Der FC Sion gewann bisher zwei Mal die Schweizer Meisterschaft © imago

Sion hält trotz 36 Punkten Abzug die Klasse, muss aber nun ein Nachspiel befürchten. Nicht der einzige Skandal in der Schweiz.

Köln - Die wohl kurioseste Saison des Schweizer Fußballs geht in die Verlängerung, die unendliche Geschichte des FC Sion ist noch nicht beendet.

Trotz des kaum für möglich gehaltenen Klassenerhalts muss der wegen des Abzugs von 36 Punkten in die Schlagzeilen geratene Schweizer Erstligist ein Nachspiel am Grünen Tisch fürchten. Wieder einmal.

Zwar schaffte der Klub des streitlustigen Präsidenten Christian Constantin in der Relegation gegen den FC Aarau den Nichtabstieg, doch der Zweitligist spielte die beiden Begegnungen nur unter Protest.

"Haben unter Protest gespielt"

"Diese Relegation ist nicht regulär. Das ist eine politische Angelegenheit. Deshalb haben wir unter Protest gespielt", sagte Aaraus-Trainer Rene Weiler.

Dabei gaben sich die Aarauer aber mit einem Protest nicht zufrieden, gleich zwei vermeintliche Fehler beanstandete der Außenseiter.

Nach Ansicht des Klubs hätte man gar nicht gegen Sion, den sportlich drittstärksten Verein, antreten dürfen.

Lediglich die öffentlichkeitswirksamen 36 Punkte Abzug wegen Verstoßes gegen FIFA-Regularien sorgten dafür, dass der Klub aus dem Kanton Wallis auf dem vorletzten Platz lag und nicht das sportlich zweitschlechteste Team.

Serey trotz Roter Karte spielberechtigt

Zudem war Sions Mittelfeldspieler Geoffrey Serey in den entscheidenden beiden Begegnungen spielberechtigt.

Dieser hatte Anfang Mai zwar einen Balljungen geohrfeigt und war für acht Spiele gesperrt worden, doch der Einspruch des Erstligisten gegen die Strafe wird erst nach der Saison verhandelt.

Der ivorische Übeltäter durfte auflaufen und gab beim 3:0 im Hinspiel zwei Vorlagen.

Ein 1:0 im Rückspiel reichte Aarau nicht. Einen Einspruch eines anderen Vereins gegen eine später erteilte Rote Karte hat die Swiss Football League übrigens schon verhandelt.

"Ich spiele, wenn man es mir sagt"

"Dass der Einspruch erst in der neuen Saison verhandelt wird, ist unglaublich", sagte Weiler. "Die Liga hat mir erlaubt zu spielen. Und ich spiele, wenn man es mir sagt. Der Rest ist nicht mein Problem", sagte Serey.

Irgendwie passt das zu erwartende Nachspiel aber zu der abgelaufenen Spielzeit, die nicht arm an Kuriositäten war.

Erst der Punktabzug für Sion verhinderte, dass die FIFA den gesamten Schweizer Fußballverband (SFV) aus allen internationalen Wettbewerben ausschloss.

Ausschluss wegen unzulässig verpflichteter Spieler

Sion war im Sommer 2011 wegen des Einsatzes von unzulässig verpflichteten Spielern im Europa-League-Qualifikationsspiel gegen Celtic Glasgow aus dem "kleinen" Europacup ausgeschlossen worden.

Sion hatte das Transferverbot allerdings als rechtswidrig erachtet und auf mehreren Ebenen - auch zivilrechtlich - gegen die UEFA prozessiert.

Dass der Verein überhaupt in die Relegation kam, lag an einem weiteren Skandal.

Lizenzentzug für Neuchatel

Wegen Verdachts auf Dokumentenbetrug war Xamax Neuchatel die Lizenz entzogen worden, der letztjährige Pokalfinalist stand als einziger Direktabsteiger fest.

Der damalige Xamax-Präsident Bulat Tschagajew, Vertrauter des früheren tschetschenischen "Warlords" und heutigen Präsidenten der Teilrepublik, Ramsan Kadyrow, wurde am 26. Januar verhaftet.

Erst am vergangenen Freitag kam er aus der Untersuchungshaft frei, die Untersuchung wegen "ungetreuer Geschäftsführung" geht aber weiter.

Mindestens sechs Millionen Euro Schulden?

Zuvor hatte ein Schweizer Gericht wegen Verdunklungsgefahr eine vorzeitige Entlassung abgelehnt. Mindestens sechs Millionen Euro Schulden sollen nach Ende der Amtszeit in den Xamax-Büchern stehen.

Tschagajew hatte aber auch im sportlichen Bereich verbrannte Erde hinterlassen.

Nach zwei Niederlagen zu seinem Einstand feuerte er im Handstreich sämtliche Mitarbeiter der Geschäftstelle, dazu den kompletten Trainerstab, den Sportdirektor und den von ihm eingesetzten Präsidenten. Wohlgemerkt nach zwei Spielen.

Fünf Trainer in fünf Monaten lautete seine Bilanz.

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