Seit der Wiedervereinigung spielen die meisten Top-Klubs aus der ehemaligen DDR in den unteren Ligen und damit auch unter dem Radar der überregionalen Medien. Das will SPORT1 nun ändern. Wir spüren die vergessen geglaubten Traditionsklubs zwischen Elbe und Oder wieder auf und nehmen die dortigen Geschehnisse in unserem wöchentlichen Ost-Blog unter die Lupe.

Der Winter hat dieser Tage auch den Fußball-Osten noch fest im Griff. Entsprechend schleppend hat der Spielbetrieb in Dritter Liga und Regionalliga begonnen.

Mancher Traditionsverein steckt aber nicht nur aufgrund des trüben Wetters in der Tristesse fest. Der FC Carl Zeiss Jena kämpft schon länger gegen eine hartnäckige Depression.

Abstieg in die Viertklassigkeit, Neuaufbau mit Nobodys, eine inkonstante Hinrunde und der daraus folgende riesige Rückstand auf die Brause-Elf von RB Leipzig: Trainer Petrik Sander ist nicht zu beneiden.

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Da würden einem von nur drei Europapokalfinalisten der ehemaligen DDR in vielerlei Hinsicht Sonnenstrahlen guttun.

Denn der bescheidene Sponsorenpool im Ortsteil Paradies am Fuße der Kernberge bekam in der Winterpause Zuwachs. Ein Unternehmen der Solarbranche aus Baden-Württemberg schmückt zunächst bis Saisonende die Brust der Thüringer.

Auf den ersten Blick verwundert das lobenswerte Engagement der Mittelständler, schließlich geht es auf diesem auch international umkämpften Markt seit längerem ähnlich bergab, wie sportlich beim einst ruhmreichen FCC.

Im Vergleich zur Konkurrenz ist die fünfstellige Summe aber nicht viel mehr als Peanuts und unterstreicht die gegenwärtig nicht besonders vielversprechende Perspektive in der Universitätsstadt.

Vereinslegende Peter Ducke spricht Fans und ehemaligen Weggefährten aus der Seele: "Jena als Fußball-Hochburg in der vierten Liga - das ist eine Katastrophe hoch zehn."

Man habe sich durch permanente Fehleinkäufe und Trainerwechsel stetig "nach unten gepegelt", klagte der einstige Nationalspieler unlängst in einer Regionalzeitung.

Symptomatisch für die Probleme in Jena ist, dass in der direkten Nachbarschaft des neuen Geldgebers auch der Namenspate des Vereins sitzt.

Vor 110 Jahren wurde der Klub als Werkself des heutigen Weltkonzerns Carl Zeiss gegründet, doch Unterstützung jeglicher Art gibt es schon seit vielen Jahren nicht mehr.

Durch die unfreiwillige Werbung für den Konkurrenten fühlen sich ortsansässige, potenzielle Geldgeber aus der Optik-Industrie blockiert.

Der Mutterkonzern steckt sein Geld statt in die eigene Tradition lieber in andere Aktivitäten - wie TV-Sendungen über Vogelkunde.

Auch deshalb denkt die Klubspitze über eine Namensänderung nach. Dank Aktionärsinteressen könnte so ein weiterer klangvoller Name für immer von der Landkarte verschwinden.

Davon ungerührt versucht die junge Mannschaft ein Frühjahrserwachen zu bewerkstelligen. Mit einigen Neuzugängen um Stürmer Andis Shala vom Halleschen FC soll mittelfristig die Rückkehr in den bezahlten Fußball gelingen.

Größter Hoffnungsträger ist bei diesem Vorhaben nun die Sonne. Der Frühling kann kommen.

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