayern-Coach in den kommenden Tagen noch mehr Ärger bereiten als seine jüngste Verbal-Attacke gegen seinen Ex-Boss Uli Hoeneß.

"War eine taktische Idee"

"Das Gespräch mit ihm war schwierig, aber es bleibt unter uns. Wenn er zu Hause ist, wird er hoffentlich einsehen, warum ich ihn nicht eingesetzt habe", sagte van Gaal, der den Bundesliga-Torschützenkönig von Schalke 04 trotz des Ausfalls seines großen Konkurrenten Robin van Persie (Manchester United) 90 Minuten auf der Bank schmoren ließ:

"Das war eine taktische Idee. Und die Position war Dirk Kuyt wie auf den Leib geschrieben."

Ob Huntelaar die Maßnahme des Trainers, der neben van Persie unter anderem auch auf Kapitän Wesley Sneijder verzichten musste, wirklich einsieht, darf bezweifelt werden.

Kuyt spielt unauffällig

Schließlich spielte Kuyt in dem insgesamt müden Kick vor 51.000 Zuschauern in Amsterdam, der ohne den Hauch der Rivalität früherer Tage über die Bühne ging, gänzlich unauffällig.

Spätestens nach einer Stunde wäre die Einwechslung Huntelaars eigentlich fällig gewesen.

Doch nicht nur van Gaals Umgang mit Huntelaar könnte dem Bondscoach, dessen erste Amtszeit 2002 mit der verpassten WM-Qualifikation zu Ende gegangen war, noch bitter aufstoßen.

Äußerung sorgt für Unmut

Eine Äußerung des 61-Jährigen dürfte ebenfalls für Unmut in den Niederlanden sorgen.

"Ich habe auch bei den Bayern immer so gespielt, nur etwas höher. Das ist eben der Unterschied zwischen einer sehr guten und einer nicht ganz so guten Mannschaft", antwortete van Gaal auf die Frage, warum sein Team so defensiv gespielt habe.

Dass van Gaal seine eigene Elftal als eine "nicht ganz so gute" Mannschaft bezeichnet, hören die Fans im Land des dreimaligen Vize-Weltmeisters sicher nicht gern - trotz des Vorrunden-Aus und des 1:2 gegen die Deutschen bei der zurückliegenden EM.

Robben spricht von Entwicklungsphase

Immerhin erhielt der Coach, der nach der EM-Endrunde die Nachfolge von Bert van Marwijk angetreten hat, Unterstützung von seinem Star.

Auch Robben sieht Oranje trotz der vier Siege in den bisherigen vier WM-Qualifikationsspielen in der Findungsphase.

"Das Spiel war ganz wichtig für die Mannschaft, denn wir sind in einer Phase der Entwicklung. Wir können solche Spiele gut gebrauchen", äußerte der Bayern-Profi, für den das Fehlen von neun deutschen Leistungsträgern keine Rolle gespielt hat:

"Man kann nicht von der B-Mannschaft reden. Da war immer noch sehr viel Qualität auf dem Platz."

Wichtiger Schritt für van Gaal

Die Qualität in ihrem eigenen Spiel ließen die Gastgeber vor allem in der ersten Hälfte vermissen.

"Wir haben uns nicht getraut, anzugreifen. Deutschland war dominant und hat uns vom Feld gespielt. In der zweiten Halbzeit haben wir es besser gemacht. In den letzten 20 Minuten waren wir fast so dominant wie die Deutschen in der ersten Hälfte", sagte van Gaal:

"Das war ein wichtiger Schritt in meinem Prozess."

Van der Vaart muss nicht im DFB-Trikot trainieren

Robben analysierte die Partie, die von der heimischen Presse in erster Linie als langweilig bezeichnet wurde, ähnlich.

"Wir haben in der ersten Hälfte zu wenig Initiative gezeigt, in der zweiten Halbzeit war es besser. Das Remis ist das richtige Ergebnis", sagte der 28-Jährige, dessen Teamkollege Rafael van der Vaart am Mittwochabend wohl einer der glücklichsten Profis war.

Schließlich hätte der Spielmacher des Hamburger SV, der eine Wette mit seinem Klubkollegen Rene Adler laufen hatte, im Fall einer Niederlage in den kommenden Tagen im deutschen Trikot trainieren müssen.

Weiterlesen