Uwe Morawe deckt in seiner Kolumne ein kulinarisches Missverständnis in England auf. Für die Reds sieht er schwarz.

Sogar das Leben einer Spielerfrau ist ab und an voller Aufregung.

Am letzten Freitag veranstaltete Newcastle United einen afrikanischen Abend. Zwecks Integration der Neuzugänge Demba Ba und Papiss Cisse. Koch mir mal was vor, dann weiß ich, wer Du bist.

Die beiden Ehefrauen sagten den Termin im Nagelstudio ab und schwangen die Pfannen. Auf der Speisekarte natürlich das Nationalgericht des Senegal: Ceebu Yapp.

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Man mariniere Fleisch beliebiger Art ? in diesem Fall von der Westafrikanischen Zwergziege - schmore es mit Gemüse, vermenge es mit Reis, Geheimgewürze von Muttern dazu, lecker.

Fanden auch die europäischen Mitspieler sowie Trainer Alan Pardew. Nach dem souveränen 2:0 über Liverpool lobte der Coach nicht nur den Ex-Hoffenheimer Ba (16 Ligatore) und den früheren Freiburger Cisse (7 Treffer in 7 Spielen), sondern auch das glücksbringende Freitagsmahl: "Das Ziegencurry hat Cisse den nötigen Bumms für seine zwei Tore gegeben!"

Ziegencurry!

Da hing der senegalesische Haussegen aber mal schief. Für wen steht man stundenlang in der Küche? Ahnungslose britische Brut! Schon wird ein Gericht nicht mit Minzsauce überschwemmt, ist es Curry! Asien und Afrika fangen ja auch beide mit "A" an. Ceebu Yapp ist kein Curry!

Den armen Herren Fußballern blieb nur, kleinlaut die Siegprämie auszuhändigen. Der Termin im Nagelstudio wurde nachgeholt, danach ausgiebiges Shopping.

Dasselbe Hobby hat seit 15 Monaten auch der Trainer des Gegners vom Wochenende, Kenny Dalglish. Seit Januar 2011 hat King Kenny unfassbare Summen für Neuzugänge ausgegeben.

Geholt hat der Liverpool-Coach Charlie Adam, Jordan Henderson, Jose Enrique, Stewart Downing, Luis Suarez und Andy Carroll. Dieses Kabinett der Mittelmäßigkeit mußte mal namentlich aufgezählt werden. Es kostete 130 Millionen Euro Ablöse! Selbst Banken haben Schwierigkeiten, in so kurzem Zeitraum so sinnlos so viel Geld zu versenken?

Nach zuletzt 5 Niederlagen aus 6 Ligaspielen und dem Abrutschen auf Tabellenplatz 8 sucht man beim FC Liverpool nun den Sündenbock.

Womit wir wieder bei der Ziege wären. Der Begriff Sündenbock geht auf die sogenannte Beistellziege zurück. Seit Jahrhunderten angewandter Trick im Pferdestall. Warum auch immer hat das mäh-mähende Vieh eine beruhigende Wirkung auf nervöse und aggressive Gäule.

Dumm nur, dass die resistente Ziege Krankheitskeime mit sich herumschleppt, die ihr selbst nichts ausmachen, aber auf die sensibleren Pferde überspringen können. Daher Sündenbock!

Andy Carroll ist eine Beistellziege.

Für überzogene 40 Millionen Euro verpflichtet, sollte er die aufgescheuchten Liverpool-Fans nach dem Fernando-Torres-Verkauf beruhigen. Doch im Organismus der Mannschaft bildet Carroll einen echten Antikörper.

Nach der miesen Bilanz von 5 Toren aus 41 Premierleague-Partien nagelte Dalglish seinen Flop-Transfer öffentlich an die Wand. Sündenbock! Nach Carrolls katastrophaler Leistung beim Ex-Club Newcastle hatte der Trainer durchaus Argumente für seine Kritik am eigenen Stürmer. Doch der Coach wollte damit vor allem eins: ablenken.

Wer bitteschön hat denn Carroll verpflichtet? Dalglish hätte ja auch Demba Ba und Papiss Cissé holen können - und damit noch Geld gespart?

Der erfahrene Kenny weiß nur zu gut, dass es nicht mehr lange dauern wird, und der Fokus der Kritik wird sich auf ihn richten. Das Halbfinale im FA-Cup gegen den Stadtrivalen FC Everton (14.4. LIVE im TV auf SPORT1) wird zum Schicksalsspiel für Daglish.

Sollte er das verlieren, kommt er in den Häcksler, also, Ziegencurry nichts dagegen?

Euer Uwe Morawe

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