1982 setzte sich Aston Villa gegen den FC Bayern die europäische Fußballkrone auf. Heute trennen die beiden Klubs Welten.

Jetzt mal ehrlich: Sagt Ihnen der Name Peter Withe etwas? Trainer Tony Barton, Spielmacher Gordon Cowans oder Kapitän Dennis Mortimer?

Wir reden über die wohl unbekannteste Mannschaft, die je die Champions League gewann. Auch wenn es damals noch Europapokal der Landesmeister hieß.

Vor 30 Jahren war Aston Villa auf dem Fußballthron Europas.

Der Gegner am 29. Mai 1982 hieß Bayern München. Der Goldene Torschütze in der 67. Minute Peter Withe. Heute trennen diese beiden Clubs Welten. Sportlich und wirtschaftlich.

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Im abgelaufenen Geschäftsjahr mußte Aston Villa ein Minus von über 50 Millionen Euro verkünden. Die Mannschaft ist ausgedünnt, der Kader kaum erstligareif. Trainer Paul Lambert machte letzte Woche den Felix Magath und sich selbst lächerlich: Striktes Mützen- und Handschuhverbot beim Training! Es herrschten elf Grad Außentemperatur in Birmingham?

Es scheint, als habe ein ganzer Fußballverein den Überblick verloren.

Und sie haben sich an den Falschen rangeschmissen. Eigentümer Randy Lerner hat ein verheerendes Faible für Loser-Teams. Sein anderer Club, die Cleveland Browns, hat als einziger in der NFL die Playoffs seit zehn Jahren stets verpasst. Dummerweise war der junge Randy genau 1982 zum Studieren in England, Aston Villa schlug die Bayern durch Peter Withe mit 1:0?

Dieser Randy Lerner ist eigentlich gar kein übler Typ. Wirklich sportbegeistert und nicht nur Falkenjagd. Aber im Gegensatz zu den neuen Herrschern im europäischen Fußball aus dem vorderen Orient ist Lerner eben nur superreich und nicht supersuperreich.

Mit Platz 785 auf der Forbes-Liste und geschätzten 1,5 Milliarden Dollar Vermögen kannst Du gegen einen Abramowitsch oder das Königreich Katar nicht anstinken. Da hat der Hopp aus Hoffenheim ja schon dreimal mehr.

Die Amis und Westeuropäer sind halt auf dem absteigenden Ast. Früher bauten die Sportwagenhersteller aus Europa ihre Nobelkarossen für Hollywoodschauspieler. Heute richten sie sich an Vollprolls im Scheichgewand und usbekische Ölbarone.

Die merken nicht, dass ihr Blinker in ihrem 800-PS-Geschoss der selbe ist wie in einem VW Passat. Dafür kaufen Sie bei der FIFA eine ganze WM ein, träumen vom Champions-League-Finale Abu Dhabi Manchester gegen Katar St.Germain und fragen sich beim Betrachten der eingravierten Siegernamen des berühmten Henkelpokals: 1982 Aston Villa, wo zum Teufel liegt Aston Villa?

Euer Uwe Morawe

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