Lebenszeichen von Marko Marin: Nach dessen Kurzeinsatz für Chelsea macht sich Uwe Morawe Gedanken über die Hintergründe des Wechsels.

Candle Night Dinner auf der Dachterrasse in St.Tropez, mit Gespielinnen auf der eigenen Yacht durch die Karibik cruisen, bei der Oscar-Verleihung in der 1. Reihe hocken...

Die meisten Leute machen sich ein völlig falsches Bild vom Leben der Superreichen.

Denn das wird vor allem durch eines bestimmt: Stress. Stress, möglichst wenig Steuern zu zahlen!

Das vermaledeite Vermögen wirft unweigerlich soviel Zins ab, dass die Roman Arbramowitschs dieser Welt permanent auf der hektischen Suche nach Abschreibungsmöglichkeiten sind, damit dem Fiskus nichts übrig bleibt.

Mittlerweile hat der Umsatz der Steuerumgehungs-Industrie ähnlich hohes Niveau erreicht wie die dadurch nicht gezahlten Steuern.

Denken Sie bitte nicht zu genau darüber nach...

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Bewusste Fehlinvestitionen sind also heiß begehrt, allerdings müssen sie bei den Behörden wasserdicht belegt werden.

Und schon sind wir bei Marko Marin!

8,5 Millionen Euro Ablösesumme für Marko Marin!

Da hat kein noch so missmutiger Finanzbeamter irgendwelche Fragen mehr. Kann komplett abgeschrieben werden, drohender Totalverlust!

Mir persönlich ist schleierhaft, wie ein Offensivspieler, der noch nie mehr als vier Saisontore erzielte, dem Champions-League-Sieger tatsächlich weiterhelfen könnte.

Außer als Abschreibungsmodell, um die erhofften Marktwertsteigerungen der ernsthaft verpflichteten Neuzugänge wie Eden Hazard gegenzurechnen.

Der moderne Fußball ist kompliziert geworden. Der Fußballer selbst aber denkt oft noch genauso einfach wie früher.

Euphorisiert von seinem bevorstehenden Vereinswechsel tat Marko Marin im Mai kund, dass er im Champions-League-Finale natürlich Chelsea und nicht dem FC Bayern die Daumen drücke.

Das brachte ihm aber weder in Deutschland besonders viele Sympathiepunkte noch in England, wo Anbiederei seit Jahrhunderten nicht gut ankommt...

Während uns bunte Bilder von Podolski und Mertesacker bei Arsenal erreichen, wissen wir bei Marin nicht einmal, ob er am Flughafen abgeholt wurde.

Wir wissen nicht einmal, ob der - ja - 16-malige Nationalspieler überhaupt in London gelandet ist.

Fast konnte man den Eindruck gewinnen, als gebe es über das Leben der Steinzeitmenschen mehr konkrete Belege als über die Marin'sche Existenz bei Chelsea.

Klickte man den vermeintlichen Neuzugang auf der offiziellen Homepage an, erschien bis vor zwei Wochen: "this site is under construction".

Die Portraits von namhaften Mannschaftskollegen wie Cesar Azpilicueta oder Lucas Piacon waren problemlos einsehbar.

Mittlerweile hat das ein fleißiges Bienchen an der Stamford Bridge auch bei Marko Marin nachgeholt.

Die letzte Vereinsnews über das Dribbelwunder aus Germany stammt vom 20.Juli, seitdem - Stille.

Immerhin machte er nach überstandenem Muskelfaserriss im August am Dienstag mal wieder von sich reden, als er im Capital One Cup gegen Wolverhampton nach einer Stunde eingewechselt wurde und am 6:0 beteiligt war.

Dennoch: Die Zwölf-Monats-Perspektive von Marko Marin scheint offensichtlich: Kaum Einsätze, Ausleihgeschäft im Sommer an einen kleineren Klub, begleitet mit den Standardphrasen wie "Kein Rückschritt, sondern ein Neuanfang" usw.

Vor gerade mal drei Jahren meinten viele, Marin besitze größeres Talent als Mesut Özil. Mann, ist da was schiefgelaufen.

Momentan ist Marko Marin von der Nationalmannschaft genauso weit weg wie Lukas Sinkiewicz oder Clemens Fritz.

Eben nicht mehr als ein einkalkuliertes Verlustgeschäft von Roman Abramowitsch...

Euer Uwe Morawe

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