Spieler von Hapoel Ironi Kirjat Schmona bei einer Trainingseinheit © getty

Hapoel Ironi Kirjat Schmona gewinnt erstmals den Meistertitel in Israel. Damit schreibt der Verein ein kleines Fußballwunder.

München/Kirjat Schmona - In der Nacht auf Dienstag brannte über der israelischen Grenzstadt Kirjat Schmona wieder mal die Luft.

Doch anders als so oft in der Vergangenheit war es keine Hisbollah-Rakete aus dem nahen Libanon, die den Himmel erleuchtete, sondern ein Freudenfeuerwerk.

4000 Fans im Stadion von Hapoel Ironi Kirjat Schmona und mit ihnen viele der nur 23.000 Einwohner feierten das glückliche Ende eines unglaublichen Fußball-Märchens.

Hapoel, vor zwölf Jahren eigens gegründet, um die Leute von ihrem harten Los im Bombenhagel abzulenken, hat sich sensationell die israelische Meisterschaft gesichert.

"Diese Stadt hat so viele Bombardements über sich ergehen lassen müssen, so harte Zeiten erlebt. Diese Mannschaft ist wie ein Sonnenstrahl für die Leute", sagte Trainer Ran Ben Schimon nach dem 0:0 gegen Hapoel Tel Aviv, das bereits fünf Spieltage vor Ende der Meisterrunde für den Titel reichte.

Abuhatzira bester Torschütze

Stürmer Schimon Abuhatzira, mit 14 Treffern bester Torschütze von Kirjat Schmona, sprach vom "schönsten Augenblick" seiner Karriere.

"Wir haben so viele Hindernisse aus dem Weg geräumt, um das zu erreichen, so hart gearbeitet. Ich bin so glücklich, den Titel jetzt in der Hand zu haben." Als Izzy Scheratzky aus Tel Aviv vor mehr als einem Jahrzehnt in die Stadt kam, gab es Hapoel Ironi noch gar nicht.

Der Geschäftsmann, der mit GPS-Systemen zur Auffindung gestohlener PKW zum Millionär geworden ist, war so gerührt von der Tapferkeit der Menschen an diesem gottverlassenen Ort, dass er ihnen etwas Lebensfreude zurückgeben wollte.

Fusion zweier Klubs

Den Fußball sah er dafür als geeignetes Mittel an, und so fusionierte er die beiden lokalen Klubs zu einem neuen.

"Als Izzy herkam", erinnerte sich Geschäftsführer Yossi Edri dieser Tage, "hat er uns erzählt, dass wir irgendwann Meister sein und in der Champions League spielen würden. Ich dachte: 'Wer ist der Typ?' Wir hielten ihn für einen Irren."

Der Traum dieses Fußballverrückten ist nun Realität geworden. Mit dem Titel ist Hapoel Ironi jetzt nur noch zwei Qualifikationsrunden von der Gruppenphase der Königsklasse entfernt - dabei stieg der Verein erst 2007 zum ersten Mal in die oberste Klasse, die Ligat Ha'al, auf.

Neue Mannschaft mit lokalen Spielern

Nach dem Abstieg 2009 stellte Hapoel die Mannschaft nahezu ausschließlich mit lokalen Spielern neu zusammen, 2010 folgte der direkte Wiederaufstieg.

Im aktuellen Team, das auch den Toto-Pokal gewonnen hat, spielen nur vier Ausländer, darunter der Argentinier David Solari, Bruder von Santiago Solari, der einst für Real Madrid aktiv war.

"Glücklichste Mensch der Welt"

"Das ist mit die unglaublichste Meisterschaft der Geschichte. Ich bin der glücklichste Mensch der Welt", jubelte Angreifer Barak Badasch. Unglaublich auch, weil Hapoel als erst zweite Mannschaft seit 1991 die Dominanz der "Großen Vier" brach.

Von den vergangenen 21 Meisterschaften machten Titelverteidiger Maccabi Haifa (9), Beitar Jerusalem (5), Rekordmeister Maccabi Tel Aviv (4) und Hapoel Tel Aviv (2) 20 unter sich aus. Zuletzt war es Hapoel Haifa vor 13 Jahren gelungen, die Dominanz dieses Quartetts zu brechen.

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