Vor fast genau 22 Jahren schreiben die Rostocker Euro-Geschichte. Ein "Wessi" bezwingt die Barca-Stars um Jungspund Guardiola.

Anlässlich des Tages der Deutschen Einheit bietet sich ein besonderer Blick zurück in die ostdeutsche Fußballhistorie an.

Vor fast genau 22 Jahren machte sich der FC Hansa Rostock unsterblich. Am 2. Oktober 1991 gelang dem letzten Meister der alten Oberliga auch der finale Erfolg eines Starters der ehemaligen DDR im Europapokal.

Der Arbeiter- und Bauernstaat bestand zwar schon ein ganzes Jahr offiziell nicht mehr, aber die Liga hielt den Spielbetrieb noch eine Saison aufrecht, der Qualifikation für das DFB-System wegen.

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So vergab die UEFA auch noch Startplätze für die topplatzierten Teams einer totalitären Republik, die längst von sämtlichen Landkarten verschwunden war.

Der FC Hansa durfte sich deshalb nicht nur über die Qualifikation für die Bundesliga freuen, sondern zog im Pokal der Landesmeister auch noch das Traumlos.

Der große FC Barcelona unter dem legendären Johan Cruyff war für die damaligen Nobodys Juri Schlünz, Stefan Böger oder Olaf Bodden der Gegner.

Nach einem 0:3 im Hinspiel gegen die Stars um Michael Laudrup, Ronald Koeman und Hristo Stoitschkow gelang der Truppe von Trainer Uwe Reinders ein umjubeltes 1:0.

Der vor der Saison aus Mönchengladbach geholte "Klassenfeind" Michael Spies erzielte den goldenen Treffer, für die Mannschaft, die zu diesem Zeitpunkt noch die Westklubs aufmischte.

Der heutige Bayern-Trainer Pep Guardiola stand als 20-jähriger Jungspund im Ostseestadion schon in Barcas Starensemble, konnte den vor allem symbolisch wertvollen Sieg aber nicht verhindern.

Der heutige DFB-Nachwuchstrainer Böger entnervte Superstürmer Stoitschkow. Der Bulgare wurde knapp 20 Minuten vor Schluss völlig frustriert ausgewechselt.

Glück brachte der historische Erfolg der Kogge aber nicht. Während Barca zum ersten Mal den Landesmeister-Cup gewann, stand für die Ostseestädter am Saisonende der Abstieg.

Heute wird unter Bochums Ex-Trainer Andreas Bergmann in der Dritten Liga mit bescheidenem Erfolg am x-ten Neuaufbau gewerkelt.

Am gleichen Tag hatte sich im Übrigen wenige Stunden zuvor Rot-Weiß Erfurt im UEFA-Pokal durch ein 1:0 über den FC Groningen für die zweite Runde qualifiziert.

Die Truppe mit dem späteren Nationalspieler Thomas Linke verlor dann zweimal gegen Ajax Amsterdam und schied als letzter Ost-Klub überhaupt aus.

Es sollte zehn Jahre dauern, ehe ausgerechnet mit dem vom DDR-Regime so massiv schikanierten 1. FC Union Berlin wieder ein Verein auf europäischem Niveau mitmischen durfte - dem verlorenen Pokal-Finale gegen Schalke 04, eine Woche nach deren "Meisterschaft der Herzen", sei Dank.

Zwölf Jahre später ist für Rostock, Jena, Magdeburg und Co. ein europäisches Abenteuer Lichtjahre entfernt. Selbst die Bundesliga ist für die meisten ehemaligen Schwergewichte nur noch Wunschtraum.

Es bleibt - speziell am Tag der Deutschen Einheit - die Erinnerung an die strahlenden Europacup-Nächte, als selbst Pep der Zahn gezogen wurde.

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