Nicht Jena oder Magdeburg gehen als Wintermeister in die Pause, sondern das kleine Neustrelitz. Bei Lok sieht es finster aus.

Für das Schwergewicht der Regionalliga Nordost hatte der letzte Spieltag vor der Winterpause schon fast Endspiel-Charakter.

Hätte der FC Carl Zeiss Jena vor heimischer Kulisse gegen Tabellenführer Neustrelitz verloren, wäre der ersehnte Aufstieg mit 13 Punkten Rückstand dahin gewesen.

Mit einer Energieleistung und einer gehörigen Portion Glück sprang gegen die Truppe von Thomas Brdaric ein 3:1 heraus.

Trotz nun "nur" sieben Zählern Abstand auf die Verfolger hat der ehemalige Bundesliga-Angreifer die Liga der großen Namen des Ost-Fußballs im Sturm erobert.

[image id="816f3b1b-63c0-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Mit überschaubarem Budget und akribischer Arbeit hat er in der tiefsten Provinz Mecklenburg-Vorpommerns einen möglichen Drittligisten geformt.

Brdaric hat sich schnell Respekt erarbeitet, muss sich aber dennoch hin und wieder in Auswärtsspielen Retourkutschen auf seine schillernde Vergangenheit gefallen lassen.

In Jena hielten die Fans ein Plakat mit der Aufschrift "Wieder Todesangst?" in die Höhe, auf dem Brdaric bei seinem legendären Zusammentreffen mit Torwart-Titan Oliver Kahn zu sehen war.

Der 38-jährige Schwabe nimmt es mit Humor und gewann mit seiner Mannschaft 13 von 16 Partien.

Dahinter lauern mit Jena und dem 1. FC Magdeburg die eigentlichen Favoriten und einstigen Europapokal-Finalisten, die sich - besonders bitter für die Traditionalisten unter den Anhängern - der Torfabrik von Union Berlins Zweiter (45 Tore in 16 Partien) erwehren müssen.

Zumindest an den Kernbergen haben sie das Ziel Dritte Liga nun aber wieder fest im Blick. Seit Trainer Andreas Zimmermann den einstigen Proficoach Petrik Sander (Cottbus und Koblenz) beim FCC ablöste, läuft es sportlich wieder rund.

Dazu kommt der Einstieg des belgischen Investors Roland Duchatelet, der auf der Mitgliederversammlung am Wochenende wohl verankert wird.

Seine Millionen sollen langfristig in eine neues Stadion und die Zweite Liga führen. Kurzfristig plant Präsident Rainer Zipfel Verstärkungen im Winter, um Neustrelitz noch abzufangen.

Nach der Farce um Trainer Andreas Petersen und den rüden Schubser gegen seinen Nordhäuser Kollegen will aber auch der FCM noch mitmischen. Es wäre wichtig, um Torgarant Christian Beck zu halten, der schon bei Zweitligisten im Notizbuch steht.

Mitfavorit FSV Zwickau und Absteiger Babelsberg stehen im Mittelfeld dagegen jenseits von gut und böse.

Ganz bitter sieht es beim traditionsreichen 1. FC Lok Leipzig aus. Wird das Nachholspiel gegen Hertha II nicht gewonnen, überwintert "Loksche" als Letzter.

Auch das Trainer-Engagement von Ex-Profi Heiko Scholz hat bisher nicht die Wende gebracht. Zwei Siege sind viel zu wenig.

Sein ehemaliger Bundesliga-Kollege Brdaric könnte dagegen spätestens mit dem Aufstieg wieder zur "Wilden 13" werden.

Weiterlesen