Manchester City entreißt dem Stadrivalen in letzter Sekunde den Titel. Uwe Morawe arbeitet die Geschehnisse auf.

"44 years just waiting for a chance - to win a major trophy, give silverware a glance - for 44 years w'´ve been living next door to City. - City, who the f#ck is city?!"

Manche Songs sind nicht tot zu kriegen. Wie die Kakerlaken.

Über Jahrzehnte brauchten die Fans von Manchester United von Saison zu Saison lediglich die Zahl um eins erhöhen, schon war die alte Smokie-Schmachtnummer mit Inhalt gefüllt und der Lokalrivale geschmäht.

Es hat sich ausgegassenhauert.

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Dieses Saisonfinale der Premier League war einer der magischen Momente im Fußball.

Im Publikum nicht nur ManCitys Meisterschaftself von 1968, sondern auch der legendäre deutsche Torwart Bernd Trautmann.

Aufgeführt wurde eine vollkommene Parodie auf den dramatischsten Moment in der Vereinsgeschichte des Lokalrivalen Manchester United.

Die 90 Minuten und entscheidenden 90 Sekunden von Barcelona 1999 wurden nachgespielt, nur mit umgekehrten Vorzeichen.

Bis zur Nachspielzeit lag Manchester City gegen QPR hinten. Ballbesitz 81 Prozent, Torschussverhältnis 42 zu 3, Spielstand 1 zu 2.

Mit dem 43. Versuch der Ausgleich durch Edin Dzeko. Synonym für Citys lange Leidenszeit. 43 Jahre nach dem letzten Meisterschaftsgewinn hatte man 2011 immerhin den FA-Cup geholt.

Schöne Sache, doch noch nicht das, was man eigentlich wollte. Wie Dzekos Ausgleich.

Es folgte Torschuss Nummer 44 durch Aguero. Exakt ein Torschuss für jede einzelne Saison des Wartens bis zum Moment der Erlösung. 44 just years waiting for a chance...

Mit den 90 Sekunden vom Sonntag schließt sich nicht nur für Manchester City ein Kreis, sondern auch für den diesmal kleinlauten Nachbarn Sir Alex Ferguson.

Bis zum Original, den 90 Sekunden gegen Bayern München, war Ferguson ein Jäger: es seinem Vorbild Matt Busby gleichtun - den Henkelpokal ins Old Trafford holen.

Danach verkörperte Sir Alex 13 Jahre am Stück die Rolle des Champions, des ewigen Titelverteidigers. United umgab seit Barcelona 1999 die Aura der Unverwundbarkeit.

Selbst wenn andere wie Arsenal oder Chelsea den Titel holten, beschlich einen stets das Gefühl: ausgeliehen, alles nur ausgeliehen.

Am Ende hat ManUnited doch den längeren Atem und holt sich, was Ferguson zuzustehen scheint.

Seit vergangenem Sonntag ist dieser Nimbus gebrochen.

Ferguson ist auf einmal wieder der Herausforderer. Der alte große Mann wird diese Rolle mit Leidenschaft und prall gefüllter Brieftasche anpacken.

130 Millionen Euro stehen ManUnited für Neueinkäufe zur Verfügung. Die größte Investitionswelle der Vereinsgeschichte steht bevor. Mit frischen Kräften in den Revanche-Kampf!

Auch Arsenal, Chelsea und Liverpool werden mächtig aufstocken. Denn mit dieser Premier-League-Saison war nur ein Spitzenteam zufrieden: Manchester City.

Beim neuen Champion darf man gespannt sein, ob er seine dritte Meisterschaft der Vereinsgeschichte besser verarbeitet als die beiden zuvor.

Nach dem Titelgewinn 1937 erzielten die Citizens auch in der Folgesaison 37/38 die meisten Tore der Liga. Und stiegen trotzdem als Meister ab. Respekt, schafft nicht jeder!

Und der Meistercoach von 1968 wurde entsorgt wie einst die Abfälle in Bitterfeld.

Der große Joe Mercer hatte City 1966 zum Aufstieg geführt, dann Meister geworden, 1969 noch den Pokal geholt und '70 den Europapokal der Pokalsieger plus Ligapokal. Vier Titel in drei Jahren.

Eines Tages kam Mercer in der Saison 70/71 nichtsahnend aufs Trainingsgelände. Sein Parkplatz vom Auto seines Nachfolgers besetzt, das gesamte Mobiliar des Trainerzimmers im Hof als Sperrmüll gestapelt.

Die Entlassungspapiere wurden mit der Post zugeschickt.

Also, Roberto Mancini. Immer schön aufgepasst, wer hinter der nächsten Tür sein Liedchen trällert...

Euer Uwe Morawe

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