Ein Traditionstrio will raus aus der Viertklassigkeit. In Magdeburg wachsen Hoffnungen. Kann die Seifenoper gegenhalten?

Am vergangenen Wochenende wehte einmal wieder ein Hauch von Profifußball durch Magdeburg. Zwar durfte der ehemals ruhmreiche 1. FC "nur" Energie Cottbus zur ersten Runde des DFB-Pokals empfangen, die Sehnsucht war jedoch allenthalben zu spüren.

Selbst Bundesliga-erfahrene Gäste wie Erik Jendrisek wunderten sich, dass ein solches Stadion samt der lautstarken Atmosphäre wirklich zu einem Regionalligisten gehört. Die schmucke MDCC-Arena und die unverwüstlichen Anhänger sind auch das größte Faustpfand des einzigen Europapokalsiegers der DDR-Geschichte.

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Seit der Wiedervereinigung kämpft der ehemalige Verein von Legenden wie Joachim Streich, Jürgen Sparwasser oder "Maxe" Steinbach vergeblich um den Aufstieg in das bundesdeutsche Profigeschäft.

Immer zum falschen Zeitpunkt erwischten sportliche oder finanzielle Krisen den Klub. So war es in der letzten Oberliga-Saison 1990/1991 und auch 2007/2008 - die Qualifikation für die Zweite und Dritte Liga wurde jeweils hauchdünn verpasst.

Der Aufstieg des ungeliebten Brause-Imperiums RB Leipzig eröffnet nun die größte Chance seit Jahren. Die Truppe von Trainer Andreas Petersen - Vater des Bremer Bundesliga-Stürmers Nils Petersen - greift in dieser Woche in die Regionalliga Nordost ein und gilt als Favorit.

Ex-Profi und Rückkehrer Lars Fuchs soll die vielen Talente gemeinsam mit dem Zweitliga-erfahrenen Kapitän Marco Kurth führen.

Die größten Konkurrenten sind zwei altbekannte Rivalen: Carl Zeiss Jena und der FSV Zwickau.

Die Mitbewerber könnten unterschiedlicher kaum sein. Während Zwickau mit dem langjährigen Jenaer Torsten Ziegner als Trainer unaufgeregt am Aufbau einer schlagkräftigen Mannschaft arbeitet, geht es in Thüringen nicht ohne Drama.

Ob Flutlichtmasten, leere Kassen, Streit um Posten oder den Stadion-Umbau: Die Seifenoper des FCC liefert teils skurrile Schlagzeilen.

Der frühere Cottbus-Coach Petrik Sander ist nicht zu beneiden und versucht mit Mini-Budget, den Aufstieg zu realisieren. Die Zeit der namhaften Söldner ist jedenfalls vorbei.

Der bekannteste Neue dürfte Fans des Ostfußballs nur aufgrund seines Nachnamens bekannt sein. Junior Torunarighas Vater Ojokojo Torunarigha avancierte in den frühen 90er Jahren in Chemnitz unter Trainer-Ikone Hans Meyer zum Publikumsliebling in der Zweiten Liga. Jetzt soll der Junior Meyers Heimatverein wieder nach oben schießen.

Selbst wenn es einer aus dem Traditionstrio schafft, sich gegen Meuselwitz, Auerbach, Lok Leipzig und Co. durchzusetzen, ist das aber noch keine Garantie.

Danach folgt schließlich noch die Relegation gegen ein Team aus einer anderen Regionalliga-Staffel. Der Weg aus der Vierten Liga ist also nicht nur für Magdeburg lang und steinig.

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