Carl Zeiss Jena will mit Millionen aus Belgien zurück in die Zweite Liga. Der Coup mit einem Investor wirft viele Fragen auf.

Am kommenden Sonntag hat Carl Zeiss Jena die wohl letzte Chance, die zarten Aufstiegshoffnungen weiter am Leben zu erhalten.

Dafür aber muss ein Heimsieg gegen den bislang souveränen Regionalliga-Spitzenreiter aus Neustrelitz her. Denn der ist dem thüringischen Traditionsverein schon nach 15 Spieltagen um zehn Punkte enteilt.

Eine noch wichtigere Entscheidung für die Zukunft des FCC steht indes eine Woche später an, und sie wird nicht auf dem Rasen fallen.

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Bei der Mitgliederversammlung am 15. Dezember entscheiden die Anwesenden über ein Angebot des belgischen Investors Roland Duchatelet, der sich für insgesamt sechs Millionen Euro bei den Thüringern einkaufen und bis zu 49,9 Prozent der Spielbetriebs-GmbH übernehmen will.

Zwei Millionen Euro würde der Belgier, der bereits den Verein Standard Lüttich besitzt, für die Anteile bezahlen. Je eine weitere Million werden in den kommenden vier Jahren für den Ausgleich des Etats veranschlagt.

Die Vereinsverantwortlichen sind von der Offerte offensichtlich schon restlos überzeugt und wollen diese Überzeugung auch unbedingt auf die Mitglieder des Klubs übertragen.

Präsident Rainer Zipfel träumt bereits von einer baldigen Rückkehr in die Zweite Liga, aus der die Jenaer vor fünfeinhalb Jahren abgestiegen sind.

Gespielt werden soll dann auch weiterhin im Ernst-Abbe-Sportfeld am Bahnhof Jena-Paradies, das bis dahin in ein reines Fußballstadion umgebaut werden soll.

Noch aber stehen hinter diesem Plan wegen des hochwassergefährdeten Standorts viele Fragezeichen - was auch für den Einstieg des millionenschweren Investors aus Belgien gilt.

Warum interessiert sich ausgerechnet dieser reiche Unternehmer für einen viertklassigen Verein aus Thüringen? Was passiert, wenn er aussteigen und seine Anteile verkaufen will? Wie wollen die Verantwortlichen verhindern, dass der Einfluss des Investors nicht zu groß wird?

Ein paar hundert Kilometer südlich ist vor ein paar Jahren ein ähnliches Projekt entstanden, als bei 1860 München der jordanische Geschäftsmann Hasan Ismaik eingestiegen ist.

Er kann zwar offiziell gemäß der 50+1-Regel im deutschen Profi-Fußball die Geschicke bei den "Löwen" nicht allein bestimmen. Der klamme Verein hängt dennoch am Tropf des launigen Investors und muss mit ihm alle wichtigen Vorhaben abstimmen.

All dies werden die Mitglieder in ihre Entscheidung mit einfließen lassen, wenn sie am 15. Dezember über das Angebot des Herrn Duchatelet abstimmen. Mindestens zwei Drittel der anwesenden Mitglieder müssen dafür sein - eine hohe Hürde.

Den Verantwortlichen steht sicherlich noch eine ganze Menge Überzeugungsarbeit bevor.

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