Die Lage bei den abstiegsbedrohten Cottbus erinnert ans Schicksal anderer Ex-Ost-Bundesligisten. Ein Klub macht Hoffnung.

Der Abstieg von Energie Cottbus war an diesem Tag nur noch Formsache.

Nach dem 0:3 im Relegationshinspiel zu Hause gegen den 1. FC Nürnberg verloren die Lausitzer auch das Rückspiel in Franken mit 0:2. So weit die nackten Fakten.

Dieser 31. Mai 2009 sollte dennoch als ein besonderes Datum in die Historie des deutschen Profi-Fußballs eingehen.

Seitdem ist kein Verein mehr aus der ehemaligen DDR in der höchsten deutschen Spielklasse vertreten. Und wenn man nach Gründen dafür sucht, wird man wieder im äußersten Osten der Republik fündig.

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Mittlerweile droht Energie erneut abzusteigen - von der Zweiten in die Dritte Liga. Dabei lässt nicht nur der riesige Abstand von sieben Punkten auf den Relegationsplatz die Hoffnung auf einen Klassenverbleib schwinden, sondern vor allem der Zustand der Mannschaft.

Trotz Trainerwechsels haben die Spieler offensichtlich den Ernst der Lage nicht erkannt oder fühlen sich vom drohenden Abstieg so gelähmt, dass selbst eine 1:0-Führung - wie zuletzt beim 1:3 gegen Fortuna Düsseldorf - nicht die nötige Sicherheit gibt und das Spiel noch verloren wird.

Dabei ist das Team mit Boubacar Sanogo, Erik Jendrisek oder Uwe Möhrle nicht schlechter besetzt als in den insgesamt sechs Bundeliga-Jahren mit Laurentiu Reghekcampf, Andrzej Juskowiak oder Tomislav Pilplica.

Im Gegensatz zu heute entwickelte die Mannschaft damals aber eine Identität, die sie stark machte und selbst unschlagbar scheinende Gegner bezwingen ließ - wie 2008 Bayern München.

Damals wie heute sind einheimische Spieler eher die Ausnahme bei Energie. Doch während sich das derzeitige Team eher als blutleere Legionärstruppe präsentiert, einte die Spieler damals das Ziel, Cottbus und die Lausitz als Bundesliga-Standort zu bewahren.

Da spielte es auch keine Rolle, dass der damalige Trainer Eduard Geyer 2001 als erster Bundesliga-Coach überhaupt in seiner Startformation ausnahmslos Ausländer einsetzte.

Einen wie "Ede" vermissen sie derzeit am meisten in der brandenburgischen Stadt. Einer, der wieder Leben und Emotionalität in die Truppe bringt. Dem neuen Trainer Stephan Schmidt wird das nach dem denkbar schlechten Start von fünf Niederlagen in Serie nicht mehr zugetraut.

Eine Rückkehr des 69-Jährigen Geyer, der seit fünf Jahren nicht mehr als Coach gearbeitet hat, gilt aber ebenfalls als ausgeschlossen.

So droht dem einstigen Vorzeige-Klub aus der Lausitz das gleiche Schicksal wie den drei anderen ehemaligen Bundesligisten aus dem Osten: Hansa Rostock und Dynamo Dresden pendeln seit Jahren nur noch zwischen Zweiter und Dritter Liga hin und her.

Und Lok Leipzig - in den 1990er Jahren eine Saison als VfB Leipzig in der Bundesliga unterwegs - droht einmal mehr sogar die Fünftklassigkeit.

Hoffnung auf ein baldiges Ende der Dürre im Osten macht derzeit nur Union Berlin.

Schon seit Jahren spielen die Köpenicker mit dem dienstältesten Zweitliga-Trainer Uwe Neuhaus eine gute Rolle im Fußball-Unterhaus und liegen einen Spieltag vor der Winterpause nur drei Punkte hinter dem Relegationsplatz.

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