Franz Beckenbauer (l.) und Paul Breitner wurden 1974 gemeinsam Weltmeister © getty

Immer mehr prominente Ex-Kicker machen deutlich, dass leistungssteigernde Substanzen einst an der Tagesordnung waren.

Frankfurt - Erst Franz Beckenbauer, dann Bernd Schuster, nun Paul Breitner.

Immer mehr Stars von einst plaudern teilweise sorglos über leistungssteigernde Mittel und Methoden - die Mär vom dopingfreien Fußball scheint zumindest für die Vergangenheit widerlegt.

In der Gegenwart soll alles besser sein, versichern die Vertreter des DFB - bemühen sich nebenbei aber trotzdem um ein besseres Kontrollnetz.

Die Aussagen der Idole von einst machen klar, dass das auch nötig ist.

Breitner: "Doping war Thema"

"Es wäre vermessen, wenn wir Fußballer sagen würden, dass das Thema Doping, und ich rede von 1986/87, also von den Jahren, in denen ich ein bisschen was mitbekommen habe, keines war", sagte Breitner bei "Servus-TV".

Selbstverständlich gelte dies auch für die Jahre davor: "Wer das wegwischt, ist ein Pharisäer für mich."

Breitner hat seine Karriere 1983 beendet, über Doping in den 80er-Jahren schrieb Toni Schumacher in seinem Skandalbuch "Anpfiff".

Blindes Vertrauen in Ärzte

Brisant waren auch die Einlassungen des Kaisers.

Angebliche "Vitaminspritzen" habe er zu seiner aktiven Zeit bekommen, sagte Franz Beckenbauer - und dabei hat er wohl blind den Ärzten vertraut.

"Keine Ahnung. Der Doktor hat gesagt: Das ist eine Vitaminspritze", sagte Beckenbauer im "ZDF-Sportstudio".

Was heute Doping ist...

1966 war Beckenbauer auch bei der WM in England dabei, die Diskussionen über den Nachweis von Ephedrin bei mindestens drei deutschen Spielern hat der DFB aber für beendet erklärt.

"Es ist unstrittig, dass die Ephedrin-Spuren die Folge von Nasensprays sind, die gegen Schnupfen eingesetzt wurden", sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch am Dienstag.

"Heute wäre das ein ganz klarer Dopingfall. Im Jahr 1966 ist die Definition von Doping aber eine ganz andere gewesen. Die Einnahme dieses Schnupfenmittels war 1966 erlaubt." Angeblich habe es damals mangels Vorschriften kein Unrechtsbewusstsein gegeben.

Große Geldsummen für Anti-Doping-Kampf

Einen laxen Umgang mit fragwürdigen Substanzen wolle der DFB heutzutage aber keinesfalls dulden.

Laut Vize-Präsident Koch fließen in den Anti-Doping-Kampf 700.000 Euro pro Saison, die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) erhält davon 200.000 Euro für die Durchführung der nach wie vor angestrebten 500 Trainingskontrollen.

"Mit dieser Summe gehören wir weltweit zu den Top-Drei-Nationen", sagte Koch, der neben den Bluttests im Training auch Wettkampfkontrollen einführen möchte. Allerdings gibt es Kritik, die Kontrollen seien auch dann noch nicht weitreichend genug.

Bald Blutkontrollen im Wettkampfbetrieb

Blutkontrollen im Wettkampf sind für den ehemaligen Nationalmannschaftsarzt Wilfried Kindermann nur noch eine Frage der Zeit.

"Es könnte vielleicht eine Verzögerung geben, aber ich bin fest davon überzeugt, dass der DFB in Kürze die Blutkontrollen im Wettkampf einführen wird", sagte er der "Sport Bild".

Tim Meyer, als Teamarzt für den DFB tätig, sieht die deutschen Ligen aber auch so gut aufgestellt. Und als jemand, "der gewiss engen Kontakt zur Sportartpraxis hat, sehe ich keine Anhaltspunkte dafür, dass im deutschen Profifußball in relevantem Umfang gedopt wird", sagte er.

Auch Beckenbauer und Breitner glauben trotz ihrer Erfahrungen von früher fest, dass heute Sauberkeit die Devise ist. "Du kannst Doping heute zu 99,9 Prozent ausschließen", so Breitner bei "Sky Sport News HD".

Doping damals üblich

Dass das früher in jedem Fall anders war, zeigen auch die Einlassungen von Malaga-Trainer Bernd Schuster, der sich bei "Sport Bild plus" für die Freigabe von Dopingmitteln zur "reinen Regeneration" aussprach.

In seiner Karriere sei es üblich gewesen, manchmal sogar am Morgen vor dem Spiel, dass "dir die Ärzte und Physios irgendwelche Sachen" gegeben haben.

"Wir haben alle irgendwas genommen. Keine Aufputschmittel im klassischen Sinn", sagte Schuster: "Da hast du nicht nachgefragt, was du da bekommst."

Bezeichnend für das damals anscheinend flächendeckend fehlende Unrechtsbewusstsein: Doping sei kein Thema gewesen, sagt Schuster, "weil es das als Wort allein, so wie wir es heute kennen, gar nicht gab".

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