Franco Foda bestritt insgesamt 321 Bundesligaspiele und erzielte dabei 20 Tore © getty

Der Ex-Nationalspieler hat mit Sturm Graz alle Titel in Österreich gewonnen und will nun nach Deutschland. SPORT1 hat ihn besucht.

Aus Graz berichtet Daniel Michel

Graz - 15 Jahre hat Franco Foda im österreichischen Graz als Spieler und Trainer Erfolge gefeiert, nun will der 46-jährige ein weiteres Kapitel in seiner Karriere aufschlagen.

"Ich bin bereit für eine neue Herausforderung", sagt der frühere deutsche Nationalspieler beim Treffen mit SPORT1 in Graz.

"Ganz gleich, ob in Österreich oder im Ausland, ich bin für alle Seiten offen", sagt Foda und betont:

"Es ist schon immer mein Ziel gewesen, mal als Trainer in der Bundesliga zu arbeiten."

Der Ex-Bundesligaprofi gilt weiter als Kandidat beim 1. FC Kaiserslautern, sollte sich der Absteiger von Krassimir Balakov trennen, und wird auch bei Austria Wien hoch gehandelt.

Überraschend beurlaubt

Foda hatte bereits vergangenen November angekündigt, seinen im Sommer 2012 auslaufenden Vertrag in Graz nicht zu verlängern.

Doch nach einer Pokal-Pleite beurlaubte ihn überraschend die neue Klubführung Mitte April.

"Wir hatten in der Meisterschaft noch die Chance, den Titel zu verteidigen", sagt Foda.

"Auch im Kampf um die Europa-League-Plätze lagen wir mit drei Punkten Rückstand noch gut im Rennen. Aber ein Trainer mit Ablaufdatum hat es eben schwerer", erklärt der gebürtige Mainzer.

"Trotz der Entlassung wird Sturm Graz immer in meinem Herzen bleiben", versichert Foda aber, der bei den Fans der "Blackies" Heldenstatus genießt.

Seit 1997 in Graz

Schließlich war er seit 1997 nach seinem Wechsel vom FC Basel in Graz aktiv, wo er direkt in der Premieren-Saison den ersten Meistertitel seit der Klubgründung 1909 holte.

"Es war unglaublich, was in der Stadt los war. Hunderttausend Grazer haben uns gefeiert, das werde ich nie vergessen", schwärmt der frühere Verteidiger noch heute.

1999 folgte der zweite Meister-Titel, dazu kamen zwei Pokal-Siege.

Abtritt mit 35 Jahren

Auch in Europa sorgte Graz für Furore und erreichte 2001 die zweite Gruppenphase der Champions League.

Nach der Saison trat Foda ab und startete mit 35 Jahren seine Karriere als Trainer im Nachwuchsbereich der Grazer.

"Diese Zeit war sehr wichtig für mich", ist er überzeugt, "ich konnte experimentieren und durfte Fehler machen".

Hospitant bei Wenger

Er leitete die Jugendakademie, hospitierte bei Arsene Wenger in London, bei Thomas Schaaf in Bremen, er ging nach Italien und in die Schweiz.

Heute will Foda Experimente aber vermeiden. "Die Profis brauchen klare Anweisungen, eine klare Philosophie", sagt er und betont: "Wenn es 0:0 steht, lasse ich auf Sieg spielen."

Nach einem kurzen Intermezzo 2003 erhielt Foda zur Saison 2006/07 seine zweite Chance als Chefcoach zu einer ungünstigen Zeit:

Graz meldet Konkurs an - Foda übernimmt

Im Verein herrschte Chaos, Sturm meldete Konkurs an und erhielt 13 Punkte Abzug.

Dennoch führte Foda die Steirer in der Zehner-Liga zum Klassenerhalt.

"Es war eine schwere Zeit, aber die junge Mannschaft hat diese Phase gut gemeistert", bleibt er bescheiden.

Danach ging es mit dem Klub steil bergauf, zunächst mit der Qualifikation für die Europa League.

2010 folgte der Pokal-Sieg - und 2011 kam der überraschende Triumph in der Meisterschaft.

Spieler rasieren Foda

Nach dem Titelgewinn stand Foda bei seinen Spielern, darunter auch sein Sohn Sandro, in besonderer Pflicht:

Noch im Stadion löste er sein Versprechen ein und ließ sich vor Spielern und Fans eine Glatze rasieren.

"Ich habe Wort gehalten", betont Foda und ergänzt: "Verbindlich zu sein - das verlange ich auch von meinen Spielern."

Knacks in Champions-League-Quali

Doch nach zahlreichen Abgängen scheiterte das Team in der Qualifikation zur Champions League knapp an Bate Borissov aus Weißrussland.

Dennoch ist seine erfolgreiche Arbeit in Österreich anderen Klubs nicht verborgen geblieben, mehrere Klubs machten ihm Angebote.

Auch als Chefcoach für den Posten des österreichischen Nationaltrainers war er ein heißer Kandidat.

"Die Konstellation war nicht einfach, aber ich bin Graz verbunden, da fällt ein Wechsel schwer", sagt Foda, der versichert: "Ich bin ein Trainer, der Verträge einhält."

Und über allem steht seine Familie. "Sie hat sich in Graz immer wohl gefühlt und ich wollte, dass meine Söhne ihre schulische Ausbildung hier abschließen."

Geduld für den richtigen Klub

Nun sondiert er aber den Markt. "Ich muss zum Verein passen - und der Verein zu mir. Ich nehme mir die Zeit, um den richtigen Klub zu finden", sagt Foda, der in den vergangenen Wochen zwei Anfragen aus dem Ausland abgelehnt hat.

Dass Foda oft auch in den Medien als Nachfolger eines entlassenen Trainers gehandelt wird, sieht er locker: "Ich werte es als Anerkennung für das, was ich in Graz geleistet habe."

In Deutschland hat er zu Funktionären Kontakt, mit denen er früher in der Bundesliga gemeinsam um Siege gekämpft hatte.

Zwei Mal DFB-Pokal-Sieger

Für Kaiserslautern, Saarbrücken, Bielefeld, Leverkusen und Stuttgart bestritt er zwischen 1983 und 1996 321 Bundesligaspiele, erzielte 20 Tore.

Mit Lautern und Leverkusen gewann er den DFB-Pokal.

"Nur über Kontakte wird man aber nicht Bundesliga-Trainer", sagt Foda, "man muss mit seiner Arbeit überzeugen."

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