FIFA-Präsident Joseph Blatter ist aktuell in seiner vierten Amtszeit © APA (epa)

Blatter bringt an einem "historischen Tag" weitreichende Reformen auf den Weg. Eine Spielerversicherung wird eingeführt.

Budapest - Präsident Joseph S. Blatter hat das durch diverse Schmiergeldskandale in den letzten anderthalb Jahren in Seenot geratene FIFA-"Schiff" weiter auf Reformkurs gebracht.

Auf dem 62. Kongress des Fußball-Weltverbandes in Budapest wurde das Erneuerungsprogramm des 76 Jahre alten FIFA-Bosses mit überwältigender Mehrheit (96 Prozent Zustimmung) abgesegnet.

Gleiches gilt für die längst überfällige weltweite Spielerversicherung, die den Klubs als Arbeitgeber im Falle von Verletzungen der Profis in internationalen Spielen zugute kommen soll.

Satte 75 Millionen US-Dollar lässt sich die FIFA die Versicherung für den Zeitraum 1. September 2012 bis 14. Dezember 2014 kosten.

"Ein historischer Tag"

Blatter war nach unzähligen Skandalen und Affären sowie teilweise lebenslangen Sperren für Spitzenfunktionäre bemüht, in der ungarischen Hauptstadt Aufbruchstimmung zu verbreiten.

"Das ist ein historischer Tag. Ich bin ein glücklicher Präsident. Wir haben einen großen Schritt vollzogen. Ich habe die FIFA mit einem Schiff verglichen, das sich in stürmischer See befand. Wir werden das Schiff am Ende des Kongresses wieder auf Kurs gebracht haben, in den sicheren Hafen und in ruhiges Gewässer führen", sagte der Schweizer und appellierte an das Wir-Gefühl der Delegierten der 208 anwesenden Mitgliedsverbände: "Wir sind stark!"

Zwanziger unterstützt Blatter

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger als Chef der Statutenrevisions-Kommission leistete einen maßgeblichen Beitrag am Reformkurs Blatters.

Dazu gehört unter anderem die Neuerung, dass künftig bei WM-Vergaben nicht mehr das Exekutivkomitee, sondern der Kongress die Entscheidung fällt.

Die umstrittenen WM-Vergaben 2018 (Russland) und 2022 (Katar) hatten die FIFA im Dezember 2010 in die Bredouille gebracht.

Zwanziger ist dabei durchaus gewillt, auch in Zukunft selbst unpopuläre Entscheidungen durchzusetzen.

So ist die Einführung einer Altersgrenze von 72 Jahren auf den Weg gebracht, FIFA-Präsidenten sollen zudem künftig nur noch für maximal zwei Amtszeiten (a vier Jahre) gewählt werden dürfen. Blatter befindet sich zurzeit in seiner vierten Amtszeit.

Forderung nach Transparenz

Auch die Regelhüter des Internationale Football Association Board (IFAB) sollen sich laut Zwanziger "für die moderne Zeit öffnen, der IFAB muss transparenter werden."

Der 66-Jährige denkt an eine veränderte Zusammensetzung: "Die muss breiter werden."

Bislang kann die Fußball-Kommission der FIFA unter Leitung von Franz Beckenbauer lediglich Vorschläge an den IFAB unterbreiten, ohne selbst Einfluss zu haben.

Kampf um Glaubwürdigkeit

Um für mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit zu sorgen, wird außerdem die Verbandsjustiz verstärkt.

Dabei sollen aktuelle, aber auch Fälle aus der Vergangenheit aufgearbeitet werden. Neu ist die Einführung von zwei unabhängigen Kammern (Ermittlung und Rechtssprechung) in der Ethikkommission.

Das unabhängige Governance-Komitee IGC ist für die Überwachung des Reformkurses zuständig. "Picken sie nicht Rosinen aus dem Menü", sagte IGC-Chef Mark Pieth und forderte die Delegierten auf, das Reformpaket möglichst umfassend umzusetzen.

"Wir sind auf dem richtigen Weg", meinte Blatter, der den überfälligen Erneuerungsprozess der FIFA in 2013 auf dem nächsten Kongress in Mauritius abschließen will.

Erste Frau in der FIFA

Das Exekutivkomitee, die Regierung des Weltfußballs, wurde schon teilweise mit einigen neuen Gesichtern bestückt.

In Lydia Nsekera (Burundi) rückte erstmals in der 108-jährigen FIFA-Geschichte eine Frau in das Exko. Allerdings gibt es immer noch Exko-Mitglieder, die nicht unumstritten sind.

Hier ist der Selbstreinigungsprozess noch nicht abgeschlossen.

Spielerversicherung beschlossen

Der Kongress in Budapest war indes von großer Einmütigkeit geprägt. Abstimmungen mit Mehrheiten weit über 95 Prozent waren die Regel. Überfällig war die FIFA-Spielerversicherung, die von den Klubs schon seit langer Zeit gefordert worden war.

Zugrundegelegt wird das fixierte Jahresgehalt des Spielers, die Versicherungs-Höchstsumme pro Spieler, die an den Verein gezahlt wird, ist mit 9,7 Millionen US-Dollar gedeckelt.

Die Kosten der FIFA für die Versicherung beläuft sich auf 75 Millionen US-Dollar.

FIFA mit Milliardenverträgen

Für den Weltverband ist es kein Problem, diese Summe aufzubringen. Schließlich belaufen sich die Rücklagen mittlerweile auf 1,293 Milliarden US-Dollar. Für die WM 2018 wurden schon Verträge für 2,3 Milliarden US-Dollar abgeschlossen.

"Wir sind nicht sehr reich, aber abgesichert", sagte Blatter bescheiden, gab allerdings auch zu: "Fußball ist ein großes Geschäft geworden. Das Geld ist der Nerv des Krieges."

Um im Bild zu bleiben: In Budapest hat Blatter eine Schlacht geschlagen, aber den Krieg noch nicht gewonnen!

Weiterlesen