Uwe Morawe über den Zusammenhang zwischen Manchesters Derby und Physik sowie das schwache Niveau der Premier League.

Manchester Uniteds Co-Trainer Mike Phelan ist ein kluger Mann. Selbstredend kennt er das zweite Newtonsche Gesetz:

"Die Änderung der Bewegung einer Masse ist der Einwirkung der bewegenden Kraft proportional."

Praktisch bedeutet dies: die Verformung einer Materie entspricht der aufgewendeten Energie.

Mike Phelan saß in der 70.Minute des Manchester-Derbys neben Sir Alex Ferguson. Der Sir war hochgradig erregt. Mike Phelan konnte sich seines Newtons sicher sein.

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So hörbar hatten die Kiefer des adeligen Trainers noch nie gemahlen, so hatte sich das Kaugummi in der Fergusonschen Mundhöhle noch nie verformt.

Ungeheure Kräfte wirkten auf den mit künstlichen Aromen angereicherten elastischen Hauptbestandteil Polyisobutylen.

Mike Phelan wusste genau, jetzt kein falsches Wort. Am besten gar kein Wort. Mike Phelan wurde zur Eidechse bei unter fünf Grad - nur nicht bewegen.

Als Ferguson kurz darauf mit ungesund verdickter Halsschlagader auf seinen Trainerkollegen Roberto Mancini losging, war der Chewing Gum atomisiert und Phelans Job fürs nächste Jahr gerettet.

Der schottische Bannstrahl hatte einen anderen getroffen. Mike Phelan hat Frau und Kinder und ist wahrlich ein kluger Mann.

Das vermeintliche Spitzenspiel war das passende neunzigminütige Konzentrat der gesamten Premier-League-Saison: unterm Strich eine Enttäuschung.

Emotionen ja. Spannung ja, sowohl in den einzelnen Spielen als auch in der Tabelle. Hohes Niveau nein.

Manchester United hätte mit einem Sieg den Meistertitel klar machen können.

Die früheren Ferguson-Teams wären bei dieser Konstellation rausgegangen mit der Einstellung: "Hey, wir sind ManUnited, wer seid eigentlich ihr?"

Davon keine Spur. Manchester United hatte in einem wichtigen Pflichtspiel nicht eine Torchance! Ich kann mich nicht erinnern, wann es das einmal gegeben hat.

Über die anderen Klubs müssen wir schon längst nicht mehr reden.

Die verfehlte Personalpolitik von Liverpool, der fehlgeleitete Jugendwahn bei Arsenal, der Einbruch in der Rückrunde in Tottenham, die monatelange Underperformance von Chelsea.

Die einzige Mannschaft, die die Meisterschaft halbwegs verdient hätte, ist spätestens seit Montag Manchester City.

Die Vereinspolitik muss man nicht mögen. Aber Respekt davor, wie Roberto Mancini die immensen Gelder und damit verbundenen Erwartungen mit ruhiger Hand managt.

Bei Typen wie Tevez und Balotelli ein exzellent bezahlter Dirty Job.

ManCity hat sich unter Mancini stetig weiter entwickelt, stellt mit Yaya Toure den vielleicht besten Spieler der Saison, doch der große Glanz kommt auch bei den "Citizens" zu selten auf.

Mäßige Auswärtsbilanz, dazu dürftige Auftritte in Europa - dieses Team hätte gegen Mourinhos Chelsea, gegen Arsenal von 1997-2006 und selbst gegen Liverpool unter Benitez wohl den Kürzeren gezogen.

Und nie war es in den letzten 20 Jahren einfacher, Manchester United hinter sich zu lassen.

Dass dies überhaupt passiert, ist trotz des Wechsels an der Tabellenspitze immer noch nicht sicher.

Sehr gut möglich, dass Manchester City am Sonntag in Newcastle patzt und dem Lokalrivalen die Tür wieder aufmacht.

Würde zu dieser Saison ohne echte Spitzenteams passen. Die 20. Meisterschaft wäre die schmutzigste in der Geschichte von Manchester United.

So what? Wenn die anderen zu blöd sind, selber Schuld. Ein großer Wurf gelingt nur dann, wenn man genügend Energie aufwendet. Zweites Newtonsches Gesetz.

Euer Uwe Morawe

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