"Ibras" vampireskes Haar und vogelgleicher Bart erinnern Uwe Morawe an die Sesamstraße, sein Ego erstaunt.

Die Haare vampiresk streng nach hinten gezogen, der Spitzbart vogelgleich in den Wind gestellt. Das modische Vorbild von Zlatan Ibrahimovic heißt Graf Zahl aus der Sesamstraße.

"Ich wollte in dieser Saison etwas gewinnen. Ich spiele auf exzellentem Niveau. Ich habe Großartiges geleistet!"

Nun, liebe Kinder: nicht einmal, nicht zweimal, sondern gleich dreimal beginnt dieses menschgewordene Personalpronomen seine kurzen Sätze mit "Ich!".

Grammatikalisch korrekt, inhaltlich fragwürdig.

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Warum nur hat sich solch Egozentriker in eine Mannschaftsportart verlaufen? An Ibrahimovic ist eine würdige Nr.1 im Tennis verloren gegangen ...

Seine phänomenale Serie von acht Meistertiteln in Serie ist gerissen. Sie war allerdings eher ein Produkt geschickt getimter Vereinswechsel als eine herausragende persönliche Leistung.

Natürlich ist Ibrahimovic ein mit Talent gesegneter Fußballer, doch der selbsternannte Superstar hat es noch nie geschafft, mit all seinen Topvereinen auch nur ein Champions-League-Finale zu erreichen. Zufall?

Wo war Ibrakadabra in dieser Saison in den entscheidenden Spielen gegen Juve und Barca? Nun denn, die Null ist strenggenommen keine Zahl ...

28 Ligatore gegen zumeist kleinere Gegner nutzen nichts, wenn man zu oft in den Spiegel schaut. Das obige Zitat von Ibrahimovic belegt: Der AC Mailand ist nicht trotz sondern gerade wegen seines Superstars titellos geblieben.

So geht unser Glückwunsch an Juventus Turin. In erster Linie an Alessandro Del Piero für einen würdigen Abschluss einer großen Karriere und an Trainer Antonio Conte.

Selbstredend ist auch diesen beiden der Blick in den Spiegel nicht fremd. Wie auch als Italiener?

Trainer Conte ließ sich sich vor Jahren einen kompletten Flokati auf die Glatze tackern, um in eins, zwei, drei Jahrzehnten oben rum noch so auszusehen wie Otto Rehhagel.

Doch von Eitelkeit und Egotrip keine Spur. Conte hat den alten Juve-Geist wiederbelebt.

Dieser Verein war von jeher ein Glaubensbekenntnis. Katholisch und nach strikten Abläufen einer italienischen Familie.

Bekennst Du Dich zu ihr, wird dir Wärme und Unterstützung gegeben. Das Verhältnis zu den Außenstehenden war Juventus stets egal. Halbbekennende sind Ungläubige.

Nahezu alle Weltvereine wie Real, Barca, ManUnited, Liverpool, Milan und Bayern haben den Anspruch, von möglichst vielen gemocht zu werden. Allein schon, um auch in Asien und Amerika Trikots zu verkaufen. Juve dagegen wollte nicht überall beliebt sein, sondern gefürchtet.

Das begann in den dreißiger Jahren, als Luis Monti - Spitzname "Das Pferd" - mehr Knochen brach als Tore schoss. Diese Linie führten Claudio Gentile und der heutige Trainer Antonio Conte fort.

Selbst das Verhältnis zu den Topstars war ein anderes als anderswo. Juventus schmückte sich nie mit Namen wie Platini, Zidane oder Del Piero, um galaktische Zeiten zu verkünden. Nein, in Turin hatten sich diese Künstler in den Dienst des Vereins zu stellen. Das wurde ihnen spätestens beim festen Händedruck mit einem der Agnellis klar gemacht.

Das Verdienst von Antonio Conte ist es, diesen strengen Grundcharakter des Klubs wieder herausgearbeitet zu haben. Nach Aufstiegen mit Bari und Siena gelang ihm gleich im ersten Jahr bei Juventus der Sprung von Sieben auf Eins. Da steht eine große Trainerkarriere ins Haus.

Mit solchen Typen gewinnt man irgendwann die Champions League - und nicht mit Graf Zahl...

Euer Uwe Morawe

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