Seit der Wiedervereinigung spielen die meisten Top-Klubs aus der ehemaligen DDR in den unteren Ligen und damit auch unter dem Radar der überregionalen Medien. Das will SPORT1 nun ändern. Wir spüren die vergessen geglaubten Traditionsklubs zwischen Elbe und Oder wieder auf und nehmen die dortigen Geschehnisse in unserem wöchentlichen Ost-Blog unter die Lupe.

Der DFB-Pokal fehlt Matthias Sammer noch in seiner Trophäen-Sammlung.

Nach dem gewonnenen Viertelfinale gegen Borussia Dortmund spricht einiges dafür, dass der Sportvorstand des FC Bayern am 1. Juni auch diesen Titel feiern kann.

Pokalsieger darf sich der gebürtige Sachse indes bereits jetzt nennen. In seinem letzten Spiel für Dynamo Dresden gewann er im Finale gegen den Polizeisportverein Schwerin den FDGB-Pokal.

1990 war das. Im Jahr der Wiedervereinigung, als auch der Pokalwettbewerb der DDR - benannt nach dem dortigen Gewerkschaftsbund - zu einem Auslaufmodell wurde. Nur ein Jahr später folgte die letzte Ausgabe.

Das ist nun schon über zwei Jahrzehnte her, lohnt aber dennoch einen Blick zurück.

[image id="5a4fc5d7-63e1-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Denn der Pokal-Wettbewerb im Arbeiter- und Bauernstaat wies nicht nur zahlreiche Parallelen zu seinem Pendant im Westen auf, er brachte auch international erfolgreiche Mannschaften hervor.

Der FDGB-Pokal sorgte für einige Überraschungen und hob sich damit vom langweiligen Oberliga-Alltag ab, der seit 1979 vom Stasi-Klub BFC Dynamo dominiert wurde.

Während einige ihrer zehn Meisterschaften bis heute nach Manipulation stinken, waren die Berliner im Pokal mit insgesamt drei Titeln weit weniger erfolgreich.

Mehr noch: Sie blamierten sich einmal bis auf die Knochen. Im November 1986 schieden sie schon in der zweiten Runde aus: Bei der BSG Chemie Böhlen.

Der 1:0-Sieg des Zweitligisten aus dem sächsischen 7.000-Seelenort war genauso eine Sensation wie der Erfolg des TSV Vestenbergsgreuth acht Jahre später gegen den FC Bayern im DFB-Pokal.

Wie der fränkische Provinzklub mit der SpVgg Fürth schloss sich übrigens auch Chemie Böhlen später mit Chemie Leipzig zu einem neuen Verein zusammen, der dann Sachsen Leipzig hieß.

Das Pokalfinale wurde seit 1975 jedes Jahr im Berliner Stadion der Weltjugend vor bis zu 50.000 Zuschauern ausgetragen und fand damit schon zehn Jahre früher als der DFB-Pokal seinen festen Platz in der Hauptstadt.

Und wer dort gewann, hatte den Pokal auch wirklich verdient.

Mit dem 1. FC Magdeburg, Carl-Zeiss Jena und Lok Leipzig zogen drei Sieger in den darauf folgenden Spielzeiten im Pokal der Pokalsieger ins Finale ein. Magdeburg gewann 1974 das Endspiel sogar gegen den AC Mailand. Erfolge, von denen der BFC im Meisterpokal nur träumen konnte.

Auch Matthias Sammer kann den Cup der Pokalsieger nicht mehr gewinnen. Er wurde 1999 von der UEFA abgeschafft. Das wird ihn aber nicht weiter stören. Sein jetziger Verein ist ausschließlich auf Champions League gepolt.

Den DFB-Pokal würde er dennoch liebend gern zum ersten Mal gewinnen. Dann könnte er sich endlich auch im wiedervereinigten Deutschland Pokalsieger nennen.

Weiterlesen