Trainer-Oldie Schädlich scheitert in Chemnitz nicht nur wegen fehlender Erfolge, sondern auch an sich überschätzenden Spielern.

Ein typischeres Ende hätte er nicht wählen können: Gerd Schädlich sind Wutreden, Schuldzuweisungen oder Durchhalteparolen fremd.

Deshalb beendete einer der erfolgreichsten Trainer des Fußball-Ostens seit der Wiedervereinigung sein Engagement beim Chemnitzer FC konsequent, prägnant und schnörkellos.

"Ich habe als Trainer auf die sportliche Entwicklung meiner Mannschaft reagiert. Mehr gibt es da nicht zu sagen", erklärte der Sachse nach dem bitteren 0:4 gegen Münster.

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Seine Ära ging mit einem völlig überraschenden Knall zu Ende, wie die der Dinosaurier durch den Meteoriteneinschlag vor 65 Millionen Jahren.

Auch Fußball-Dino Schädlich gehört zu einer aussterbenden Gattung. Man kann sich den bodenständigen 61-Jährigen kaum bei Twitter oder Facebook vorstellen,

Pressekonferenzen mit Showcharakter im Stile von Jürgen Klopp und Selbstdarstellung sind ihm fremd.

Schädlich stand schon seit seiner Zeit als Spieler der "Himmelblauen" für harte Arbeit, klare Hierarchien und Loyalität - Werte die heutzutage immer noch wichtig sind, aber bei einigen Spielern nicht mehr so hoch im Kurs stehen.

Der in Düsseldorf gescheiterte und vor der Saison nach Chemnitz zurückgekehrte Ronny Garbuschewski sagte beispielsweise: "Der Trainer hat immer seine Linie durchgezogen. Im Fußball ist das immer so, dass der eine damit besser kann und der andere nicht."

Wenn von Drittligaspielern Konsequenz als Schwäche gewertet wird, hat ein Mann wie Schädlich keine Argumente mehr - das hat der autoritäre Coach gespürt.

Dabei können Leute wie Garbuschewski ihre eigenen Ansprüche auf dem Platz nur selten untermauern und von Schädlichs Erfolgen bisher nur träumen.

Ohne auch nur im entferntesten finanziell Konkurrenzfähig zu sein, führte der Fachmann den FSV Zwickau in den 90er Jahren aus den Amateur-Niederungen an das Tor zur Bundesliga.

Knapp zehn Jahre später etablierte er den kleinen FC Erzgebirge Aue mit auf Konter ausgelegtem, aber durchaus attraktivem Fußball, nach dem überraschenden Aufstieg in der Zweiten Liga.

Drei Jahre lang geriet Aue nie in Abstiegsgefahr, bis Schädlich - Stichwort Konsequenz - nach einem 0:5 gegen 1860 München seinen Hut nahm.

2011 gelang ihm, inzwischen in Chemnitz, der dritte Streich: Regionalliga-Krösus RB Leipzig schnappte Schädlich das Ticket für die Dritte Liga weg und baute Schritt für Schritt ein Team auf, dem vor der laufenden Saison der Aufstieg zugetraut wurde.

Rang 15, aber viel mehr die fehlende Gefolgschaft der Mannschaft beendeten die Hoffnung auf den nächsten Coup.

Vielleicht ist in der um sich greifenden Superstar-Kultur einfach kein Platz mehr für Dinosaurier wie Schädlich.

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